Es gibt nur ein System, das das Potential hat, die Arbeitswelt völlig zu revolutionieren. Milliarden Instanzen davon wurden bereits in äußerst heterogenen Umgebungen aufgesetzt. Dieses System ist in der Lage, völlig autonom zu arbeiten. Und gleichzeitig hat es schon lange vor Facebook begonnen, sich spontan in sozialen Netzwerken zu organisieren, was seine Produktivität extrem erhöht hat.

Gemeinhin wird dieses System als »Mensch« bezeichnet, und es weist eine Reihe unschlagbarer Alleinstellungsmerkmale auf: Es beherrscht Mustererkennung und Semantik, wohingegen sich Rechner damit ja oft schwertun. Die durch den Menschen verursachten laufenden Kosten sind gering. Er gibt sich mit einer guten Brotzeit, eingenommen mit einer ordentlich eingeschenkten Halben Bier und in einer angenehmen Systemumgebung, genannt Wohnung, zufrieden. Und vor der Wohnung hat er gerne ein Auto stehen, um damit während der Downtime in Urlaub zu fahren. Für das bisschen, was das kostet, bekommt man in der Mainframe- Klasse keinen Einstiegsrechner.

Das System generiert laufend neue Versionen von sich. Auf deren Initialisierungsprozess ist es sogar geradezu versessen. Und es konfiguriert die neue Menschengeneration selbständig, was sich äußerst positiv auswirkt, denn anfangs ist deren einziger Output braun und stinkt. Es handelt sich beim Menschen um ein sehr grünes System. Meist nur wenige Jahrzehnte, nachdem es außer Betrieb genommen worden ist, stellt es den Ressourcenverbrauch völlig ein. Und die Hardware baut sich vollständig biologisch ab. Lediglich einige Systemtheoretiker behaupten, ein Stück Software, genannt Seele, sei persistent.

Jene Seele – das wissenschaftliche Branding dafür ist: »Psyche« - betrachten allerdings viele während der Uptime als einen Bug. Die Subordinationsfähigkeit des Systems wird dadurch sehr eingeschränkt. Der Mensch ist keine Mainframe-Datenbank und lässt sich daher in seiner entwickelten Form nicht in hierarchischen Strukturen ablegen. Auch hat er es nicht gerne, wenn irgendwelche oft mit nur geringer Eigenintelligenz ausgestatteten Hypervisors versuchen, ihn während der Betriebszeit zu übertakten.

Aus alldem ergibt sich jedoch, dass für den Menschen tatsächlich gilt, was die IT-Industrie häufig über ihre Systeme glauben machen möchte: Was wie ein Bug aussieht, ist eigentlich ein prächtiges Feature. Und die neuen Arbeitswelten, die in diesem Heft beschrieben sind, werden schöne und hochproduktive sein, wenn der menschliche Core-Bug darin zum Tragen kommt. Dann nämlich wird das zentrale System autonom agieren und kooperieren, dass es eine wahre Freude ist. Denn das hat sich beim Menschen während eines jahrtausendelangen iterativen Entwicklungsprozesses ganz tief in die Systemsoftware eingegraben.

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Achim Killer
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