Eine wirklich funktionsfähige „Kristallkugel“ mag zwar noch immer nicht erfunden worden sein, doch stattdessen gibt es ja diverse Expertenbefragungen, die einen mehr oder minder fundierten Blick in die Zukunft erlauben.

Auch zur Bedeutung und Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik werden solche Untersuchungen durchgeführt – vor einigen Monaten beispielsweise vom Fraunhofer ISI in Karlsruhe. Eine weitere solche Delphi-Studie hat jetzt der Münchner Kreis gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft (zum Beispiel der Telekom) und Wissenschaft (zum Beispiel dem EICT) vorgelegt - etwa zehn Jahre übrigens nach der ersten viel beachteten Delphi- Studie mit dem Titel „2014“. 

Ziel der Untersuchung („Internationale Delphi-Studie 2030“) ist es, die „Zukunft greifbarer und damit besser gestaltbar zu machen“, wie es in der Einleitung heißt. Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen im IT- und Medien-Bereich werden analysiert und zu Prognosen und Trends im Feld der Innovationen verdichtet. 551 internationale Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben dazu bis Mitte 2009 in zwei aufeinander folgenden Befragungswellen 144 Zukunftsszenarien bewertet. Beleuchtet werden die vier Themenschwerpunkte „gesellschaftliche Implikationen“, „IuK-Innovationspolitik“, „Infrastrukturentwicklung“ und „Schlüsseltechnologien“ sowie „Innovationstreiber IuK in zentralen Anwendungsbranchen“. 

Gerade das wirtschaftliche und gesellschaftliche Potenzial von IuK wird in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen, so die Prognose – getrieben von hohen Innovationsraten bei den Basistechnologien, einer Fülle neuer Anwendungen, einem weiter zunehmenden globalen Wettbewerb und einem grundlegenden Strukturwandel bei Herstellern, Netzbetreibern und Dienstleistern.

Um im internationalen Vergleich mithalten zu können, müssten hierfür gerade in Deutschland wichtige ordnungspolitische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Voraussetzung sei außerdem eine schnelle Weiterentwicklung von „Akzeptanz und Vertrauen der Menschen im Umgang mit IuK“. Ebenso seien leistungsfähige Kommunikationsinfrastrukturen unabdingbar. Die mobile Nutzung des Internets und seiner Dienste werde sich nachhaltig auf die Informationsgesellschaft auswirken und eigenständige neue Anwendungsfelder schaffen. Die Dynamik bei den Basistechnologien werde Innovationsprozesse treiben und gravierende Auswirkungen auf viele Schlüsselindustrien in Deutschland haben. 

Ausdrücklich fordert die Delphi-Studie eine Förderung von „Open Innovation“, da dies maßgeblich dazu beitragen könne, Kommunikationsbarrieren zu überwinden und somit den Weg für Innovationen über Branchen- und Organisationsgrenzen hinweg zu öffnen. 

Die in der Studie skizzierten Zukunftsszenarios werden sich daher nicht von alleine erfüllen, wie die Autoren selbst feststellen. Doch mit dem differenzierten Blick der Experten sei es gelungen aufzuzeigen, wo Deutschland in 20 Jahren stehen könnte und in welchem internationalen Umfeld es sich zu positionieren gilt. Diese Szenarien dann tatsächlich zu verwirklichen, beziehungsweise ihr Eintreten zu verhindern, liege nach wie vor in der Hand von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Der dringende Appell des Delphi-Kreises zur politischen Weichenstellung in vielen Teilbereichen ist unüberhörbar.

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