Das Geschäftsprinzip eines journalistischen Zeilenschreibers – der etwas feinere Begriff dafür lautet Free Lancer – es ähnelt doch sehr dem des Kopfgeldjägers Sentenza, gespielt von Lee Van Cleef, aus »The Good, the Bad and the Ugly«.

Jener formulierte so treffend: »Wenn ich für einen Auftrag bezahlt werde, dann führe ich ihn auch aus.« Intrinsische Motive wären edler, aber weniger nahrhaft. Und deshalb wird nicht geschrieben, was interessiert, sondern das, wofür’s Geld gibt. Selten, dass man mal mit einem Artikel beauftragt wird, den man mit Herzblut, statt mit Ink-Jet-Tinte schreiben möchte.

Die aktuelle Kolumne ist eines dieser raren Exemplare: Digitaltechnik in der Medienproduktion ist… einfach klasse! Wer wie ich vor 20 Jahren beim Radio angefangen hat, dem schmerzt noch heute die Schulter beim schieren Gedanken an die zwar wunderbaren,aber elendschweren UHER-Reportergeräte seinerzeit. Formulare mit sechs Durchschlägen mussten ausgefüllt werden, um so ein Spulen-Tonbandgerät tageweise auszuleihen.

Und dann erst die Hierarchie in den Rundfunkanstalten: Die wies mehr Ebenen auf als ein gängiger Formularstapel. Und zu jeder galt es ein gutes Verhältnis zu pflegen. Noch wichtiger aber war das gute Verhältnis zu den Redaktionssekretärinnen.

Denn die verwalteten die Termine für die Produktionsstudios. Und wenn all diese Unwägbarkeiten glücklich umschifft waren, dann saß man dort stundenlang, um aus einer Aufnahme unzählige winzige Bandstückchen herauszuschneiden, damit zum Beispiel Interviews mit Spitzenpolitikern die Form scheinbar flüssig gesprochener, deutscher Sätze annahmen.

Schön war’s schon – aber schwer. Heute ist’s leichter. Mein Aufnahmegerät wiegt gerade mal 300 Gramm. Auf seinen Flashspeicher passen stundenlange Interviews in Studioqualität. Und mit einem Stückchen Freeware aus dem Internet lassen sich daraus sehr einfach Radiobeiträge erstellen – aus o-Tönen und Sprecherpassagen.

Letztere nehme ich in meinem Kleiderschrank auf. Kleiderschränke stehen professionellen Sprecherkabinen um nichts nach. Und mit Hilfe der Freeware lassen sich die meist vielen Ähs leicht aus den o-Tönen herausscheiden.

Früher waren das diese Bandstückchen, die genau zu begrenzen, so viel Mühe und Zeit erfordert hatte. In die Rundfunkanstalten gelangen die fertigen Beiträge dann via TCP/IP. Bilder für Zeitschriften – die sind besser bezahlt als Zeilen – schießt unsereins heute mit der Digicam. Das erspart einem die Nächte im Chemikalienschwaden verhangenen Entwicklerlabor. Und zur Recherche haben wir das Internet. Das ist ergiebiger als jeder Nachrichten-Ticker.

Es ist ein wunderbar freies Leben, das der Free Lancer heute führt. Redakteure, leitende Redakteure, Ressortleiter, Chefredakteure und andere Leute, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie einem beim Arbeiten im Weg herumstehen, sind real ganz weit weg. Virtuell hingegen – vom heimischen Arbeitsplatz aus – erkundet unsereins den Cyberspace und das wirkliche Leben, die gute Digicam und das treue Recording-Device an seiner Seite.

So müssen sich Leute wie Sentenza früher gefühlt haben, die über das weite Land ritten und Aufträge ausführten, für die sie bezahlt wurden.

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Achim Killer
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