Die technischen und wirtschaftlichen Potenziale sind immens: Durch die Digitalisierung und Elektrifizierung unserer Mobilität eröffnet sich eine Fülle neuer Chancen für die Automobilindustrie. Allerdings ist die Vielfalt der Möglichkeiten und Ideen so umfangreich, dass es schwer ist die »Spreu vom Weizen« zu trennen. Um Fahrzeugherstellern und Zulieferern einen soliden und wissenschaftlich fundierten Einblick in Treiber und Trends automobiler Entwicklungen zu geben, hat das Fraunhofer IAO das Innovationnetzwerk »FutureCar« ins Leben gerufen.

Während Staatsministerin Dorothee Bär immer wieder mit ihren öffentlichen Überlegungen zu Lufttaxis konfrontiert wird, bleiben viele Forscher und Automobilunternehmen auf dem Boden naheliegender Tatsachen - beziehungsweise auf der Straße. Es darf auch eine bisschen wirklichkeitsnäher sein, die organisatorischen Aufgaben, technischen Chancen und betriebswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potenziale sind auch dann noch immens. Und sie bedürfen einer wissenschaftlichen Unterstützung. Beispielsweise im Rahmen des Forum FutureCar 2017, in dem über autonom fahrende Roboter-Taxis diskutiert wurde: »Wie werden, wie sollen Roboter-Taxis aussehen?«, »Wer ist die Zielgruppe?« Und: »Welche Auswirkungen haben sie auf die urbane Verkehrssituation der Zukunft?« Das Forum ist eine der zentralen Veranstaltungen des Innovationsnetzwerks »FutureCar«, das bereits 2009 vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO ins Leben gerufen wurde und koordiniert wird. Ziel dieses Verbundprojekts ist es, Unternehmen der Automobilindustrie beim Technologie-Scouting und der Technologie-Frühaufklärung wissenschaftlich zu unterstützen. Dafür werden der Industrie gezielt Forschungsmethoden angeboten, um Marktprognosen zu erarbeiten, Innovationstreiber zu identifizieren und Trends und die Möglichkeit einer Umsetzung realistisch einzuordnen. »So verschaffen wir unseren Mitgliedern einen Wissensvorsprung in Bezug auf automobile Innovationstrends, die deren Marktposition künftig nachhaltig beeinflussen können«, erklärt Sebastian Stegmüller, der das Innovationsnetzwerk für das Fraunhofer IAO leitet.

Direkter Austausch der Automobilkonzerne

Im Mittelpunkt von FutureCar steht der persönliche Austausch der rund 30 Mitglieder, die sich aus Vertretern von Fraunhofer-Instituten und Firmen der Automobilindustrie zusammensetzen. Seit 2016 sind auch immer wieder StartUps zu Gast, um auf den Treffen ihre Ideen vorzutragen. Beispielsweise findet dreimal pro Jahr eine zweitägige Netzwerkveranstaltung statt, auf der im Rahmen von Workshops, Vorträge und Präsentationen relevante Neuerungen zu einem konkreten Innovationsthema vorgestellt und im Anschluss diskutieren werden. Für jedes der Themengebiete betreibt das IAO vorab eine intensive Recherche und arbeitet mit weiteren Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen zusammen, die dazu wissenschaftlich arbeiten. Zusätzlich bietet FutureCar ein aktives Forschungsmanagement an. »Wir wollen unsere Mitglieder nicht nur über aktuelle Förderprogramme informieren, sondern auch gemeinsam Projektanträge initiieren und gestalten«, so Stegmüller.

Umbruch in der Automobilbranche: Future Mobility

Hintergrund der Initiative ist die Erkenntnis, dass im Zuge der Megatrends E-Mobility, Automatisierung und Vernetzung von Fahrzeugen untereinander beziehungsweise mit der Peripherie neue Produktfelder entstehen, die mit der traditionellen Fahrzeugentwicklung oftmals nur noch wenig zu tun haben. »Klassisches Beispiel dafür ist die zunehmende Verzahnung von Mobilitätsdienstleistungen, Fahrzeug- und Informationstechnik«, betont Stegmüller. Aber auch klassische Innovationsthemen im Automobilbau, beispielsweise im Bereich Ökologie, Leichtbau oder generell zu neuen Möglichkeiten beim Einsatz neuartiger Materialien werden intensiv besprochen.

Car2Car, Car2X, autonomes Fahren und Nachhaltigkeit

»All diese Entwicklungen sind im Grunde schon seit rund zwei Jahrzehnten offensichtlich. Wir haben das FutureCar deshalb schon vor neun Jahren gegründet und arbeiten in Phasen von jeweils zwei Jahren größere Entwicklungsgebiete ab«, betont Stegmüller. Waren es in Phase IV, die im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde, vor allem die Querschnittsbereiche Connected Cars, Autonomes Fahren, Shared Cars und E-Mobility, so soll sich Phase V nun mit internen und externen Kräften auseinandersetzen, die den klassischen Automobilbau verändern. »So geht es zum Beispiel zum einen um Fragen zur Kooperation und den Aufbau von technologischen Netzwerken. Und zum anderen um Fragen zur nachhaltigen Produktion und dem Recycling. Außerdem werden wir uns mit Veränderungen und neuen Erwartungen der Konsumenten auseinandersetzen«, erklärt Stegmüller. Zunächst aber soll es auch darum gehen, den Teilnehmerinnen unterschiedliche Sichtweisen zu ermöglichen und grundlegende, weitere Kontakte aufzubauen. (aku)

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