Ob man in der Informationsgesellschaft angekommen ist oder nicht, das stellt sich heraus, wenn man seine Koffer für den Urlaub packt. Wer dafür bloß kurze Hosen, T-Shirts und ähnliches heraussucht, Pass, Geld und Flugtickets einsteckt und vielleicht noch zwei, drei Bücher, die er schon längst einmal hat lesen wollen, der ist noch meilenweit davon entfernt.

Wer sich hingegen auf der Höhe der Zeit befindet, für den bedeutet so eine Reise erst einmal Stress: Die Prepaid-Karte für‘s Handy muss aufgeladen werden. Hörbücher und Musik wollen auf die MP3-Player überspielt werden. Weil kroatisches, griechisches oder spanisches Fernsehen für nicht allzu kosmopolite Mitteleuropäer wenig unterhaltsam ist, gilt es, Spiel- und Dokumentarfilme auf den Laptop zu übertragen. Und vor allem muss die Software für den PDA auf den neusten Stand gebracht werden. - Wenn das alles erledigt ist, spätestens dann ist man wirklich richtig urlaubsreif.

Aber es lohnt sich! Schreiber wie unsereins etwa müssen auch zur Urlaubszeit ihre Kolumnen abliefern. Ob jene die besten sind, die man auf dem Balkon der Ferienwohnung mit Blick aufs Meer bei einem oder zwei Gläsern Rotwein formuliert und anschließend per Mobiltelefon übermittelt, das mag ja dahingestellt sein. Aber so ist Arbeit eine reine Freude.

Und dann gibt es da noch die bekannten Szenen vor Sehenswürdigkeiten: »Was ist das denn für eine Statue?« fragt sie ungehalten vor der Rolandssäule in Dubrovnik, weil im Reiseführer für 9,80 Euro nichts Vernünftiges, sondern vor allem etwas über die Shopping- und Übernachtungsmöglichkeiten vor Ort steht und weil Frauen im Urlaub leicht ungehalten werden.

Man selbst hat natürlich schon in Wikipedia auf dem PDA nachgeschaut und erzählt ihr, dass der bretonische Graf Hruotland beim Maurenfeldzug Karls des Großen die Nachhut befehligte. Jene wurde von den Basken angegriffen und – so steht es im Rolandslied – schon sterbend stieß Hruotland ins Horn, um das Frankenheer zu Hilfe zu rufen. Während stürmischer Nächte soll in den Pyrenäen noch das Echo des Signals von damals zu hören sein. Politisch gesehen, ist Hruotland das Sinnbild städtischer Freiheit. Und deshalb steht seine Statue auch in Dubrovnik.

Gut, wenn man so etwas immer bei der Hand hat. Das ist „Information at your Fingertips“! - »So ist das also«, sagt sie, jetzt gar nicht mehr ungehalten, und wirft einem einen liebevoll bewundernden Blick zu, »was du nicht alles weißt.«

Und das soll ja alles noch viel toller werden mit dem Einsatz der Informationstechnologie für den Tourismus – mit 3D, virtueller Realität und Mobilfunkanbindung. Aber das dürfte nur sehr schwer möglich sein. Denn etwas tolleres als diesen Blick gibt es nicht.

Keine Kommentare vorhanden

Das Kommentarfeld darf nicht leer sein
Bitte einen Namen angeben
Bitte valide E-Mail-Adresse angeben
Sicherheits-Check:
Fünf + = 6
Bitte Zahl eintragen!
image description
Autor
Alle anzeigen
Achim Killer
  • Kolumnist
Weitere Artikel
Alle anzeigen
Bessere Noten durch eine adaptive Lernplattform
Weltraumabenteuer für Soldaten
Science&People - Ist Wahrheit Verhandlungssache?
Stellenangebote
Alle anzeigen