Gärung der verängstig­ten Egos -die steht im Vordergrund, wenn über E-Government geredet wird. Etwas Neues soll gestaltet werden! Das muss unbedingt im Fokus unserer ureigenen Hoffnungen gesehen wer­den. Was bringt es mir persönlich? Uns? Grundsätzlich? Wollen wir das?

Dabei zieht E-Government schon deutlich in unser Leben ein, mer­ken Sie es nicht? Einkommensteuer­erklärungen per Internet, Volksbefragungen in den TV-Nachrichten! Die elektronische Demokratie kommt auf leisen Sohlen. Niemand will sie so recht - alles geschieht einfach. So aber ist es in der Demokratie immer. Alles ziemlich schwerfällig, aber unaufhaltsam. 

Während alles Einzug hält, fragen wir besorgt immer dasselbe. »Darf das Volk einfach per TED Ratschläge geben? Wer kann unter Dauerkommentaren noch regieren?« Gegen­frage: Wie kann Bayern Meister werden, wenn 80 Millionen dauernd mittrainieren? »Kommt der gläserne Bürger?« Gegenfrage: Wer interes­siert sich denn für Sie?

»Wird mich die Steuer elektronisch erwischen?« Gegenfrage: Warum nicht? Weshalb befürworten Sie Radarfallen oder Gefängnisse?

»Wie wählt jemand, der kein Internet hat?« Gegenfrage: Sind wir nicht auch damals gezwun­gen worden, auf Kosten des Arbeitge­bers/Staates ein Girokonto einzurich­ten, damit die heilige Bar-Lohntüte verschwinden konnte?

»Werden demagogische Politiker unmündige Wahler aufwiegeln, für Krieg zu stim­men?« Gegenfrage: Warum gibt es heute schon Irak-Kriege auf Wunsch Einzelner?

»Wird Politik nur noch im Fernsehen als Reality-Show statt­finden?« Ich schlage vor, dass wir für verschiedene Fachgebiete wie Gentechnologie, Heuschrecken-und Weltraumraketenabwehr oder zum Beispiel Kindererziehung mittel­schwere Prüfungen ablegen müssen - und dann dürfen bei Fachfragen jeweils nur diejenigen Wähler mit­stimmen, die die Prüfungsurkunde erworben haben. Wollte das Platon nicht schon immer, oder doch min­destens Klopstock? Eine Gelehr­tenrepublik von schwer geprüften Menschen? »Es müssen doch alle Menschen gleich sein! Man muss doch auch abstimmen dürfen, ohne etwas zu wissen! Wie hätten wir sonst unsere heutigen Regierungen?«

Wollen wir nicht einmal wieder lei­denschaftlich diskutieren, wie damals, in der 60ern? Miteinander ringen? Ideen entwickeln? 

Ich fürchte, alles wird ohne uns selbst geschehen, weil wir uns nur rituell beharken, aber eigentlich keinen Plan haben - bis wir alles von den ungelieb­ten Amerikanern übernehmen werden und dabei noch unmutig grummeln. Die Amerikaner haben uns schon das denglische Wort E-Government ein­gebrockt! Die Amerikaner haben uns nicht gefragt! Aus der Nähe des ech­ten Government erklärte mir jemand:

»In der Opposition und auch in der Regierung darf man beliebig träumen, weil alles ohnehin zerredet wird und nichts bis zur Umsetzung kommt. Bei einer großen Koalition aber darf man allmächtig tun, was immer man will. Da aber merken wir schlaglichtartig, dass wir eigentlich gar nichts wirklich wollen. Das Träumen und das Zerre­den der Träume ist schöner gewesen.«

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Autor
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Prof. Dr. Gunter Dueck
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