Phantastische Dinge fallen einem ein, wenn man von der IT im Gesundheitswesen liest. Und Medizin-IT könnte häufig auch jenseits ihres geplanten Einsatzgebiets äußerst segensreich wirken.

Beispielsweise gibt es da dieses Berliner Brain-Computer-Interface, wo- rüber sich schon heute Rechner und später vielleicht einmal künstliche Gliedmaßen mittels der Gehirnströme steuern lassen. So ein Interface hat man sich in seiner Schulzeit doch immer gewünscht! Vokabeln, Jahreszahlen und Formeln, das alles hätte dann kein Problem dargestellt. Abgelegt in einem kleinen externen Speicherbaustein, wäre dieses lästige Wissen jederzeit über die Gehirnschnittstelle nach draußen abrufbar gewesen. Dann hätte man sich in der Schule ungestört auf wirklich Wichtiges konzentrieren können, auf die schöne Mitschülerin etwa.

Und auch Erwachsene könnten mit dieser Methode Zugang zu Fakten bekommen, um die sie sich nicht so recht kümmern wollen. Wie sehr wünscht man sich doch, wenn wieder einmal ein Industrievertreter über die hiesigen Standortnachteile klagt, er hätte die Zahl 10010101011110100010111010010100000000 präsent. So hoch war – in Euro und binär ausgedrückt – der deutsche Exportüberschuss im letzten Jahr. Gerade mal 38 Bit Speicherplatz in den entsprechenden Hirnanhang-Devices bräuchte es, um die Debatte über die gerne zitierten Wettbewerbsnachteile des ewigen Exportweltmeisters völlig zu verändern.

Oder wie schön wäre es, wenn Politikern ein derart zuverlässiger Datenspeicher zur Verfügung stünde. Dann könnten sie sich jederzeit ihre Wahlversprechen vergegenwärtigen. Jene würde man wohl am besten in einem ROM-Baustein ablegen wegen der tendenziell hohen Volatilität des Inhalts. Der Chip müsste allerdings eine sehr große Kapazität haben.

Für Journalisten wäre es hilfreich, immer das Kapitel »Über den Umgang mit den Großen der Erde« aus dem Hauptwerk des Freiherrn von Knigge im direkten Zugriff ihres Gehirns zu wissen. »Dränge Dich den Vornehmen und Reichen nicht auf, wenn Du nicht von ihnen verachtet werden willst«, heißt es darin. Was für Interviews würde man doch zu hören bekommen, wenn diese weise Benimmregel stets berücksichtigt würde.

Ja, und selbst unsere Klügsten könnten profitieren, die Herren Professoren, die gerade einen Wettbewerb veranstaltet haben, wer den tollsten Arbeitsplatz hat. Denen könnte man einen digitalisierten Duden mitgeben. Dann wüssten sie, dass »Exzellenz« die gebräuchliche Anrede für kirchliche Würdenträger und Botschafter ist, im Unterschied zum englischen »excellence« aber nicht »Vorzüglichkeit« meint.

Ach ja, schön wäre es schon, wenn man so einen brain-attached Storage hätte. Nur wird wahrscheinlich niemand jemals einen auf den Markt bringen. Oder doch?

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Achim Killer
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