BYOD – jeder, der mit Computerei zu tun hat, weiß, dass man das wohl ernstnehmen muss: Es ist ein Kürzel. Und in der IT wird alles, was man ernstnehmen muss, abgekürzt. In dem Fall handelt es sich sogar um ein besonders schönes Kürzel, weil es für einen ganzen Satz steht: »Bring Your Own Device« – Prädikat, Objekt und gleich zwei Attribute.

Darauf liegt denn auch die Betonung, auf dem beigefügten Possessivpronomen und dem Adjektiv, »your own«. Sicherheitsfachleute meinen nun, es sei ein Risiko, wenn die Leute mit ihren eigenen Geräten arbeiten und nicht mit denen, die dem Unternehmen gehören. Aber das ist ein Irrtum. Arbeitsmänner und
-frauen lieben ihr Handwerkszeug, egal, was sie tun, der Maurer seine Kelle, der Metzger sein Schlachtermesser, der Buchhalter seinen Rechner. Und was man liebt, auf das passt man gut auf.

Problematischer ist da schon das Objekt: diese ganzen neuartigen Devices, die jetzt in die Unternehmens-IT eingebunden werden müssen, Smartphones, Tablets und was es sonst noch alles gibt. Denn dabei handelt es sich nicht um solide Rechner, wie etwa jenem, mit dem der Buchhalter für gewöhnlich arbeitet, sondern um in Hardware gegossene Datensammelstellen. So etwas sicher integrieren zu wollen, ist, als versuchte der Administrator, ein trojanisches Pferd vor seinen IT-Karren zu spannen.

Allerdings möchten die Leute auch nicht jedes Gerät, das findige Marketiers erdacht haben, mit in die Arbeit bringen. Googles Chromebook etwa, ein Gadget, das alle Daten ins Netz schickt, scheint wohl zu floppen. Denn Consumerization, also dass die IT zunehmend von digitalen Konsumartikeln dominiert wird, bedeutet umgekehrt, dass der Konsumer professioneller wird. Einen Boom obskurer Gadgets wie 2011 wird es 2012 nicht mehr geben.

Richtig problematisch aber ist das Verb in BYOD, »bring«, ein Imperativ, Befehlsform. Die verwenden nicht nur Chefs, gefälliger: Führungskräfte, gerne gegenüber ihren Untergebenen, modern: Mitarbeitern. Auch in IT-Sicherheitsabteilungen redet man meist so, weil die Sprache des Herrn im Haus halt immer auch die vorherrschende Sprache im Haus ist. Nun sind aber Befehle dazu da, um umgangen zu werden. Und deshalb zieht angeordnete Sicherheit stets entsprechende Work-arounds nach sich, im wahrsten Sinne des Wortes: Sie wird umgangen, um arbeiten zu können. Daher ist »123...« das beliebteste Passwort und der Datentransfer mittels USB-Stick das am weitesten verbreitete Netzwerk-Protokoll.

Deswegen – und nur deswegen – stellt BYOD ein Security-Problem dar. Das mit dem Kürzel Gemeinte muss dann auch in eine sichere Ablaufumgebung eingebettet werden, soll es nicht zum unkalkulierbaren Risiko werden. Diese Umgebung kann man implementieren, indem man Imperative konsequent zu anständigen Sätzen erweitert, also indem man ein Subjekt einbezieht. Die potenziellen Subjekte – die Arbeitsmänner und Arbeitsfrauen – sind ja für gute Argumente durchaus zugänglich, vor allem, wenn sie ihr geliebtes Handwerkszeug betreffen.

WYP/BYOD könnte man das nennen: »Would You Please Bring Your Own Device«. Das wäre wirklich ein prächtiges Kürzel, weil es nicht nur für einen tatsächlich vollständigen Satz stünde, sondern auch noch für einen höflich formulierten.

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Achim Killer
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