Open Innovation heißt so, weil‘s dabei offen zugeht. Jeder kann mittun beim Ausdenken, Ausprobieren und Austesten: Unternehmen, Partner und Kunden, also die, die an Innovationen verdienen möchten, die, die mitverdienen wollen, und die, die schließlich alles bezahlen sollen.

Und man merkt‘s diesen Innovationen an, dass viele zu ihrem Gelingen beitragen, den virtuellen Maschinen etwa. Jene heißen so, weil‘s keine sind, sie vielmehr bloß so wirken. Der Marktführer VMware stellt ein Stückchen Gratis-Software ins Netz. Nerds oder geschäftstüchtige Entwickler bauen wirkungsmächtige Nicht- Maschinen dafür. Und wenn der Anwender davon erst genügend hat, legt er auch gerne Geld für die übrigen Programme von VMware hin, jene, die alles andere als gratis sind.
Oder der Cell-Chip, von IBM für eine Spielekonsole entwickelt. Der wiederum heißt so, weil er sich wie eine Körperzelle organisch zu etwas Großem kombinieren lässt. Nimmt man beispielsweise 12.960 davon, so bekommt man einen Peta- FlOPS-Supercomputer.

Oder Wikipedia, die prächtigste und offenste Innovation überhaupt. Auch deren Name ist eingängig: Ein Wiki ist ein Stück Software, das dafür sorgt, dass jeder mittun kann. Und „pedia“ wird drangehängt, wenn‘s dabei um diese großartige Internet- Enzyklopädie geht.
Manche nennen derartiges auch „Web 2.0“, was weniger schön, weil nichtssagend ist. „Web 2.0“ ist ein typisches Buzzword, ein Wort, das Verkäufer aussprechen können, ohne ihr (mit dem Willen, Geld zu machen) meist voll ausgelastetes Großhirn in Anspruch nehmen zu müssen.

Und man merkt es diesen Begriffen an, dass sie nicht liebevoll und aus Liebe gezeugt wurden, sondern dass es sich dabei um Marketing-Bastarde wie Megaperls, Zitronenfrische und Bioalkohol handelt. TCS (Technology Collaboration Solutions) nannte etwa IBM anfangs die Marketingaktivitäten für den Cell-Prozessor. Vier Buchstaben genügen den Ingenieuren für ihren Chip. 32 plus ein Akronym, brauchen die Marktschreier, um ihr Tamtam zu benamsen.

Meist umgibt eine Wolke aus Buzzwords Innovationen, die es eigentlich wert wären, dass man im Klartext darüber spricht. Cloud-Betriebssystem nennt VMware denn auch konsequenter Weise die Software zur Verwaltung seiner virtuellen Maschinen, ersatzweise vSphere oder VDC-OS (Virtual Datacenter Operating System).

Na ja, vielleicht wäre das ja auch eine neue Form von Open Innovation, wenn sich die Vermarktung von Innovationen öffnen würde für das wunderbarste Kommunikationsprotokoll, das der Mensch je entwickelt hat: seine Muttersprache. Wahrscheinlich aber sollte man derartiges lieber nicht wollen. Sonst kommt bestimmt so ein Marketing-Mensch daher und nennt es „Open Innovation 2.0“.

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Achim Killer
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