Dieses Jahr hat sich die CeBIT Vertrauen auf die Fahnen geschrieben. Vertrauen in Informations- und Kommunikationstechnologien zu stärken, entwickelt sich zur nächsten großen Frage der Branche. Ein Thema, welches stark mit der aktuellen Entwicklung der Cloud-Technologie verbunden ist. Ein Service, der trotz großer Hoffnungen immer noch stark um Vertrauen werben muss. Die Institute des Fraunhofer-Verbundes IuK-Technologie sind auch dieses Jahr wieder mit vielen Projekten vertreten, die helfen können, Vertrauen in IKT-Lösungen zu stärken. Nicht nur in der Wolke.

»Die CeBIT hat sich zum Ziel gesetzt, die Kluft zwischen dem Vertrauen in moderne Technologien und der eigentlichen Vertrauenswürdigkeit digitaler Lösungen zu verringern«, erklärt CeBIT-Vorstand Ernst Raue das Motto der diesjährigen Technologie-Messe. Trotz weit verbreiteter Nutzung gibt es den Informationstechnologien gegenüber viel Skepsis. Sei es das mangelnde Vertrauen kleiner- und mittelständischer Unternehmen in SaaS-Lösungen (Cloud) oder die Datenschutzbedenken eines Großteils der Nutzer sozialer Netzwerke. Zu Recht. Gerade sorgte der angekündigte Börsengang von Facebook einmal mehr für vermehrte Bedenken ob des Umgangs mit Nutzerdaten. Vertrauen ist also essentiell, blind vertrauen jedoch nicht angebracht. Gerade Vertrauen in IKT-Angebote sollte auf einer technologischen Grundlage fußen, die dieses Vertrauen rechtfertig.

»Sicherheit und Vertrauen sind zwei Seiten derselben Medaille«, meint Prof. Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT. »Man kann Vertrauen nicht technisch erzeugen, aber man kann es technisch unterstützen.« Wie der Name schon sagt, ist das Fraunhofer SIT in Bereichen der IT-Sicherheit unterwegs und entwickelt Technologien, die für mehr Vertrauen in IKT sorgen. Das Projekt BizzTrust etwa bietet eine Lösung für das Problem der Doppelnutzung von Firmengeräten für private Zwecke und umgekehrt. Nach dem Motto »Bring your own device« zieht derzeit eine neue Philosophie in die Unternehmen ein. Während früher streng zwischen Firmenhandy, Firmencomputer und den Geräten zu Hause getrennt wurde, so verschmilzt die Nutzung heute. Das setzt entweder eine Menge Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer voraus, oder aber die richtige technologische Lösung, die einen entspannten Umgang mit der neuen Situation ermöglicht. Die Software macht ein Smartphone einerseits sicherer und ermöglicht zusätzlich die Trennung von privatem und beruflichem Datenbereich. 

Fraunhofer widmet dem Thema Cloud-Computing einen ganzen Bereich in seiner CeBIT-Stadt. Unter der Überschrift »Über den Wolken. Mit der Cloud abheben.« zeigen mehrere Institute Lösungen im Bereich IaaS, SaaS und Cloud-Sicherheit. Wie ein gesamter Arbeitsplatz, der nur »Wolkendienste« nutzt, aussehen könnte, zeigt das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO anhand seines Cloud Workpad. Das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST demonstriert umfassende Logistik-Dienste aus der Cloud. 

Dennoch: »Sicherheitsprobleme im Cloud Computing bestehen vor allem im Kontrollverlust für den Nutzer, im mangelhaften Monitoring – also wo liegen welche Daten, welche Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen, wie wirksam sind diese etc. – und in den Eingriffsmöglichkeiten und Datenschutzverletzungen durch ungenügende Isolierungskonzepte.«, sagt Claudia Eckert, Leiterin des Fraunhofer AISEC. Das Institut betreut den Cloud-Leitstand der Fraunhofer-Gesellschaft auf der CeBIT. Dort präsentiert es vor allem Möglichkeiten für das Risikomanagement und das kontinuierliche Monitoring von Cloud-Infrastrukturen (IaaS) und Anwendungen (SaaS). Das Fraunhofer SIT präsentiert zusätzlich OmniCloud, eine Software-Lösung, die für mehr Sicherheit beim Cloud-Back-up sorgt. Außerdem erleichtert OmniCloud den Anbieterwechsel, ein nach wie vor weit verbreitetes Problem im SaaS-Bereich.

Vor allem das Überlassen von Daten erfordert einiges an Vertrauen. Bei den sozialen Netzwerken tun es die meisten mit einem Bauchgrummeln. Hier wird nicht vertraut, aber dennoch veröffentlicht. Das Wort Datenkrake ist mittlerweile Teil unseres alltäglichen Sprachgebrauchs. Daten sind die Währung unserer Zeit.<p/>

Auch unsere Infrastrukturen werden demnächst Unmengen von Daten sammeln und verarbeiten müssen. Die schiere Masse an Daten kann auch ein Sicherheitsrisiko für Infrastrukturen darstellen. Visual Analytics für Sicherheitsanwendungen des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD verarbeitet große Datenmengen sehr effizient und ermöglicht schnelle Erkenntnisse und Reaktionen.

Doch an vielen Stellen sammeln sich auch Informationen, die für viele Menschen nützlich sein können und die vor allem von der Open Data Bewegung nutzbar gemacht werden. Das Nutzbarmachen großer Datenmengen ist eine Herausforderung, der sich auch Firmen und die öffentliche Verwaltung stellen müssen. Das Fraunhofer-Institut IGD bietet mit dem ConWeaver eine Lösung, die Daten auf verschiedenen Trägern verknüpft und eine intelligente Suche ermöglicht. Die Deutsche Digitale Bibliothek nutzt schon heute eine Technologie des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS, die Daten aus verschiedenen Quellen nicht nur zusammenführt, sondern daraus auch neue Wissensmodelle generiert. Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS präsentiert das Berliner Open-Data-Portal, dass den Zugang zu Datenbeständen der öffentlichen Hand ermöglicht. Das Institut stellt außerdem die Möglichkeiten eines Open-Government-Ansatzes vor. Unter Zuhilfenahme der neuen Kommunikationstechnologien kann so größere Offenheit und mehr Partizipation gewährleistet werden. Und der Zugang zu Daten der öffentlichen Hand schafft ebenfalls Vertrauen, und zwar durch Transparenz. (kda)

Hinweis: Fraunhofer auf der CeBIT befindet sich in Halle 26, Stand E08. 

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