Im Projekt SONIA wird untersucht, wie ältere Menschen moderne Technologien nutzen können, um ihre Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben zu erhöhen. Eine virtuelle Plattform soll sie dabei unterstützen, sich über Angebote in ihrem Wohngebiet zu informieren und sich stärker miteinander zu vernetzen.

Tablet-Computer vereinfachen vielen Senioren den Einstieg in die digitale Welt. Die intuitive Bedienung und vergleichsweise günstige Einsteigermodelle sorgen dafür, dass bereits zehn Prozent der Menschen ab 65 Jahren Tablets nutzen. Das hat eine Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben. »Das Tablet ist ein Medium, mit dem ältere Menschen gut zurechtkommen. Die intuitive Wischfunktion oder das Vergrößern von Bildausschnitten mit Daumen und Zeigefinger ist für die meisten einfacher, als eine Maus zu bedienen«, sagt Petra Gaugisch vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. Sie leitet das Verbundprojekts SONIA, bei dem die Vorteile der Tablets genutzt werden sollen. SONIA steht für Soziale Inklusion durch technikgestützte Kommunikationsangebote im Stadt-Land-Vergleich. An drei Standorten, die sich auf städtische und ländliche Regionen verteilen, erproben die Projektpartner den Einsatz einer virtuellen Plattform, die das gesellschaftliche Leben der Senioren fördern soll.

»Wir haben den Teilnehmern nicht einfach die Tablets vor die Nase gesetzt, sondern sie vorab ausführlich zu ihren Bedarfen und ihrer Lebensgestaltung befragt. Besonders stark ist bei allen der Wunsch nach mehr Informationen, einem größeren Miteinander und nach mehr Austauschmöglichkeiten. Wir wollen ein virtuelles Angebot schaffen, das diesen Wunsch erfüllt und in einen realen Kontakt mündet«, erklärt Gaugisch.

Angst, sich im Internet zu »verlaufen«

Für viele der teilnehmenden Senioren war es das erste Mal, dass sie einen PC oder ein Tablet und das Internet benutzt haben. »Die Teilnehmer haben uns im Vorfeld von ihren Bedenken erzählt. Viele haben Angst, sich im Internet zu ‚verlaufen‘. Es war also klar, dass wir einen virtuellen Ort, eine Plattform brauchen, die ihnen diese Angst nimmt«, so Gaugisch. 

Das Projekt »SONIA« untersucht, wie moderne Technologien die soziale Teilhaben von Senioren fördern können. Bild: basierend auf CareBW | nubedian GmbH

Erprobt wurde das Konzept unter anderem in dem baden-württembergischen Wohnquartier Rauner in Kirchheim unter Teck. »Der Projektstandort bietet gute Voraussetzungen, da das Wohngebiet über ein Quartiersmanagement mit Ansprechpartnerin für die Senioren verfügt, daran konnten wir anknüpfen«, erläutert Gaugisch. Das Projekt ist dort im Januar 2014 mit 40 Teilnehmern gestartet. Die teilnehmenden Senioren sind zwischen 64 und 85 Jahren alt. Innerhalb der letzten zwei Jahre fanden allein im Rauner rund 60 Anleitungen und Beratungstermine statt, bei denen die Teilnehmer im Umgang mit den Tablets und der SONIA-Plattform geschult wurden. Mittlerweile werden die Geräte sehr rege genutzt, die Teilnehmer haben Sicherheit im Umgang mit den mobilen Computern gewonnen und sind neugierig auf die Möglichkeiten, die neue Medien bieten. »Besonders beliebt sind Dienste wie Chat, E-Mail und Kamera«, sagt Gaugisch. Auf der Plattform erhalten die Teilnehmer aktuelle Informationen und Neuigkeiten aus ihrem Stadtteil, können Angebote zur gegenseitigen Unterstützung einstellen und gemeinsame Treffen organisieren. An den anderen Standorten Furtwangen und Mönchsweiler laufen die Projekte ähnlich ab. Optisch wurden die Plattformen dem jeweiligen Standort angepasst, um über individuelle Logos und Farben einen Wiedererkennungswert zu schaffen.

Plattform als Baukastenprinzip

Die technische Umsetzung der Plattform übernimmt die Hochschule Furtwangen. »Wir fungieren im SONIA-Projekt als Schnittstelle zwischen Technik und Praxis«, sagt Gaugisch. Neben der Durchführung der Bedarfsanalyse und der Teilnehmerinterviews sind die Sozialwissenschaftler am Fraunhofer IAO für die Erarbeitung der Konzepte für das Rauner-Quartier und die Betreuung der Praxisphasen vor Ort zuständig.

Das Projekt »SONIA« untersucht, wie moderne Technologien die soziale Teilhaben von Senioren fördern können. Bild: basierend auf CareBW | nubedian GmbH

Aus den Praxisphasen entwickelt das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, das ebenfalls am Projekt beteiligt ist, nun eine Handlungsempfehlung und entsprechende Workshops für Politik, Technik und Unternehmen. Das Projekt selbst soll eigenständig weiterlaufen, die Gruppen werden schon jetzt durch die Senioren selbst gesteuert. Im nächsten Schritt geht es darum, ein Geschäftsmodell zu konzipieren. Zum Beispiel für Unternehmen, die seniorengerechte Plattformen anbieten. »Langfristig wollen wir ein Modulsystem nach Baukastenprinzip anbieten, da wir festgestellt haben, dass es enorm wichtig ist, die Plattform an die Belange des jeweiligen Wohngebiets anzupassen«, kündigt Gaugisch an. Das Modulsystem könnte nicht nur von Kommunen sondern auch von Wohnungsbaugenossenschaften genutzt werden, die über die Plattform beispielsweise Hausmeisterdienste anbieten könnten. Was die Technik angeht, sollen Updates und Aktualisierungen der Plattform, die zurzeit noch manuell auf die Tablets aufgespielt werden müssen, in Zukunft automatisiert erfolgen. Außerdem wollen die Projektpartner ältere Menschen mit Pflegebedarf stärker in das Projekt miteinbeziehen. Gaugisch: »Mit der Einbindung in die Entwicklung wären pflegebedürftige Menschen überfordert gewesen. In Zukunft wollen wir ein Patenmodell etablieren, um ihnen ebenfalls den Zugang zur Plattform zu ermöglichen.« (mdi)

Keine Kommentare vorhanden

Das Kommentarfeld darf nicht leer sein
Bitte einen Namen angeben
Bitte valide E-Mail-Adresse angeben
Sicherheits-Check:
Vier + = 6
Bitte Zahl eintragen!
image description
Expertin
Alle anzeigen
Dipl.-Paed. Petra Gaugisch
  • Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
Weitere Artikel
Alle anzeigen
Digitale Ethik: Unterdrücken uns Algorithmen?
Digitale Ethik und Algorithmenethik
WiBACK: Lösungen für flexible & autonome Netze
Stellenangebote
Alle anzeigen