Die CeBIT 2012 steht unter dem Motto »Managing Trust«. Klingt so gut, dass man gern hingeht! Inhaltlich verstehen muss man ein Motto ja nicht. Hey, das Vertrauen habe ich doch – oder eben nicht. Soll oder kann mein Vertrauen denn gemanagt werden? Was will mir die IT-Branche damit sagen? Vielleicht, dass sie es gemanagt kriegt, dass ich endlich Vertrauen bekomme und viel kaufe?

Es geht im Grunde darum, ob Cloud Computing schon wirklich flächendeckend einsetzbar ist, ob es also aus der Early Adopter Phase herauskommt und von der Pragmatic Majority breit eingesetzt wird (im Modell »Chasm of Innovation« von Moore betrachtet). Oder im Lichte des Hype-Cycles von Gartner: Ist das Tal der Tränen schon durchschritten? Ist alles schon genügend tief ausprobiert worden? Ist Cloud Computing schon erfolgreich durch die Stresstests gegangen? Nach dem Anfangshype fragen die Kunden wie nach jedem Hype, ob Cloud sicher ist, ob es Angriffen standhält, ob man Anbieter wechseln kann (Daten von Cloud zu Cloud schaffen), ob es Standards gibt oder ob Abhängigkeiten vom Anbieter entstehen, ob Gesetze und Compliance-Regeln eingehalten werden können…

Es ist immer wieder so: Nach einem Hype kommen die Kunden mit einer ganzen Liste von Wünschen, ohne deren Erfüllung sie nicht einfach alle Brücken abbrechen und in die Cloud gehen wollen. Diese Wünsche müssen von der IT-Industrie einfach ernst genommen und erfüllt werden. Alle! Ein Wunsch nach dem anderen muss abgehakt werden. Ganz technisch gesehen! Wenn die Wünsche erfüllt sind, ist alles okay! Dann sagt der Kunde: »Ich vertraue jetzt in die Cloud und fühle mich mit dieser neuen Lösung sicher.« Auf den Messen aber wird der Spieß meist umgedreht. Anstatt die Wünsche der Kunden einfach zu erfüllen, werben die Anbieter um Vertrauen und versprechen alle Sicherheit dieser Welt. Und wieder stehen die Kunden vor dem ewigen Rätsel: »What is hype, what is really real?«

Ich als Privatmensch bin schon lange in der Cloud, in der ich ZUR SICHERHEIT meine Bücher-texte abgespeichert habe, weil ich meiner privaten IT-Umgebung NICHT VERTRAUE. Mein Internetprovider gibt mir ein bisschen Platz, bei Google Docs kann ich einiges abspeichern – und wenn mein Haus abbrennt, ist alles noch irgendwo. Am sichersten ist es wohl, ich schicke meine Texte zum allgemeinen Probelesen herum. Datensicherung durch Publikation!

Was aber privat geht, ist himmelweit von dem entfernt, was ein Unternehmen für sicher und vertrauenswürdig hält oder halten darf. Es ist eben an eine Historie, an interne und externe Notwendigkeiten gebunden und meist viel komplexer, als sich das jemand vorstellen kann. Manager sagen ja oft in ihrem üblichen Jargon, etwas sei komplex, wenn sie nicht mehr durchblicken oder keine Kontrolle mehr haben. Und Cloud Computing darf nicht in diesem Sinne komplex sein. Es soll nur normal funktionieren. Und zwar normal im Sinne der Kunden. Vertrauen wird im Duden als »Zuverlässigkeit« definiert – nicht als etwas Wolkiges oder Seelenhebendes. Cloud soll nicht den Himmel versprechen, sondern Arbeitsesel sein.

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Prof. Dr. Gunter Dueck
  • Kolumnist, Schriftsteller, Unternehmer
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