Wie die Digitalisierung auch die ländlichen Regionen prägen wird, zeigt ein interaktiver Multimediatisch des Fraunhofer IESE auf der diesjährigen CeBIT. Besuchern demonstriert er plastisch, wie sich die Lebensqualität auch auf dem Land auf eine zukunftssichere Ebene heben lässt.

Schon in 15 Jahren werden 70 Prozent der Weltbevölkerung in einer Stadt wohnen. Das unterstreichen wissenschaftliche Studien, das beschreibt ein aktueller Leitartikel auf InnoVisions. Prognosen und Beschreibungen zur Stadt der Zukunft sind wichtig und die Ergebnisse sind bemerkenswert. Tatsächlich ist die Vielzahl der Studien und Artikel, die sich mit unserem künftigen Leben und Arbeiten in der Stadt auseinandersetzen auch ein Stück weit arrogant. Denn während wir in aller Ausführlichkeit über die Chancen der Digitalisierung diskutieren, die unsere Städte und Metropolen zu lebenswerten und komfortablen Smart Cities machen, bleiben Fragen zur Zukunft auf dem »Land« in der Regel unbeantwortet. Dabei zeigen die Statistiken zum Zuwachs bei den Städten ja auch, dass mindestens ein Drittel der Menschheit auf dem Land wohnen und arbeiten  wird. In Deutschland und Europa lebt derzeit beispielsweise die Hälfte der Bevölkerung in kleinen Städten und Dörfern mit weniger als 20.000 Einwohnern.

»Smart Rural Areas« Bild: Fraunhofer IESE

Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE hat deshalb sein Augenmerk auf einen neuen Forschungsschwerpunkt gelegt: »Smart Rural Areas«. »Wir arbeiten daran, die Forschungen rund um Smart Cities durch den bislang viel zu wenig erforschten Bereich des Lebens der Zukunft in ländlichen Regionen zu ergänzen«, erklärt Projektleiter Mario Trapp. So sollen durch eine intelligente Infrastruktur bei Versorgung und Mobilität zeitgemäße Lebensqualitäten auf dem Land möglich werden. »Das hat zusätzlich den Vorteil, dass sich Menschen, die derzeit gezwungenermaßen ihre Zukunft in der Stadt sehen, eine neue Perspektive in kleineren Städten oder auf dem Land eröffnet«, so Trapp. Die vom Fraunhofer IESE ins Leben gerufene Forschungsinitiative Smart Rural Areas ist derzeit eines der internationalen Leuchtturmprojekte, die mit ihrer Grundlagenforschung auch ländliche Regionen auf eine vernetzte, komfortable und sichere Zukunft vorbereiten wollen.

»Smart Rural Areas« Bild: Fraunhofer IESE

Aktuell jedoch ist es noch schwer, sich die Vielzahl von Möglichkeiten konkret vorzustellen. »Es gibt beispielsweise Konzepte, die zeigen, wie der Personennahverkehr oder auch Busse einen Teil des Pakettransports oder sogar die Einkaufstüten übernehmen könnten oder wie wir auf dem Land autonom fahrende Fahrzeuge teilen und sinnvoll einsetzen«, sagt Trapp. Auch könnte es die Entwicklung von Produktionsanlagen Richtung Industrie 4.0 ermöglichen, benötigte Materialien in kleiner Stückzahl erst vor Ort zu produzieren. Ein anderes Beispiel seien vernetzte Sensoren, die es erlauben, den Gesundheitszustand von auch abseits wohnenden Patienten zu überwachen. »Diese Monitoringtechniken erlauben es uns künftig, Reaktionszeiten deutlich zu verkürzen – was gerade auf dem Land ein gewichtiger Vorteil ist.«

Um die Notwendigkeit einer zukunftsträchtigen Vernetzung und die damit verbundenen Möglichkeiten auch auf dem Land zu demonstrieren, wird Trapp gemeinsam mit seinem Team auf der CeBIT einen interaktiven Multimediatisch vorstellen. »Ziel dieses 2 auf 1,35 Meter großen Demonstrators ist es, die Besucher aktiv in die Zukunft ländlicher Regionen einzubinden. So können individuelle Vorstellungen sozusagen »durchgespielt« werden. Standbesucher können beispielsweise anhand konkreter Szenarien erleben, welche positiven Auswirkungen die Digitalisierung auf das Leben auf dem Land haben kann«, so Trapp. Dabei werden nicht nur Möglichkeiten aufgezeigt, wie ländliche Regionen zusätzlich an Attraktivität gewinnen können, sondern auch welche neuen Geschäftsmodelle sich durch die intelligente Vernetzung von Systemen ergeben. »Ähnlich wie bei der Entwicklung von Smart Cities bringt auch die Entwicklung von Smart Rural Areas Risiken mit sich. Unsere Aufgabe ist es deshalb auch, diese Risiken zu erkennen, zu analysieren und die Zuverlässigkeit  möglichst von vornherein zu gewährleisten«, so Trapp. Der Multimediatisch werde deshalb auch über die möglichen Schwierigkeiten einer Vernetzung auf dem Land informieren und Ideen aufzeigen, wie diese »in den Griff« zu kriegen sind. (aku)

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