Mit dem Digital-Index der Initiative D21 und TNS Infratest gibt es jetzt einen Kennwert, der die Digitalisierung Deutschlands direkt angibt. Er liegt derzeit bei 51,2 von 100 Punkten. Deutschland ist bei der Digitalisierung also eher Mittelmaß. Im Gegensatz zu rein quantitativen Erhebungen basiert der Index auf detaillierten Befragungen, unter anderem zur digitalen Offenheit und Kompetenz, aber auch dem technischen Zugang. Er gesellt sich zum jährlich von der Initiative D21 herausgegebenen (N)Onliner-Atlas und der Studie Digitale Gesellschaft und vereint beide. Ersterer besagt, dass der Prozentsatz der Internetnutzer in Deutschland im letzten Jahr um lediglich 0,9 Prozent gestiegen ist. Alle drei Studien zusammengenommen belegen, dass noch immer viele Menschen in Deutschland dem Internet recht skeptisch gegenüber stehen.

Die Initiative D21 und das Marktforschungsinstitut TNS Infratest haben in Berlin den D21-Digital-Index vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine neue Studie, die erstmals einen kompakten Kennwert für den Digitalisierungsgrad in Deutschland einführt. Dieser liegt bei 51,2 von 100 möglichen Punkten und bescheinigt der deutschen Gesellschaft einen mittleren Vernetzungs- und Digitalisierungsgrad. Die Kennzahl setzt sich aus vier Bestandteilen zusammen: In der Kategorie »Zugang«, also der Breitband- und Geräteausstattung, wird ein Wert von 54,2 erreicht. Die »Nutzungsintensität« kommt jedoch auf nur 40,3 Punkte. Dazu gehören unter anderem Aktivitäten wie Online-Banking und die Nutzung sozialer Netzwerke. Der Subindex »digitale Kompetenz« kommt auf einen Wert von 50,3. Darunter verbirgt sich zum Beispiel das Wissen um Begriffe wie IT-Sicherheit, Cloud Computing oder Google. Als letzte Säule des Digital-Index erreichte die »digitale Offenheit«, also der Grad des Interesses für neue Technologien, 53,9 Punkte und zeugt damit davon, dass es bei vielen noch Berührungsängste mit der Online-Welt gibt. 

»Mit dem D21-Digital-Index führen wir eine neue Währung zur Messung des Status-quo der digitalen Gesellschaft in Deutschland ein«, sagte Robert Wieland, Vizepräsident der Initiative D21 und Geschäftsführer von TNS Infratest. Dafür wurden 3.819 Interviews mit 24 Fragen und über 230 Antwortvorgaben geführt und die Validität des Index von Experten besprochen. Die Kennzahl wurde auch nach verschiedenen Kriterien aufgebrochen, wie etwa Geschlecht, Einkommensverhältnisse und Bildung. Zusammengefasst haben Frauen einen niedrigeren Indexwert als Männer, höhere Bildungsabschlüsse führen zu einem höheren Digital-Index genauso wie höhere Einkommen. So liegt etwa der Indexwert von Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro mit 63,9 Punkten fast doppelt so hoch wie der von Haushalten mit einem monatlichen Einkommen von unter 1.000 Euro (35,2 Punkte). 

Ein ähnliches Bild zeichnen auch die Zahlen des diesjährigen (N)Onliner-Atlas. Auch hier zeigt sich, dass immer noch mehr Männer online sind, als Frauen und eher junge Menschen als Alte. Obwohl bei den 50- bis 70-Jährigen die Steigerung bei rund 3 Prozent lag und damit immerhin deutlich über dem allgemeinen Zuwachs. Doch nicht mal jede zweite Frau über 50 ist online. Generell stieg die Zahl der Internetnutzer in Deutschland nur von 75,6 auf 76,5 Prozent. Der Anteil der Offliner, also Menschen ohne Internetanschluss, liegt bei 23 Prozent. 16,5 Mio. Bürger in Deutschland verzichten sogar bewusst auf das Internet. Von diesen Internetskeptikern gaben 67,5 Prozent als Grund Datenschutzbedenken und 59,1 Prozent Sicherheitsbedenken an. 44,1 Prozent sehen grundsätzlich keinen Nutzen im Internet.

Dabei handelt es sich vermutlich teilweise um sogenannte »außenstehende Skeptiker«, wie die Studie Digitale Gesellschaft sie nennt. Diese teilt die deutsche Bevölkerung nach Art und Häufigkeit ihrer Internetnutzung in verschiedene Typen ein. Die »außenstehenden Skeptiker« bilden dabei mit 28,9 Prozent die größte Gruppe. Sie sind die älteste und eine vornehmlich weibliche Nutzergruppe, größtenteils nicht (mehr) berufstätig und mit relativ geringem Einkommen. Nur jeder Fünfte in dieser Gruppe nutzt das Internet. Die »außenstehenden Skeptiker« werden gefolgt von den »häuslichen Gelegenheitsnutzern« mit 27,9 Prozent. Auch eher weiblich, im Schnitt 44 Jahre alt und mit niedriger bis mittlerer Bildung haben sie ein zumeist oberflächliches Verständnis von neuen Technologien. Ein weiterer eher skeptischer Nutzertyp sind die »vorsichtigen Pragmatiker« (9,5 Prozent): ebenfalls hauptsächlich weiblich, durchschnittlich 43 Jahre alt, aber größtenteils berufstätig. Sie sind sehr auf den Schutz ihrer persönlichen Daten bedacht. Die technologieaffineren Gruppen sind die »reflektierten Profis«, die 15,4 Prozent ausmachen, die »passionierten Onliner«, 15,0 Prozent, und die »smarten Mobilisten« mit 3,2 Prozent. »Profis« und »Onliner« sind jeweils überwiegend männlich, insgesamt um die 40, gut ausgebildet und verfügen durchschnittlich über ein höheres Einkommen. Die »reflektierten Profis« nutzen das Netz eher für Online-Shopping und Büroprogramme, während die »passionierten Onliner« sich stark für Technologiethemen interessieren und sich das Leben ohne Internet nicht vorstellen können. Die jüngste Gruppe sind die »smarten Mobilisten« mit durchschnittlich 32 Jahren und einem hohen Anteil von Schülern. Sie besitzen alle ein Smartphone, das im Dauereinsatz ist. 

Die umfangreichen Untersuchungen zeigen, dass das Internet in Deutschland nach wie vor größtenteils ein Tummelplatz für junge, gut verdienende Männer mit hohem Bildungsgrad ist. Es gilt noch verschiedene Lücken zu schließen. Die zwischen Jüngeren und Älteren, zwischen Männern und Frauen. Und auch niedrige Bildung und geringes Einkommen scheinen ein Hindernis zu sein, um an der digitalen Gesellschaft teilzuhaben. »Die Mehrheit der Deutschen ist noch nicht in der digitalen Gesellschaft angekommen. Der Nutzen des Internets muss für diese Zielgruppe greifbar und erlebbar gemacht werden«, mahnt Robert Wieland. »Maßnahmen mit der Gießkanne« hält er jedoch für »nicht zielführend«. Beim Schließen der digitalen Spaltung seien kreative, teils technische Lösungen nötig. Wirtschaft und Politik müssten die Leute überzeugen, dass » im Breitband mehr drin ist«. (kda)

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