Wenn man in die Jahre kommt, dann denkt man gerne zurück, wie‘s früher so war - also im Wesentlichen: besser halt. Und vor allem: Es herrschten klare Verhältnisse! Die einen waren dafür und die anderen dagegen. Für diejenigen, die dafür waren, stand der Bonner Oppositionsführer und nachmalige Berliner Regierungschef, über dessen gelegentliche sprachliche Unbeholfenheit sich jeder indula (in diesem, unserem Lande) amüsierte.

Ziemlich dagegen waren die Jungsozialisten. Deren Vorsitzender drohte laufend mit der Vergesellschaftung der Industriekonzerne und der Banken. Richtig dagegen waren die Spontis, die sich in Frankfurt mit der Polizei kloppten. Und die Stonesspielten „Street fighting man“ dazu. - Es hatte damals was, „dagegen“ zu sein.

Sogar die Computerviren, die bald darauf aufkamen, hatten etwas Anarchistisches. Wenn sie einen Rechner infizierten, dann fuhr der Teufel in diesen, der Fritz mit seiner Spaßguerilla. Die Buchstaben fielen wie Herbstlaub an den unteren Bildschirmrand. Und der Virus meldete sich mit: »Something wonderful has happened – your computer is alive! And, even better: some of your disks are infected by a virus!« Oder mit: »Legalize Marihuana!«. Hacker wurde damals, wer als Bürgerschreck auch das Zeug hatte, User zu erschrecken.

Und was ist daraus geworden? - Da kommt man als älterer Mensch gar nicht mehr so richtig mit. Der seinerzeitige Juso-Vorsitzende übernahm später das Amt vom indula-Kanzler und knöpfte sich anschließend die Industriekonzerne und Banken vor: Er gewährte ihnen den größten Steuernachlass in der Geschichte der Bundesrepublik. Und der Frankfurter Obersponti wurde Außenminister und schickte die Bundeswehr in den Krieg.

Das digitale Ungeziefer hat sich ebenfalls verändert. Wenn es einen Rechner befallen hat, dann wirbt der jetzt für Pharmaunternehmen oder für windige Finanzanlagen. Marketing nennt man das ansonsten wohl. Eine florierende Branche ist um das Produkt Malware herum entstanden. Sie arbeitet international arbeitsteilig mit dem Schwerpunkt auf den emerging markets wie China und Russland. Globalisierung heißt sowas gemeinhin. Dass es einmal so wird, darauf wäre seinerzeit niemand gekommen.

Aber ein Gesetz zur Verstaatlichung von Banken ist inzwischen durchgesetzt worden. Allerdings nicht von dem ehemaligen Juso-Vorsitzenden, sondern von einer Frau, die sein Vorgänger im Amt des Bundeskanzlers „das Mädchen“ nannte, und auch aus ganz anderen Gründen. Ach ja, die Zeiten haben sich geändert. Und man selbst fühlt sich auch schon ganz tütelig. Wie hieß noch gleich wieder dieser andere Song von den Rolling Stones?- Ja, genau: »What a trag it is, getting old.«

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Achim Killer
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