Was haben Bienen mit Sensoren zu tun? Beide sind zunehmend systemrelevant. Aber Bienen sterben aus, weil sie verhungern. Unsere Monokultur und Pestizide vertreiben sie aus der Welt. Das ist ein Drama für uns und die Natur. Bienen sind verantwortlich für die Bestäubung von Pflanzen. Ohne sie hätten wir selbst weniger Nahrung auf dem eigenen Teller, weil ohne sie weniger wächst. Sensoren können dazu beitragen, Bienen zu schützen.

Immer mehr Imker versehen daher ihre Bienenstöcke mit digitaler Technik. Die tierischen Behausungen werden intelligent, ähnlich wie das Smarthome der Menschen, mit dem zentralen Unterschied, dass die Menschheit noch nicht von der Ausrottung bedroht ist. Smarte Sensoren erfassen die Anzahl der fleißigen Flieger, die ein und ausfliegen und wann sie das tun. Sie messen die Temperatur im Stock, sie zählen die Flugbewegungen. So ermittelte Daten gehen über einen Sendemast direkt an den Rechner eines Imkers oder jemanden, der mit den Daten mehr noch anfangen kann: Analysen, Prognosen, Handlungsempfehlungen erleichtern den Schutz. Alles in Echtzeit. Mit Hilfe von Applikationen oder Plattformen entstehen eigene Datenmuster. Gekoppelt mit Wetterdaten oder Geodaten ergibt sich eine neue Lesbarkeit von dem, was die Bienen da so machen außer Honig zu produzieren. Mehr Wissen bedeutet mehr Schutz. Bienen sind so ein Teil der vernetzten Welt. Daten aus dem Internet der Bienenwelt helfen im besten Fall also Leben zu retten.

Das Allesnetz wächst

So wie es immer mehr Hobbyimker gibt, entstehen auch immer mehr Netzwerke, die sich mit Sensoren im ländlichen Raum befassen und damit Daten aus dem wachsenden Allesnetz verarbeiten. LoRaWan steht für long range wide area network und beruht auf einem Netzwerk von Sensoren, ausgestattet mit langlebigen Batterien, die auf niedriger Bandbreite über
Kilometer hinweg agieren und damit eine hohe Reichweite ermöglichen. LoRaWan ist eine offene digitale Technik. Der Zugang steht allen offen. In Deutschland bilden sich immer mehr Gemeinschaften, die LoRaWan-Netze für ihre Kommunen aufbauen, die dazu notwendigen Sendemasten aufstellen und sich vernetzen. Das komplette Internet der Dinge bleibt
dabei in Bürgerhand, wird getragen von einer im Gemeinwohl verwurzelten, emanzipatorischen Absicht. Ihr Ziel ist das Teilen von Wissen und Erfahrungen mit einem offenen Standard in einem globalen Netz. Noch gibt es kein flächendeckendes LoRaWan in Deutschland. Aber es wächst.

Raum und Zeit überbrücken

Gerade der ländliche Raum dürfte die Ohren spitzen und diese Entwicklung mit Feuer im Herzen verfolgen. Stimmt nämlich die Annahme, dass digitale Hilfsmittel in der Lage sind, die vermeintlichen Standortnachteile der ländlichen Regionen zu überbrücken, kommt diese Entwicklung passend: sie überbrückt Raum und Zeit und verhilft zur Teilhabe, wo die sonst langsam wegbricht. Was damit alles machbar wäre, zeigt sich schnell. Etwa, wenn es um Wasserstände geht. Auch Wasser wird knapp in Deutschland, das hat das fluide Element mit den Bienen gemein. Trockenheit ist kein Privileg des Südens mehr. Mit Sensoren lassen sich Wasserstände wunderbar messen auch an Orten, an denen Messungen sonst nur mühsam vonstatten gehen, an kleinen Seen und Weihern etwa. Gebündelt auf einem Dorfdashbord könnten die gemessenen Daten Hinweise darauf geben, wann zum Beispiel die Bewässerung der Gärten nicht mehr angebracht ist, weil das Wasser zu knapp ist.

Landwirte könnten Sensoren einsetzen, um die Wasserbewegungen bei Äckern von Oberliegern und Unterliegern zu messen. Ein Umstand, der häufig zu Streit führt, wenn der eine Acker zu viel Regenwasser auf den anderen überleitet. Gleiches wäre auch mit dem Heckenmanagement machbar. Sie garantieren Biodiversität und Lebensraum für viele Tiere wie Bienen, sie sind aber auch schnell Ärgernis, weil sie auswuchern und Ackerfläche verschatten oder unrentabel machen. Signalisieren Sensoren, dass die Büsche zu weit auslagern, können sie frühzeitig geschnitten statt abgeholzt werden. Gerade im Naturschutz sowie auch im Küstenschutz sind Sensoren die richtigen Partner, wenn es darum geht, Naturräume am Leben zu erhalten und frühzeitig eingreifen zu können. Nicht nur für Bienen, aber auch.

Alles in Echtzeit

Was als Pluspunkt daher kommt, geht allerdings auch in umgekehrter Richtung. Digitalisierung ist immer auch eine Gratwanderung zwischen Service und Überwachung. Die neue Gülleverordnung erschwert es den Landwirten, Gülle auszubringen. Das Verhältnis von Fläche und Vieh wird immer kritischer: Viel Vieh macht viel Mist. Und der Mist muss wohin. Wer also sicher stellen will, dass nicht zu viel Gülle auf den Äckern landet und auch wissen möchte, auf welchen Boden, ob trocken oder gefroren ausgebracht wird, kann das durch Sensoren messen - und bei Überschreitung eingreifen. Auch die Diskussion um konkrete Kriterien für eine nachhaltige Landwirtschaft wäre mit Echtzeitdaten aus dem Allesnetz einen Schritt weiter. Nachhaltigkeit wird messbarer.

Und wenn es dann noch um den Erhalt von denkmalgeschützten Gebäuden in den Dörfern geht, vielleicht um Kirchen oder um historische Ruinen, kommen Sensoren genau zu pass. Sie erfassen leicht alle baulichen Veränderungen in menschlichen Kulturgütern wie Risse, wo früher Klebkärtchen und physisches Erscheinen in regelmäßigen Abständen vonnöten war. Heute geht das digital, Sekunde für Sekunde werden Verschiebungen erfassbar.

Aktive Lebenshilfe

Wenn die Welt sich verändert, hilft es, sie auch neu zu vermessen. Technischen Möglichkeiten sind Entscheidungshilfen. Datengestützte Simulationen helfen, die Vielfalt an Entscheidungen überhaupt erst aufzeigt. Oft ergeben sich Muster, die wir selbst nicht sehen, wie etwa bei schrumpfenden Regionen. Nur braucht es dazu auch den Willen, Entwicklungen wie diese als Chance zu erkennen und eine Community mit ins Boot zu holen, die in der Lage ist, eine solche notwendige Infrastruktur dafür im ländlichen Raum aufzubauen. Kein leichtes Unterfangen. Das bedeutet einen Perspektivwechsel, wenn Zivilgesellschaft einbezogen wird mit einem Können, das erstmal nicht verstanden wird und dann auch noch Angst macht.

Es ist immer noch leichter über das Sterben der Dörfer zu fabulieren als gute Ideen aufzugreifen und auszuprobieren. Sensoren können eine aktive Lebenshilfe sein. Wer über Teilhabe und gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land nachdenkt, braucht schnelle Kommunikation. Beim Breitband hat man gelernt. Jetzt gilt es beim Bürgernetz und auch beim
5G-Netz um so mehr, die Anschlussfähigkeit auf dem Acker zu behalten. Nicht nur die Bienen wird es freuen, sondern alle, die auf dem Land leben bleiben möchten - oder wieder dahin zurückkehren wollen.

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Dr. Anke Knopp
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