Telemedizinische Assistenzsysteme sind beim täglichen Training zur Rehabilitation äußerst sinnvoll. In den kommenden Monaten sollen mit einer speziellen TV-Box einer Reha-App Patienten mit Knie- und Hüftproblemen unterstützt werden. Ziel des Pilotvorhabens ist es, die Wirksamkeit der Tele-Reha zu belegen und ihren breiten Einsatz vorzubereiten.

Chirurgische Eingriffe an Knie oder Hüfte dauern in der Regel höchstens ein paar Stunden. Selbst das Einsetzen eines künstlichen Gelenks ist in dieser Zeit kaum noch ein Problem. Die Schwierigkeiten, die mit einer derartigen Operation verbunden sind, stellen sich für Patienten und Fachkräfte eher nach einem derartigen Eingriff. Denn um wirklich wieder voll beweglich zu werden, vergehen in der Regel Monate – und das auch nur bei einer guten Betreuung und einer möglichst umfassenden Therapie. Entscheidend für den Erfolg ist dabei vor allem, dass der Patient sein Mobilitätstraining regelmäßig und richtig durchführt. Während das Einhalten des Therapieplans in Krankenhaus und Rehabilitationsklinik durch Betreuer kontrolliert und unterstützt wird, können sich nach der Entlassung Motivationsschwierigkeiten und Nachlässigkeiten einstellen. Denn der Patient muss sein individuelles Übungsprogramm zu Hause selbständig weiter absolvieren.

Der Reha-Assistent für zuhause

Zur Unterstützung dieses Trainingsprogramms bietet die Deutsche Rentenversicherung Berlin Brandenburg mit MeineReha® ein neuartiges, telemedizinisch assistiertes Therapie- und Trainingsprogramm an. Rund 50 Patienten können dazu an dem bundesweit einmaligen Pilotprojekt »ReMove-It« teilnehmen. Sie haben die Möglichkeit, ein vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS und medizinischen Forschungspartnern entwickeltes telemedizinisches Assistenzsystem für Zuhause zu erproben und zu nutzen.

Für die Teilnahme benötigen die Patienten lediglich ein TV-Gerät und einen Internetanschluss. Die zusätzlich benötigte »Reha-Box« wird gestellt. Die Reha-Box ist ein Mini-PC, der zusätzlich mit Mikrofon und Lautsprecher sowie Kamerasensoren ausgestattet ist. Die Reha-Box lässt sich problemlos an den Fernseher anschließen und wird dann mit dem Internet verbunden. Über sie hat der Patient einen sicheren Zugriff auf sein vom Therapeuten für ihn individuell zusammengestelltes Therapie- und Trainingsprogramm. Am Bildschirm werden ihm die Übungen erklärt und vorgemacht. Über die Sensorik analysiert die Reha-Box dann die von ihm ausgeführten Bewegungen. Der Patient erhält sofort eine unter medizinischen Gesichtspunkten entwickelte Rückmeldung, wenn er eine Übung ungenau oder fehlerhaft ausführt. Startet der Patient das Training, wird der Verlauf kontinuierlich protokolliert und ausgewertet. Sowohl der Patient selbst als auch sein Therapeut oder Arzt können sich so jederzeit über Trainingsstatus und Therapieverlauf informieren. Zusätzlich zu diesem häuslichen Reha-Assistenten bietet das Fraunhofer FOKUS auch eine mobile Komponente an: »Mit Hilfe einer App für das Smartphone, einem Brustgurt, Sensorsohlen oder einem Bewegungssensor können die Patienten ihre Reha-Übungen damit auch im Freien ausführen – und sie kontrollieren und dokumentieren lassen«, erklärt Projektleiter Dr. Michael John.

Von der Machbarkeit zum Praxiseinsatz

Technik und Basisfunktionen der telemedizinisch assistierten Therapie- und Trainingsumgebung entwickelten die Forscher von Fraunhofer FOKUS im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützen Projekts »MyRehab« (siehe dazu auch InnoVisions-Artikel »Mit TV und Handy schneller wieder fit«). »Für die spezielle Unterstützung von Patienten, bei denen Knie oder Hüfte operiert wurden, haben wir das Therapie- und Trainingssystem im Auftrag Deutschen Rentenversicherung Berlin Brandenburg gemeinsam mit den Experten der Reha-Wissenschaften an der Universität Potsdam weiterentwickelt«, sagt John. Der Start der ausführlichen Testphase ist für das Jahr 2016 geplant. Bereits ab diesem Herbst geht eine andere Version der Trainingsumgebung in einen Feldversuch mit ebenfalls rund 50 Patienten bei der AOK Nordwest »on air«. Diese Erweiterung von MeineReha® ist speziell mit Übungen zur Reha-Nachsorge und Sekundärprävention von Rückenbeschwerden ausgestattet.

Gemeinsam zum Therapieerfolg

Die Telemedizin-Plattform MeineReha® unterstützt die Übungsmotivation nicht nur durch »Live-Feedback« während des Trainings und den direkten Kontakt zu Therapeut oder Arzt. In einer neuen Entwicklung hat der Patient außerdem die Möglichkeit seinen Trainingserfolg und seine Erfahrungen mit Patienten zu teilen, die das System ebenfalls nutzen. Trainingsfreundschaften des Reha-Aufenthalts können also auch von zuhause aus weiter gepflegt werden. »So können Übungsgruppen gebildet werden, die dabei helfen, mit Motivation und Ausdauer das eigene Therapieprogramm durchzuhalten«, betont John.(stw)

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