Die meisten IT-Projekte scheitern,das ist bekannt. E-Learning scheitert an den nicht lernwilligen Kunden, die das Ganze nicht mögen.

Sie wollen es partout nicht so! Deshalb werden sie in Unternehmen meist gezwungen, den Stoff möglichst schnell durchzu­klicken. »Gib Deinen Vornamen ein!« - »Danke, Gunter!« und schon bin ich ein Schulkind, dass durchweg mit Rezepten und Übungen und »Toll, Gunter!« traktiert wird.

Ich habe das Gefühl, alle E-Learning Therapeuten sind aus der Schule des Skinner-Box-Behaviorismus, die den Menschen als Black Box behandeln und ihn per Stimulus & Response wie eine Laborratte unterrichten. »Lern diese fünf Zeilen und du bekommst 17 Punkte!« Die Kurse sind meist so angelegt, das ich nicht etwa danach irgendetwas wirklich verstanden habe, sondern es wird mir etwas genau vorher Geplantes eingetrich­tert. Es fühlt sich wie eine bevorste­hende Gehirnwäsche an. Das wird mir auch vorher explizit angedroht:

»Nach diesem Kurs beherrschen Sie die Rezepte von Spiegelei und Jäger­braten, in der Gold-Version werden Sie als Teacher diplomiert, selbst Spiegeleier und Jägerbraten lehren zu dürfen.«
Im Ernst: Wir Fachleute wünschen uns als E-Learning bei Wikipedia jede Vorlesung dieser Welt per Download, die aber jeweils von einem inspirierenden Nobelpreisträger oder einem sonstigen Guru gehalten wird.

E-Learning muss gar nicht unter dieses Niveau gehen. Einmal echt gut für alle! Auf Wikipedia! Aber die Ingenieure müssen sich weiterhin bit­ter mit ihren Managern um Reisege­nehmigungen zu Konferenzen strei­ten, wo ab und zu ein Guru auftaucht. Und es wäre so wundervoll, wenn der ein paar authentische Erfahrungen mitbrächte! Wo liegen die Probleme, wie sind die Erfahrungen? Das finde ich bei E-Learning nie!

Warum nicht? Weil es ein gutes Geschäft ist! Weil Manager alles kau­fen, was Lernen billig macht! Pro­bleme kommen in E-Learning nicht vor. Alles ist super! Die Produkte funktionieren nach dem Kurs sofort! E-Learning wird wie ein Reinstraum im Problemvakuum verkauft. Alles ist so, wie es dargestellt wird, nichts muss diskutiert werden.

Techies wollen Inspiration, Erkennt­nis, Dialog, den neuesten Stand, die Meisterreden, neue Kollegen im Fach und Netzwerkpflege. Sie wol­len Zukunftsprognosen diskutieren, Perspektiven, neue Produkte, Ein­satzmöglichkeiten, Probleme, Schwä­chen, Stärken, Erfahrungen.

Aber praktisch immer, wenn ich eine E-Learning-Einheit erleiden soll, wird so etwas wie ein Werbe-Prospekt mit kindhafter Begeisterung vorgelesen. Schöne Musik (weg!), freundliche Einleitung (weg!), lange Erklärung, wie lange es dauert (geht ganz schnell - Lüge!) und wie die Lektion struktu­riert ist (komm zum Punkt!), dann kommt der Content, etwas ziemlich Flaches, und alles schließt mit ganz dümmlichen Kontrollfragen ab, die ich auch vorher hätte beantworten können.

Aber auf Grund dieser Tri­vialantworten bekomme ich nun ein Diplom. Da steh ich nun, ich armer Tor - hier war ich E schon. Ich weiß ja schon 90% und nun laufe ich mir für den Rest die Hacken ab. Hilfe, wo ist ein Guru?

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Prof. Dr. Gunter Dueck
  • Kolumnist, Schriftsteller, Unternehmer
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