Mit ihrem »Überall-Online-Modus« setzen Smartphone und Tablet-PC – nicht nur in der Freizeit – neue Maßstäbe in der Mediennutzung. Für mobile Mitarbeiter von heute sind sie Schnittstelle zur Firmen-IT und Kommunikationszentrale für den Kontakt mit Kunden und Kollegen. Nun kommen noch Angebote für ein effizientes betriebliches Lernen via mobiler Multimedianutzung hinzu: praxisnahe Wissensvermittlung, interaktives Lernen, die Zusammenarbeit in Lern-Gemeinschaften und der Erfahrungsaustausch in Netzwerken.

Während der Bahnfahrt, in der Flughafen-Lounge oder beim Kunden vor Ort noch einmal einen kurzen Blick in die Projektunterlagen werfen, eine wichtige Hintergrundinformationen recherchieren oder eine Montageanleitung abrufen: Überall und jederzeit verfügbare Informationen sind heute in vielen Tätigkeitsbereichen ein fester Bestandteil der Arbeitsprozesse. Die Vorteile dieser ständigen Verfügbarkeit von Programmen, Daten und Dokumenten am Arbeitsplatzrechner ebenso wie auf den verschiedenen Mobilgeräten sollen künftig auch im Bereich der Weiterbildung für Mitarbeiter erschlossen werden. Möglich machen dies neue Bildungskonzepte, die gezielt auf arbeitsprozessnahes und arbeitsbegleitendes Lernen setzen. 

»Den Mitarbeitern Smartphones oder Tablets in die Hand zu geben und bestehende E-Learning-Einheiten für den Online-Zugriff freizuschalten, reicht dabei allerdings bei weitem nicht«, erklärt Anna Hoberg vom Fraunhofer IAO den Ansatz von »Lernumgebungen-to-go«. Denn nach dem klassischen Bildungsansatz konzipierte Unterrichtseinheiten sind für das Lernen unterwegs und Wartezeiten ungeeignet. In der Regel erfordern sie eine längere, konzentrierte Lernsitzung, in der das entsprechende Wissen erfasst und geübt wird. Für das Lernen unterwegs müssen die Lernmedien grundsätzlich anders konzipiert werden: Informations- und Übungseinheiten müssen in Lerngranulate – kurze, in sich abgeschlossene Wissenshappen – aufgeteilt werden. Damit dennoch die erforderliche Tiefe der Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten erhalten bleibt, ist eine sehr gründliche didaktische Planung der Granularisierung unerlässlich. 

»Die kurzen Online-Lerneinheiten sind besonders gut geeignet, um im Rahmen von Blended-Learning-Konzepten in der betrieblichen Weiterbildung eingesetzt zu werden«, so Hoberg. In Präsenzphasen, also vor-Ort-Seminaren und Lerngruppen, steht das Hands-on-Training in Vordergrund. Außerdem ist in diesen Zeiten ein intensiver persönlicher Austausch mit Dozenten, Lernbegleitern und anderen Lernenden vorgesehen. In den Online-Lernphasen werden anhand der Granulate die Lerninhalte vorbereitet, wiederholt und eingeübt. 

Die Aufbereitung von Lerninhalten als kurze, in sich geschlossene Sinneinheiten  eröffnet noch weitere neue Konzepte in der betrieblichen Weiterbildung: Sie ermöglichen eine Verknüpfung von Weiterbildung mit den Arbeitsprozessen der Mitarbeiter. Ergeben sich aus den aktuellen Arbeitsaufgaben des Mitarbeiters konkrete Fragestellungen zu einem Thema, kann er sich diese gezielt anhand der entsprechenden Lerngranulate aneignen. Dies können etwa die Grundlagen einer bestimmten Technologie sein oder ein produktbezogenes Tutorial oder ein Montagevideo für ein neues Bauteil. Alle Lerneinheiten können durch die Granularisierung der zu vermittelnden Inhalte sowohl im Rahmen einer gezielten Weiterbildung entlang eines didaktisch aufeinander aufbauenden Lernpfades als auch für das ad-hoc-Lernen je nach dem sich aus der täglichen Arbeit ergebenden Wissensbedarf eingesetzt werden. 

Wichtiger Bestandteil der neuen Bildungskonzepte ist außer der Granularisierung der Lerninhalte deren Kombination mit Kommunikations- und Kollaborationstechnologien. So sind multimediale Übungsszenarien, wie beispielsweise die Bearbeitung einer Videofallanalyse, gut geeignet, um Aufgaben von Lernenden im Team bearbeiten zu lassen. Auf einer Lernplattform werden zunächst kurze Videos präsentiert und über eingebettete Social-Media-Anwendungen die Bearbeitungsschritte und Ergebnisse der Lernenden und der anderen Teilnehmer kommentiert und diskutiert. Zudem kann auch das Erfahrungs- und Expertenwissen einzelner Mitarbeiter in das Lernangebot des Unternehmens integriert werden Sie erstellen zum Beispiel zu bestimmten Themen eigene Erklärungen, Anleitungen oder Präsentationen. »Mit solchen nutzergenerierten Inhalten können auch individuelle Erfahrungen Teil der Lernumgebung werden und so in den Wissenskanon des Unternehmens eingehen«, ergänzt Hoberg. 

Hohe Anforderungen stellt die Umsetzung der mobilen und arbeitsprozessnahen Wissensvermittlung an die Gestaltung der technischen Infrastruktur. Die Lerngranulate und die Social-Media-Anwendungen laufen über eine Lernplattform. , Andererseits müssen im Blended-Learning Instrumente für die Kommunikation und Kollaboration untereinander und mit dem Dozenten angeboten werden. Wichtig dabei ist, dass alle Komponenten der Lernumgebung auf allen stationären wie mobilen Geräten gleichermaßen komfortabel genutzt werden können. Außerdem sollten gerade die Kommunikationsplattformen nicht sonst ungebräuchliche Systeme sein, die allein für den Austausch während des Lernens genutzt werden. Denn während der Zusammenarbeit mit den Kollegen in Lerngruppen werden Netzwerke aufgebaut, die über dieselben Kommunikationskanäle auch bei der Bewältigung der täglichen Arbeitsaufgaben weiter genutzt werden sollten. 
Diese Konzepte für „Bildung-to-go“ wurden von Experten des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Kooperation mit dem Elektro Technologie Zentrum (etz Stuttgart) sowie dem Technologiehersteller hager entwickelt. Es sind technologische und organisatorische Ansätze, die Unternehmen einen schrittweisen Einstieg in den Einsatz von »Lernumgebungen-to-go« ermöglichen sollen.
Die technischen Möglichkeiten aktueller Mobilgeräte lassen sich ebenfalls dafür einsetzen, Arbeitsaufgaben mit dem Bereich des Lernens zu verzahnen: Über QR-Codes auf Produkten oder Begleitdokumente können mit der Handykamera schnell die entsprechenden Lerngranulate abgerufen werden. »Ein enorm spannendes Einsatzfeld mobilen Lernens in der Zukunft wird Lernen-to-go als Service für den Kunden sein«, resümiert Hoberg, »wenn auf diese Weise zunehmend ergänzendes Produktwissen und Serviceinformationen vermittelt werden«. (mab)

Keine Kommentare vorhanden

Das Kommentarfeld darf nicht leer sein
Bitte einen Namen angeben
Bitte valide E-Mail-Adresse angeben
Sicherheits-Check:
Eins + = 6
Bitte Zahl eintragen!
image description
Experte
Alle anzeigen
Anna Hoberg
  • Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
Weitere Artikel
Alle anzeigen
Intelligent lernen
Bildung im Wandel
Arbeit neu denken
Veranstaltungen
Alle anzeigen
Stellenangebote
Alle anzeigen