Ziel der Berlin City Data Cloud ist es (unter anderem), Unternehmen, Organisationen und Bürgern der Stadt einen vertrauenswürdigen Zugriff auf städtische und öffentliche Daten zu bieten. Diese können anschließend in speziellen Diensten und Applikationen weiterverarbeitet werden, so dass die gemeinsame Gestaltung der städtischen Prozesse und Abläufe deutlich verbessert wird. Im Interview gibt Leiterin Frau Prof. Ina Schieferdecker von Fraunhofer FOKUS Auskunft über das Projekt und eine bereits abgeschlossene Vorstudie.

Wie würden Sie das Projekt Berlin City Data Cloud definieren?

Das Projekt wird getragen durch die Idee, eine Infrastruktur für öffentliche Daten nach den Open-Data-Prinzipien zu schaffen. Damit kämen wir der Vision, unseren Bürgern, Organisatoren sowie städtischen und anderen Unternehmen einen vertrauenswürdigen Zugriff auf städtische öffentliche Daten zu geben, einen großen Schritt näher. Informationen etwa zur Stadtplanung, Stadtentwicklung, zu Verkehrswegen, dem öffentlichen Nahverkehr, der Umwelt, der Gewässerqualität oder beispielsweise der Restaurantqualität wären dann zentral verfügbar. Die Informationen und das damit verbundene Wissen ist wiederum die Grundlage, um städtische Prozesse und Abläufe gemeinsam gestalten zu können. Unternehmen bieten wir beispielsweise die Möglichkeit, Dienstleistungen auf Basis dieser Daten zu entwickeln. Und den Bürgern erleichtern wir es, sich besser und eingehender zu informieren, um sich an Entscheidungsprozessen der Stadt effektiv beteiligen zu können. Letztlich geht es also darum, öffentliche und auch kommerzielle Daten über die Infrastrukturen und Ressourcen der Stadt bereitzustellen, um die aktuelle Situation in der Stadt transparenter zu machen und auf Grundlage valider Daten effektive Planungen zu ermöglichen.

Nennen Sie bitte ein Beispiel …

Denken Sie an den Berlin Marathon. Um diesen Event gründlich zu planen, brauchen die Veranstalter grundlegende Informationen zum Beispiel wo idealerweise Sendemasten oder Audio-Video-Zählsysteme aufgestellt werden könnten. Außerdem sind Daten über sicherheitskritische Punkte wichtig. Und die Zulieferer brauchen Informationen zur Platzierung von Bühnen oder Verkaufsständen. Zudem müssen umweltsensible Bereiche entlang der Laufstrecke bekannt sein. Also: Schon bei einem Marathon besteht ein vielfältiges Bedürfnis nach konkreten und verorteten Informationen aus den unterschiedlichsten Zuständigkeitsbereichen. Die Plattform der City Data Cloud Berlin ermöglicht es, diese wichtigen Daten effizient bereitzustellen, zu analysieren und zu bearbeiten.

In der Projektbeschreibung finden sich auch auf den ersten Blick kurios klingende Bezeichnungen, wie die der  »Dreckeckenidee«. Was steckt dahinter?

Bürger sollen mit Hilfe ihres GPS-fähigen Smartphones der Stadtreinigung Rückmeldung darüber geben können, wo sich Müll ansammelt. Auch andere Probleme können gezielt an die dafür zuständigen Behörden gemeldet werden: Etwa wenn es um Straßenglätte oder wetterbedingte Schäden in der Stadt geht.

Ein erster Meilenstein auf dem Weg zur City Data Cloud Berlin ist eine Vorstudie, die Sie Ende vergangenen Jahres vorgestellt haben.

Wir haben Fragen zu Potenzialen, Rahmenbedingungen und dem Stand in Berlin untersucht. Beispielsweise ist es für Unternehmen wichtig, bei der Suche nach geeigneten Standorten über entsprechende Daten zu verfügen. Zudem ist nun klar, dass Berlin bereits über eine Vielzahl relevanter Daten verfügt. Oftmals werden jedoch nur aggregierte Informationen bereitgestellt – Basisdaten sind im Moment noch nicht zur Veröffentlichung bestimmt, beziehungsweise nicht weiter verarbeitbar.

Laut EU Richtlinie und dem daraus abgeleiteten Informationswiederverwendungsgesetz müssen Daten, die von der Öffentlichkeit bezahlt wurden, dieser auch zur Verfügung gestellt werden – wenn auch mit einigen Abstrichen.

Richtig. Das ist sozusagen der juristische Ansatz, der unserem Projekt zu Grunde liegt. Man kann aber durchaus auch technikphilosophisch argumentieren und betonen, dass Informationen wichtige Rohstoffe beziehungsweise Ressourcen unserer Informationsgesellschaft sind. Deshalb ist es in der Tat problematisch und letztlich nicht gewünscht, dass öffentliche Daten in der Hoheit einzelner und nicht zugreifbar für andere sind. Mit Hilfe der Stadt Berlin wollen wir dies beispielhaft ändern, um ähnliche Plattformen auch in anderen Städten nutzbar zu machen.

Das heißt: Ein System wie die City Data Cloud in Berlin zu etablieren ist nicht nur ein technisches Problem.

In der Tat ist eine der größten Schwierigkeiten die Frage, wem welche Daten gehören und unter welchen Voraussetzungen diese öffentlich zugänglich gemacht werden dürfen. Die vielleicht größte Hürde ist es, wie wir juristisch korrekt Zugang zu möglichst vielen Basisdaten erhalten können und wie wir diese verbreiten dürfen. Da Fraunhofer FOKUS seit Jahren ein E-Government-Zentrum betreibt und verschiedenste öffentliche Institutionen im Umgang mit IKT-Technologien berät sind wir uns sicher, auch derartige nicht-technische Probleme zu lösen.

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Prof. Dr. Ina Schieferdecker
  • Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS
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