Entlegene Gebiete in Schwellenländern mit Internetverbindungen auszustatten, das ist der Ansatz des Projektes Net4DC (Networks for Developing Countries) des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme. Denn nach wie vor ist die sogenannte digitale Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern groß und außerdem bieten diese Länder ein großes Marktpotenzial. Was 2010 als Feldversuch in Sambia begann, soll nun in verschiedenen Ländern Afrikas breite Anwendung finden und die Basis einer kommerziellen Nutzung bilden.

Ungefähr fünf Milliarden Menschen in Entwicklungsländern haben nur eingeschränkten oder keinen Zugang zu weltweiten Kommunikationsstrukturen wie dem Internet. Dies verschlechtert ihre Möglichkeiten im Bereich Bildung, Gesundheit und Wirtschaft. Mit NET4DC, dem Fraunhofer Zentrum für IUK-Technologien in Entwicklungsländern sollen Technologien entwickelt werden, um digitale Diskrepanzen zu überwinden. 

Angefangen hatte alles in Macha (Sambia), wo Prof. Dr. Jonas und sein Team eine Verbindung mit dem 3 Kilometer entfernten Ubuntu herstellten. In Macha gab es bereits eine Satellitenverbindung, die jedoch sehr kostspielig war. Die Kosten für den Einsatz der Technologie und den Internetzugang zu senken war eine Herausforderung, der sich die Forscher stellen mussten. Eine andere waren die schwierigen klimatischen Bedingungen und die Tatsache, dass man so weit draußen nicht immer gleich einen Wartungsexperten an der Hand hat. Es kristallisierten sich also mehrere Anforderungen an die Technik heraus: sie musste wartungsarm, selbstkonfigurierend, kostengünstig und extrem robust sein und vor allem große Entfernungen überbrücken können. Außerdem musste sie Bestandteile enthalten, die man möglichst vor Ort beschaffen konnte. Das Ergebnis ist die WiBack-Technologie (Wireless Backhaul), die all diese Bedingungen erfüllt. Sie nutzt schon vorhandene Knotenpunkte wie Satellitenverbindungen oder auch Glasfaserkabel und verbindet diese mit lokalen Funkroutern, die dann wiederum eine WLAN-Verbindung herstellen.  



Dieses System stellt sich nun dem Praxistest. Zusammen mit Betreibern vor Ort sollen außer in Sambia zum Beispiel in Südafrika, Namibia und Mosambik größere Netze entstehen, die der Bevölkerung in dünn besiedelten Landesteilen weit ab von den Städten einen kostengünstigen Zugang zum Internet ermöglichen. In Lesotho etwa soll in zwei bis drei Monaten ein solches Netz an den Start gehen. Weitere Kooperationen und Projekte dieser Art sind geplant. Denn Schwellenländer und Gebiete ohne Internetanbindung gibt es noch viele auf der Welt. (kda)

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