Lange Zeit blieben sie unbemerkt und unbedacht: die Datenberge, die sich allerorten auf Servern und Rechnern sammeln. Vor allem das Internet der Dinge, alle Geräte, die wir täglich verwenden und die Online sind, häuft Daten an. Mittlerweile ist Big Data das am heißesten diskutierte IT-Thema. Während in Deutschland jedoch noch das Potenzial großer Datenmengen debattiert wird, schießen in den USA schon Start-Ups aus dem Boden. Es ist Zeit für Konzepte und Lösungen.

Sie hat für Furore gesorgt, die Stanford-Ausgründung. Ayasdi ist die erste Firma im Bereich Big Data, die Datenmengen nach Zusammenhängen durchsucht, nach denen sich niemand zu fragen getraut hat. Auch wenn sie schon 2008 gegründet wurde, so hat sie kürzlich eine Finanzierung von 10 Mio. Dollar an Land gezogen und eine neue Internetplattform gelauncht. Die Summe sagt etwas über die Bedeutung von Big Data aus. Laut IDC wird das digitale Universum im Zeitraum 2005 bis 2020 um das 300-fache angewachsen sein. Auch die Software Hadoop wird immer wieder in den Medien diskutiert, allerdings auch immer wieder hinterfragt. Denn so ganz einfach ist das Aufarbeiten großer Datenmengen nicht, man braucht dafür entsprechend geschulte Mitarbeiter oder Fachkräfte, die sich Data Scientist nennen. Ein recht zukunftsträchtiger Berufszweig. Unternehmen fragen sich, ob sich die Schulung ihrer Mitarbeiter überhaupt lohnt oder der Aufwand den Nutzen übersteigt. 

Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und des Bitkom hat sich gezeigt, dass auch der deutsche Mittelstand die Nutzung von Big-Data-Technologien anderen Fragen hintenanstellt. 47 Prozent der Unternehmen gaben an, dass es an qualifiziertem Personal fehle und 44 Prozent sagten, dass noch nicht ausreichend Investitionsbereitschaft bestünde. »Viele Unternehmen fragen sich: Big Data klingt cool, aber was bedeutet das eigentlich für meinen konkreten Fall?«, sagt Prof. Stefan Wrobel, der Leiter des Fraunhofer IAIS. Des Nutzens der Analyse ihrer Datenberge sind sich viele jedoch bewusst. 55 Prozent der befragten Unternehmen würden damit etwa Prognosen über die Wirksamkeit ihrer Werbung treffen und 53 Prozent zum Beispiel ihre Marktwahrnehmung beobachten. Um Berührungsängste bei Unternehmen abzubauen, hat das Fraunhofer IAIS das Living Lab Big Data ins Leben gerufen. Um der Wirtschaft noch besser Orientierung im Datendschungel bieten zu können, haben verschiedene Fraunhofer-Institute ihre Big-Data-Kompetenzen außerdem in einer Initiative gebündelt. »Fraunhofer ist ideal für das Thema positioniert. Denn wir haben nicht nur das entsprechende IT-Knowhow, sondern auch die Fachleute für die einzelnen Branchen.«

Von dieser Kompetenz konnten sich die Teilnehmer des InnoVisions-Days überzeugen, der gestern in Berlin stattfand. Dort waren Experten aus zehn verschiedenen Instituten vertreten, außerdem Vertreter der Wirtschaft. Von den gesellschaftlichen Perspektiven über Big Data in der Produktion und Verwaltung bis hin zu Medizin und Life Science wurden viele wichtige Aspekte diskutiert. Alle waren sich einig: Big Data ist ein entscheidendes Thema, doch Deutschland muss aufholen. Unternehmen müßten Berühungsängste abbauen, waren sich die Teilnehmer einig. Sie bräcuhten außerdem das richtige Knowhow, um überhaupt zu wissen, welche Daten sie wie nutzen können. Am Abend dann ging es beim politischen Abend Big Data darum, wie man die Chancen und Rahmenbedingungen schaffen kann, um innovative Big Data Lösungen, Produkte und Anwendungen in Deutschland zu ermöglichen. Rund 200 Teilnehmer diskutierten mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, wie der Spagat aus innovationsfreundlichem Klima und dem Schutz der Bürger geschafft werden kann. »An Big Data kommt man heute nicht mehr vorbei«, sagte dort Manuel Höferlin von der FDP. »Welcher Umgang richtig oder falsch ist, muss breit in der Öffentlichkeit diskutiert werden.« Thilo Weichert, Landesbeauftragter für Datenschutz Schleswig-Holstein, hatte Bedenken: »Das ist ein Phänomen, dass es vor zehn oder fünfzehn Jahren so noch nicht gab. Und die Googles und Facebooks nutzen es jenseits demokratischer Kontrolle.« Stefan Wrobel vom Fraunhofer IAIS saß mit auf dem Podium und mahnte beide Dinge an: »Kreatives Gestalten erfordert das Gespräch über Gestaltungsmöglichkeiten. Wir müssen wissen, was technisch geht, wie wir Dinge analysieren können unter Wahrung der Privatssphäre. Als Land wollen wir die Technologie nutzen aber unter Wahrung unserer Demokratie.«

»Die Aufgabe der Politik sehe ich vor allem darin, durch gute gesetzliche Rahmenbedingungen die sinnvolle Datenauswertung und -nutzung zu ermöglichen und gleichzeitig die Privatsphäre der Verbraucherinnen und Verbraucher maximal zu schützen«, sagte auch Bundesverbraucherministerin Aigner Anfang des Jahres auf einer Konferenz anlässlich des Safer Internet Days. Die US-Regierung hat 2012 eine große Big-Data-Initiative gestartet, um in die Big-Data-Nutzung zu investieren. Und auch das Bundesbildungsministerium hat im Februar 2013 Fördergelder für Big-Data-Projekte im Rahmen des Programms  »IKT 2020 – Forschung für Innovationen« ausgeschrieben. Denn Big Data ist Teil der Hightech-Strategie der Bundesregierung und gilt auch hier als Schlüsseltechnologie. Im Fraunhoferkontext gibt es schon länger verschiedene Forschungsansätze zu Big Data. Das Fraunhofer IGD arbeitet zum Beispiel an der Visualisierung großer Datenmengen, damit die Ergebnisse einer Auswertung für Nutzer leichter handhabbar werden. Und am Fraunhofer IAIS wird außerdem ein System entwickelt, dass Daten aus verschiedenen Internetquellen, wie Soziale Medien und Nachrichtenportalen, im Katastrophenfall in Echtzeit auswertet und für die Helfer aufbereitet.

Was sich in der Forschung so gut anlässt, muss nun jedoch den Weg in die Unternehmen finden. »Big Data muss schnell entmystifiziert werden. Die Potenziale und Werkzeuge können und müssen in der Breite für IT Professionals und Entwickler zur Verfügung stehen«, sagte Marianne Janik von Microsoft Deutschland beim politischen Abend. Und auch die Ergebnisse der Big Data Studie des Fraunhofer IAIS zeigen, dass erst 4 Prozent der Befragten Unternehmen Big Data schon als Teil ihrer Wertschöpfungskette und Grundlage neuer Geschäftsmodelle ansehen. Und nur weitere 4 Prozent gaben an, dass Big Data zumindest Teil ihrer Prozesse und IT-Infrastruktur ist. Immerhin beschreibt die Studie auch Anwendungsfälle, wie etwa die Auswertung des Nutzerverhaltens in der Mediathek der Deutschen Welle mit Hilfe von Hadoop. Oder die Drogeriekette DM, die Big-Data-Analysen schon heute zur Vorhersage des Mitarbeiterbedarfs einsetzt. Vorreiter gibt es also, die Nachahmer werden sich finden. (kda)

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