Mein neues Navi sagt immer „Achtung!“, wenn ich zu schnell fahre. Es passt auf, dass die Strafe nicht höher wird, als ich bezahlen möchte. Es kennt auch Radarstationen. Das alte wusste längst nicht so gut Bescheid. Ich bin schon ganz gespannt auf das nächste in zwei, drei Jahren. Das weiß dann, ob ich falsch parke oder ob hier oft Autos aufgebrochen werden. „Warum parken Sie denn hier?“, meinte der Polizeibeamte schwach vorwurfsvoll, als ich ihm an der Messe Sindelfingen bekümmert meine zertrümmerte Beifahrerscheibe zeigte.

So etwas müsste es auch für die Gesundheit geben. „Uli, deine Tabletten!“, diesen steten Voressensruf meiner Mutter habe ich noch heute im Ohr, lange nach beider Tod. Muss man denn unbedingt verheiratet sein, damit man die Medizin akkurat einnimmt? Das Navi würde jetzt etwas zu laut „Achtung! Medizin!“ sagen. Ja, genau, wir brauchen ein Welfi, ein Wellness-Fitness-System.
Die Tabletten könnten ein RFID an der Hülle haben, damit das Welfi weiß, was ich genau wann geschluckt habe. Wir könnten Sender im Magen haben (so wie die Kugeln im Trockner), die die eingenommene Flüssigkeitsmenge messen und die Kalorien zählen. Das Welfi sagt dann STOP. Oder „Uli, es ist genug!“ Kennen sie die Pein, wenn Sie eigentlich abnehmen wollen und beim Kaffee immer wieder von Sadistinnen Kuchen aufgeladen bekommen? „Das Welfi sagt Danke.“ Es hat ständigen Funkkontakt mit meinen luxuriösen Fitnessgeräten im Keller, die so teuer waren, dass ich sie sehr schone, damit sie lange halten. Es misst die Bewegung, den Verbrauch von Körperenergie und meldet meine Spannkraft. Das Welfi warnt vor ungewolltem Kindersegen oder Herpes beim Küssen und zwingt mich zu den ärztlich verordneten Kniebeugen.
Es rät draußen zum Schalumbinden und warnt mich vor Schnupfen. Es erinnert mich an das Auffrischen der Impfungen und an die vorgeschriebenen Inspektionen beim Arzt. Das Welfi meldet jeden Hormonstoß bei Ehekrach oder bei einer Chefbegegnung. Wenn es zu laut wird, schützt es meine Seele durch die Mahnung „Achtung vor dem Anderen!“
Wenn der Arzt je ein Problem an mir findet, liest er einfach den Gesundheitsschreiber aus. Es ist jetzt ganz egal, was ich ihm vorlüge. Einfühlende Gespräche können entfallen. Ganz objektiv wird klar, wie es zu den Problemen kam! Meine Daten werden sofort automatisch in alle Studien der Universitäten umgeleitet, die daraus automatisch Doktorarbeiten erstellen. Alles dank Welfi.
Ich habe meine Gedanken schon Innovatorenkreisen dargelegt. Schade, sie haben Zweifel, ob der Kunde es annimmt, wie sie sagen. Warum aber nehme ich denn mein Navi? Warum bin ich schwach dankbar für jede Warnung, obwohl es mich ziemlich nervt? Ah, ja! Wir haben etwas Wichtiges vergessen! Man muss das Ungesunde hart bestrafen! Anschreien wie Falschparken oder Tablettenverweigerung mit Verdopplung der Arztrechnung! Gesundheit darf nicht länger freiwillig sein. Die IT muss in Gestalt des Welfi Macht über uns bekommen, damit wir auch gegen unseren Willen leben.

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Prof. Dr. Gunter Dueck
  • Kolumnist, Schriftsteller, Unternehmer
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