Der Jahreswechsel ist auch immer eine Gelegenheit, um auf technische und gesellschaftliche Entwicklungen zurückzublicken und sich auf neue Entwicklungen vorzubereiten. Wir machen einen kurzen Rückblick und geben einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen, die sich bereits abzeichnen.



Rückblick

2012 war das Jahr, in dem ein Mensch aus 39 Kilometern Höhe auf die Erde sprang und dabei die Schallmauer durchbrach, in dem der Mars-Rover „Curiosity“  auf dem roten Planeten landete um nach Leben zu suchen und in dem ein Mann mit zwei Beinprothesen beim 400-Meter-Lauf der Olympischen Spiele startete. Alle diese Meilensteine haben Menschen erreicht, denen bei der Vorbereitung und Durchführung ihrer Vorhaben modernste und zuverlässige IT-Systeme zur Seite standen.

2012 war auch ein Jahr in dem die Verfechter von Transparenz und Offenheit Teilerfolge verbuchen konnten. Erste Open-Data-Portale öffneten ihre Schnittstellen und gaben allen Entwicklern und Anwendern Zugriff auf immense Datenbestände, die bisher nur wenigen zugänglich waren. Erst vor wenigen Tagen startete die EU-Kommission die Betaversion ihres Open-Data-Portals, das der Bundesregierung lässt noch auf sich warten.

In der Politik ging es 2012 auch an anderen Stellen nur langsam voran. Die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ sollte zur Mitte des Jahres ihre Handlungsempfehlungen vorlegen. Die diskutierten Themen erwiesen sich in ihrer Breite und gesellschaftlichen Bedeutung als so komplex, dass die Arbeit der Kommission bis zum Ende des Jahres verlängert werden musste. Neben den vielen richtigen und wichtigen Empfehlungen, die die Kommission aussprach, ist wohl die bedeutendste, die einstimmige Empfehlung, im Bundestag einen ständigen Ausschuss „Internet und digitale Gesellschaft“ einzurichten. Der Fraunhofer-Verbund IuK-Technologie hatte sich seit langem dafür ausgesprochen.

Ausblick

2013 wird das Jahr von BigData. In Verbindung mit neuen Cloud-Architekturen werden wir neue Lösungen entwickeln, mit denen wir erstmals in der Lage sind, nahezu beliebig große Datenbestände und Informationsmengen zu bearbeiten und auszuwerten. Diese werden weitere Durchbrüche in der Medizin, im Energie- und Umweltsektor, im Finanzwesen aber auch in anderen Bereichen, wie z.B. Verkehr und Materialforschung ermöglichen. Linked Open Data, also die Verknüpfung verschiedener frei zugänglicher Datenbestände wird neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle hervorbringen.

2013 wird auch das Jahr von Cyber Physical Systems. Diese – salopp gesagt – Embedded Systems mit Kommunikationsfähigkeit und Anbindung an Web-Services und Cloud-Dienste, werden in neue Bereiche wie die Produktionsumgebungen vordringen und dort Innovationssprünge auslösen. Unter dem Titel „Industrie 4.0“ wird die Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien vorangetrieben, mit deren Hilfe sich Fertigungsprozesse in der Industrie flexibler sowie energie-, umwelt- und materialschonender gestalten lassen. Deutschland kann damit als Anbieter und Anwender neuer und zukunftsweisender internetbasierter Technologien für die industrielle Produktion zum Leitmarkt werden. Der Begriff „Industrie 4.0“ beschreibt den grundlegenden Paradigmenwechsel von einer zentralen zu einer dezentralen, augmentierten Steuerung mit dem Ziel einer hochflexiblen Produktion individualisierter, digital veredelter Produkte und Dienste. Dabei entstehen neue, übergreifende Handlungsfelder und Kooperationsformen. Klassische Branchengrenzen verschwinden und Wertschöpfungsketten verändern sich.

Die ständige Herausforderung der IT-Sicherheit wird uns auch 2013 beschäftigen, da schnelle Entwicklungen und neue Technologien auch immer neue Angriffsflächen bieten. Dem kann nur begegnet werden, wenn IT-Sicherheit durch „Security by Design“ von Anfang an integraler Bestandteil neuer Entwicklungen wird.

2013 könnte uns auch ein modernes europäisches Datenschutzrecht mit einer Harmonisierung der Rechtsvorschriften und stärkeren Einbeziehung des öffentlichen Sektors bringen. Dies ist wichtig, weil auch staatliche Stellen wie Verwaltungen, Polizei und Justiz zunehmend ihre Daten über nationale Grenzen hinweg austauschen. Ob es hier vorangeht, wird sich zeigen, wenn Anfang Januar die Berichterstatter des Europäischen Parlaments ihre Stellungnahmen zum EU-Datenschutzpaket vorlegen.

Bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnis, dass Netzpolitik längst Gesellschaftspolitik ist und es einer proaktiven Gestaltung dieses für unsere moderne Wissens- und Informationsgesellschaft so wichtigen Themas bedarf, 2013 im Bundestag ankommt. Die Schaffung eines ständigen Ausschusses „Internet und digitale Gesellschaft“ wäre der logische Schritt. Mit entsprechenden Beratern und Experten könnte man damit die Politik in die Lage versetzen, nichtmehr nur nachträglich auf Entwicklungen zu reagieren, sondern proaktiv die richtigen Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien in Deutschland zu schaffen. Sicher wird auch der Wahlkampf von diesen Themen beeinflusst. Entscheidend ist aber, dass es hier vorangeht. (tbe)

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