SOA (Service Oriented Architecture) ist seit langem ganz oben auf der Hype Curve. Alle reden davon. SOA ist eine Sammlung von Leitideen, die ganze IT eines Unternehmens modular zu strukturieren und damit flexibel und wandlungsfähig zumachen. Vor allem aber wird dem Wildwuchs verschiedener Denksysteme und Altlasten ein Ende gemacht:

Es wird richtig aufgeräumt. Das derzeitige und seit langem chronische Durcheinander ist den Techies ein Dorn im Auge. Wenn diese sich einen Berater kommen ließen, würde der sagen, sie hätten da einen Pain Point. Und wo ein Pain Point ist – das wissen auch die Techies – da werden Aufträge erteilt; da gibt es Geld für Projekte. So richtig aber schäumt der Markt gar nicht über. Die SOA-Experten sind im Großen und Ganzen ausverkauft, aber ein Run ist es nicht. Wie kommt das?

Bei den Pain Points kommt es sehr darauf an, WER die Schmerzen hat. Ein Beispiel: Ein 17-jähriger Sohn lebt in seinem vermufften Zimmer zum absoluten Überdruss seiner Eltern ständig im Dreck und ist immun gegen alle Ermahnungen. Da verliebt er sich eines Tages. Die Angebetete will ihn zu Hause besuchen kommen. Was passiert? Meister Proper wirbelt einen halben Tag, die Mülltonne quillt über. So ist es bei SOA auch. Den CEO kümmert die Unordnung gar nicht, so lange alles von außen gesehen prächtig funktioniert. Ja, es ist noch verzweifelter als im Beispiel des versifften Zimmers: Der CEO wird eventuell gar nichts von der Unordnung wissen. Man hat ihm womöglich sogar jahrelang „alles okay“ signalisiert und bei Pannen waren »die Computer schuld«. Der CEO hat wahrscheinlich nicht annähernd einen Pain Point (das ist die Beraterübersetzung des Wortes Motivation ins Deutsche).

Die Motivation für eine Neugestaltung der IT wird aus dem Business kommen müssen. Irgendein Goldrausch muss seinen Besuch androhen. Dann wird ganz sicher und sehr schnell aufgeräumt. Das bedeutet, dass das Business erst neue Anforderungen an die IT haben muss. Es muss eine neue Business Oriented Architecture (BOA) verlangen. Dann erst zündet die ganze Idee von SOA, die Infrastrukturen zu modularisieren.

Die Frage ist dabei auch, WIE man ein Modulsystem aufbauen soll. Die SOA-Fachleute raten, die IT wie ein Legohaus zu strukturieren, aus wieder verwendbaren Bausteinen. Das ist im Prinzip gut, aber dann würde ja jedes Großunternehmen mit großer IT einen eigenen Legobaustein-Standard einführen. Das Problem ist ja, einen „einheitlichen“ Standard zu haben. Dann erst wirkt sich der SOA-Effekt wirklich segensreich aus.

Einheitlichkeit aber braucht Zeit, viel Zeit. Wie bei DVD-Normen oder Gesundheitskarten. Wahrscheinlich werden sehr verflochtene neue Infrastrukturen die Einheitlichkeit implizit erzwingen. Telemedizin schickt Herzschlagdaten und vernetzt Patienten, GPS, Krankenhäuser und Notärzte. Autos bekommen Betriebssysteme, Unternehmen ein „Enterprise Operating System“. Kommunikations- und Zahlungssysteme verschmelzen. Das alles verlangt BOA. Und dann gibt es lange Jahre Aufschwung für die IT. Dafür brauchen wir dann nur noch die Informatiker.

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Autor
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Prof. Dr. Gunter Dueck
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