»Basel II« soll 2007 in Kraft treten und ist zunächest ein reines Bankenthema. Da Basel II jedoch die Arbeit der Kredi­tabteilungen beeinflusst, muss sich auch die Geschäftsleitung intensiv mit den geänderten Anforderungen an die Kreditvergabe befassen.

Da Basel II jedoch die Arbeit der Kredi­tabteilungen beeinflusst, muss sich auch die Geschäftsleitung intensiv mit den geänderten Anforderungen an die Kreditvergabe befassen. Bereits in der Vergangenheit haben speziell kleine und mittelständische Unter­nehmen (KMU) über eine restrikti­vere Vergabepraxis ihrer Hausbanken geklagt. Geschäftsführer und Finanz­vorstände sind mit folgenden Fragen konfrontiert:

Welche Maßnahmen sind erforderlich, um Kreditvergabe und Ratingprozess positiv zu beein­flussen? Bestehen alternative Finan­zierungsmöglichkeiten? Wie weit gehen die Mitwirkungspflichten ge­genüber der Bank in Abgrenzung zu den Geheimhaltungspflichten gegen­über der Gesellschaft? Sind die zu treffenden Maßnahmen haftungs­rechtlich sanktioniert oder fallen sie in ihr nur eingeschränkt justiziables Ermessen?

Zunächst muss die Geschäftsleitung die neuen Anforderungen an die Kre­ditvergabe kennen. Dabei ist die reine Hausbank-Perspektive nicht mehr zeitgemäß. Es müssen auch alterna­tive Finanzierungspartner und -ins­trumente (zum Beispiel Mezzanin­Lösungen) berücksichtigt und auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. Vor allem dann, wenn die Hausbank die Konditionen unter Hinweis auf Basel II verschlechtern will.

Es ist intern neuer Sachverstand zu bilden oder extern »einzukaufen«. Verhandlungen mit der Bank sind sorgfältig vorzube­reiten. Bankinterne Abläufe bei der Kreditvergabe müssen bekannt und Fallstricke im Kreditvergabeprozess beachtet werden. Beispielsweise kann nach Basel II für Kredite an Unter­nehmen, die 1 Mio Euro nicht über­schreiten, das Kleinkreditprivileg für KMU greifen. Dies bewirkt geringere Eigenkapitalanforderungen und bes­sere Kreditkonditionen. Deshalb kann es sinnvoll sein, ein Kreditengage­ment zu splitten.

Wichtig ist auch, dass nach Basel II die Überziehung der Kreditlinie um mehr als 90 Tage als Ausfall des Kredits gewertet wird. Dies hat Auswirkungen auf die künf­tige Risikogewichtung. Die Konto­führung muss also »Basel II-gerecht« erfolgen und Liquidität rechtzeitig umgeschichtet werden. Die Mitwir­kungspflichten im Ratingverfahren sind durch Basel II umfassend erwei­tert worden. Die Geschäftsleitung muss künftig aktiv mit der Bank zusammenarbeiten. Die Kreditins­titute sind auf dem laufenden Stand zu halten. Zudem wird eine unter­jährige Berichtserstattung erwartet durch Vorlage von betriebswirt­schaftlichen Auswertungen (BWA). Die Transparenz ist nötigenfalls durch die Bereitstellung entspre­chender Software sicherzustellen.

Zu klären bleibt das Spannungsver­hältnis zwischen den Informations­pflichten gegenüber der Bank und der Verschwiegenheitspflicht gegenüber der Gesellschaft. Ein Verstoß hierge­gen kann im schlimmsten Fall zum Widerruf der Organstellung führen. Dabei bestehen in der AG größere Freiheiten als in GmbH oder Per­sonengesellschaft. Eine frühzeitige Abstimmung mit den Gesellschaftern sollte jeweils frühzeitig erfolgen.

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Autor
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Dr. Jürgen Rodegra
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