»Bücher raus, wir lesen jetzt die Seiten 23 bis 27. Danach stelle ich ein paar Fragen zum Text.« Solche Ansagen aus dem Frontalunterricht für eine Unterstufe sind zunächst einmal ziemlich langweilig. Und danach vielleicht auch dazu geeignet, Wissen zu vermitteln. Allerdings fragt man sich, ob dieses Wissen länger anhält als bis zur Pause. Denn dann dürfen die Schüler und Schülerinnen das machen, was ihnen im Unterricht gefehlt hat: Sich bewegen. Und vielleicht sogar alte Hüpfspiele spielen. Eine innovative Kombination aus beidem bietet »HOPSCOTCH« des Fraunhofer IDMT.

Um Dinge zu lernen, müssen wir sie erfahren. Und dies möglichst nicht mit einem einzelnen Sinn, sondern am besten mit allen Sinnen. Oder besser: Mit dem ganzen Körper und nicht nur mit dem Kopf. Denn längst steht es außer Zweifel, dass reines »Pauken« bei Weitem nicht die Effizienz und Nachhaltigkeit zeigt wie ein Lernen, dass mit praktischen Aufgaben verknüpft ist. Um Kindern dieses Verknüpfen von körperlicher Bewegung mit Lerninhalten zu ermöglichen, hat ein Team um Dr. Martina Lucht am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT das Spielkonzept HOPSCOTCH entwickelt. »HOPSCOTCH geht neue Wege in der Wissensvermittlung. Es verbindet Bewegung, Lernen und Spaß und steigert damit nachweislich den Lerneffekt«, erklärt Lucht.

Bei »HOPSCOTCH« lösen mehrere Teams knifflige Aufgaben im Wettbewerb. Bild: Fraunhofer IDMT

Das Lernen in Bewegung bringen

Das Konzept von HOPSCOTCH erinnert ein wenig an ein Schulhofhüpfspiel, dass je nach Region in Deutschland Namen wie »Hopse« oder »Himmel und Hölle« trägt und in der Tat nach dem englischen Namen dafür (»hopscotch«) getauft wurde. Neu dabei ist allerdings, dass nun Wissensfragen gestellt werden. Solche nach Vokabeln etwa oder dem Ergebnis einer Rechenaufgabe. Im Gegensatz zum klassischen Abfragen derlei Wissensinhalte werden die Aufgaben aber nicht im Sitzen gelöst – sondern hüpfend auf einer Sensormatte. Wie auf einer, zum rechteckigen Hüpfteppich vergrößerten Telefontastatur wird dabei Buchstabe für Buchstabe beziehungsweise Zahl für Zahl einge»hüpft«. Für die Kinder (oder generell jeden, der mitspielt) geht es also darum, nicht nur die Antwort zu wissen, sondern den Körper so schnell wie möglich zu bewegen und gezielt die richtigen Felder in der vorgegebenen Reihenfolge zu berühren. Sowohl Frage als auch Eingabe erscheinen auf einem mit dem PC verbundenen Monitor oder Fernseher. Bei der Lösungseingabe wird stets ausschließlich die korrekte Eingabe vom System akzeptiert. Wer sie weiß und richtig hüpft, bekommt Punkte und kann den Highscore knacken, der sich aus der benötigten Eingabezeit und der Genauigkeit der Eingabe errechnet.

Nur die perfekte Zusammenarbeit von Bewegung und Wissen führt zum Highscore

 »Kinder fühlen sich von der Kombination aus Wissensfragen und Bewegungen im positiven Sinne gefordert und können es kaum erwarten, mit dem Spielen beziehungsweise Lernen zu beginnen«, erzählt Lucht. Die Bewegung bringe Spaß und das gegenseitige Anfeuern und gemeinsame Lösen der Aufgaben wirke sich zudem positiv auf die Gemeinschaft der Kinder aus. Denn HOPSCOTCH wird in der Regel nicht alleine gespielt, sondern mit Teams, die gegeneinander antreten, sich anfeuern und um die richtige Antwort ringen.

Unter dem Namen »move on« hat »HOPSCOTCH« Einzug in heutige Schulklassen gehalten. Bild: Fraunhofer IDMT

Einsatz auch zur Integration von Flüchtlingskindern

Mittlerweile wird HOPSCOTCH, dass unter dem Titel »move on« auch mit speziellen Inhalten für die Grundschule kommerziell für rund 180.- Euro vermarktet wird, an zahlreichen Grund-, Förder- und Mittelschulen eingesetzt. Aber nicht nur hier: Bewährt hat sich das Spielekonzept auch bei der Integration von Flüchtlingskindern, die durch das Teamplay leichter in die Gemeinschaft Gleichaltriger integriert werden. Denn neben den Lernerfolgen fördert HOPSCOTCH die korrekte Rechtsschreibung und die Einstellung gegenüber der deutschen Sprache und senkt damit die Zugangsbarrieren für Menschen mit Migrationshintergrund. (aku)

Keine Kommentare vorhanden

Das Kommentarfeld darf nicht leer sein
Bitte einen Namen angeben
Bitte valide E-Mail-Adresse angeben
Sicherheits-Check:
Sechs + = 9
Bitte Zahl eintragen!
image description
Expertin
Alle anzeigen
Dr. Martina Lucht
  • arbeitete vormals am Fraunhofer IDMT, ist jetzt jedoch nicht mehr bei Fraunhofer tätig.
Weitere Artikel
Alle anzeigen
Intelligent lernen
Arbeit neu denken
Der Prof für zu Hause 
Veranstaltungen
Alle anzeigen
Stellenangebote
Alle anzeigen