Bei der Textrecherche im Web sind Suchmaschinen zwar längst eine Selbstverständlichkeit, doch für die Suche nach anderen multimedialen Formaten wie Bildern, Videos oder Audiodaten ist dies noch lange nicht der Fall. Wer einen Musiktitel sucht, gibt entweder als Stichwort den Titel des Stückes, den Namen des Albums oder den des Künstlers ein. Diese Schlagworte sind den Audiodaten in der Regel manuell zugeordnet. Liegen dem Nutzer diese Informationen nicht vor, ist es schwierig und zeitaufwändig über eine herkömmliche Stichwortsuche verwertbare Informationen zu finden. Die Forscher des Fraunhofer IDMT arbeiten deshalb an einer anderen Methode, um Audiodateien gezielt finden zu können: Mit Hilfe von Verfahren für die automatische Charakterisierung und Verarbeitung von Multimediadaten soll ein ganzheitliches »Rich Media Management« mit umfangreichen Möglichkeiten der Interaktion durch den Nutzer möglich werden. Genutzt werden dafür die Metadaten-Technologien, welche die Basis für eine Vielzahl neuer Entwicklungen am Fraunhofer IDMT bilden. Metadaten sind Zusatzinformationen, die die Audio-, Video- und Bilddaten in einem neuen und erweiterten Umfang beschreiben. So werden Musikstücke zum Beispiel durch verschiedenste Messgrößen charakterisiert, die bei der digitalen Signalverarbeitung eines Stückes gewonnen werden. Werden diese signalnahen Beschreibungen sinnvoll miteinander verknüpft, ergibt sich eine Liste typischer Charakteristika wie Tempo, Gesangsanteil, Genre, Vielfalt der Instrumente oder etwa der strukturelle Aufbau eines Stückes.

Auf diese Weise ist es nicht nur möglich, einen Titel aus Millionen anderer treffsicher zu identifizieren, es können auch Stücke ermittelt werden, die sich ähnlich sind, um intuitiv navigierbare Musiksammlungen zu erzeugen. Auch kann der Nutzer nach bestimmten Bausteinen innerhalb eines Musikstückes suchen, wenn beispielsweise nur ein bestimmter Riff, eine Stimme oder ein Refrain gefunden werden soll.

Mit Hilfe der Metadaten-Technologien wird es möglich, dem Nutzer je nach Interesse und Situation ausgesuchte Audiodateien zur Verfügung zu stellen. Die Prozesse laufen dabei weitgehend automatisch ab. Ein besonderes Augenmerk der Entwickler liegt auf alltagstauglichen Lösungen, die sich nahtlos in bestehende Produkte und Dienste integrieren lassen. Gerade Rundfunkanstalten bietet diese Technik besondere Vorteile: Wenn ein bestehender Musikkatalog einer Rundfunkanstalt, der Millionen von Tracks enthält, durch dieses Mehr an Informationen zusätzlich katalogisiert wird, eröffnet sich für einen Rundfunkredakteur ein ganz neues Spektrum an Suchoptionen, die er für die Auswahl seiner Playlist verwenden kann. Weil die Musikkataloge von den Redakteuren bislang manuell bearbeitet werden, muss sich die Kategorisierung auf Dateinamen und subjektiv vergebene Schlagwörter beschränken. Durch die zusätzlich eingesetzte automatische Charakterisierung mittels Metadaten-Technologien ist diese subjektive und zeitintensive Verschlagwortung nun passé. Der Online-Radio-Service AUPEO beispielsweise will sich diese Methodik zu Nutze machen, um damit die nächste Generation der Internetradios einzuläuten: Bei AUPEO, das derzeit noch in der Betaversion erprobt wird, werden Hörer zu ihrem eigenen Rundfunkredakteur: Sie können anhand von Parametern wie Genre, Künstler, Zeitepoche und Geschwindigkeit ein individuelles Radioprofil erstellen, das ihrem aktuellen Musikgeschmack entspricht. Die Metadaten-Technologien dürften auch deshalb an Bedeutung gewinnen, weil die Menge an beispielsweise Audiodateien in Zukunft exponentiell zunehmen wird. Einfache Suchkriterien wie Genre oder Interpret reichen dann nicht mehr aus, Produkte wie Empfehlungstechnologien und systematische Navigationshilfen rücken immer stärker ins Rampenlicht. Besonders wichtig ist dies etwa für den Online-Musikhandel, bei dem zukünftig wohl auch Instrumente wie die automatische Musikempfehlung über den wirtschaftlichen Erfolg entscheiden werden. Zahlreiche Erkenntnisse des Fraunhofer IDMT über Suchverfahren und Ähnlichkeitsberechnungen für Musiktitel können auch auf Bild- und Videodateien übertragen werden. So können zum Beispiel automatisch ähnliche Bildinhalte gesucht werden oder aber eine Fotosequenz mit passender Musik unterlegt werden. Die Metadaten-Technologien schaffen dabei auch Anwendungsfelder, die weit über die Unterhaltungsbranche hinaus gehen, etwa in der industriellen Fertigung: Durch Geräuschaufzeichnungen oder optische Aufnahmen können fehlerhafte Teile analysiert und frühzeitige Verschleißerscheinungen erkannt werden.

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Christian Dittmar
  • Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT
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