Beim Glasfaserausbau setzt die Telekom auf digitale Tools zur Planung der neuen Trassen und Netzverteiler. Das Fraunhofer IGD hat dafür eine Software entwickelt. »Fibre3D« automatisiert den Planungsprozess und ermöglicht es Telekom-Mitarbeiter*innen, Anträge bei den Kommunen ohne aufwendige Ortsbegehungen einzureichen. Das spart Zeit und sorgt für ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren, so dass der Ausbau nicht ins Stocken gerät. Mittlerweile ist die Software in Dutzenden Gebieten erfolgreich im Einsatz.

Die Digitalisierung kommt voran – wenn auch nicht immer und überall so zügig, wie wir uns das wünschen. Trotzdem aber wächst die Zahl der Vorteile, die wir nutzen können, weiter stark an. Dazu zählen intelligente Stromzähler und Smart-Home-Systeme, der elektronische Datenaustausch zwischen beispielsweise Ärzt*innen und staatlichen Institutionen, der Einsatz von 3D-Visualisierungen und 3D-Druck-Verfahren ebenso wie das vernetzte Arbeiten in der Industrie 4.0. Und natürlich auch das schnelle Surfen und verzögerungsfreie Streamen in den Firmen und Privathaushalten. Breitband- Internetgeschwindigkeiten im Gigabit-Bereich bringen das Rüstzeug für all das mit. Jetzt, aber auch in Zukunft.

Wie wichtig eine robuste Leistung bei den Internetverbindungen ist, zeigen Berechnungen des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Danach können wir mit einer Steigerung der Wirtschaftsleistung um über 80 Milliarden Euro rechnen. Und in Krisenzeiten wie der Pandemie ist das Breitbandnetz auch aus sozialer Perspektive überlebensnotwendig geworden – vor allem auch im ländlichen Raum.

Bei der Konzeption der neuen Trassen und Netzverteiler durch die Telekom kam es bislang aber umständehalber immer wieder zu Verzögerungen bei einer Vorstufe des eigentlichen Verlegens der dünnen Glasleitungen. Denn im Vorfeld müssen umfangreiche Planungen absolviert und bei Ämtern und Kommunen Anträge gestellt werden. Und diese sind in der Regel mit mehreren Abstimmungsschleifen und Vor-Ort-Terminen verbunden.

Genaue Position der Netzverteilerkästen bestimmen

Beispielsweise hatte die Planung der Kästen, über die die einzelnen Glasfaserleitungen von der Haupttrasse an die Haushalte verteilt werden, stets eine Begehung an Ort und Stelle sowie Ausmessungen nötig gemacht. Denn über das bislang genutzte 2D-Kartenmaterial war es nicht möglich, eine Position nur anhand dieser Informationen so umfassend zu bestimmen, dass Faktoren wie die vorgeschriebene Restgehwegbreite immer exakt berücksichtigt werden können. »Zeitaufwändige Vor-Ort-Termine der Planer*innen waren deshalb die einzige Lösung, um einen geeigneten Standort zu finden«, berichtet Pascal Bormann vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD.

Um die Prozesse zu beschleunigen, setzt die Telekom nun verstärkt auf digitale Tools und automatisierte Verfahren. Dafür erstellen Spezialkameras und Laserscanner digitales Kartenmaterial. Eine automatische Objekterkennung schlägt Verteilerstandorte und Trassenverläufe vor. Diese müssen dann von den Planer*innen nur noch verifiziert werden. So wird der Planungsprozess weiter automatisiert und ermöglicht es den Telekom-Mitarbeiter*innen, auch ohne aufwendige Ortsbegehungen Anträge bei den Kommunen einzureichen.

Vor-Ort Termine nicht mehr zwingend

Unterstützt werden die Verfahren dabei von der Software Fibre3D des Fraunhofer IGD. Die Software ermöglicht es den Planer*innen, mit Hilfe der aus dem Scan gewonnenen Daten in eine 3D-Welt einzutauchen. Beispielsweise, um Netzverteilerkästen virtuell zu positionieren und selbst vom Schreibtisch aus einen geeigneten Standort zu finden. »Die Präzision dabei ist extrem hoch«, betont Bormann. Die Entwicklung der Erkennleistung, an der neben dem Fraunhofer IGD auch das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM beteiligt war, sorgt unter anderem dafür, dass die generierten Bilder sehr naturgetreu aussehen und damit einen umfassenden und realistischen Einblick in die Situation vor Ort gewährleisten.

Durch die maßstabsgetreuen Projektionen und integrierten Messfunktionen wird damit selbst bei technisch anspruchsvollen Gegebenheiten vor Ort eine zügige Standortprüfung möglich. Und ist die genaue Position der Netzverteilerkästen bestimmt und die digitale Planung abgeschlossen, können direkt aus der Software heraus anschauliche Fotomontagen für die Antragsunterlagen zur Standortsicherung generiert werden. Dann wird dem Genehmigungsverfahren einfach eine Fotomontage beigefügt. Der wirklichkeitsgetreue Eindruck erleichtert auch den Wegeunterhaltspflichtigen den Genehmigungsprozess.

Großflächiger Einsatz

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Telekom in vier Planungseinheiten eine erste Version von Fibre3D eingesetzt. »In einem Fall konnte ein Kollege an einem einzigen Tag 27 Standorte vorbereiten und direkt zur Genehmigung zur Kommune senden – und das alles digital,« betont Marius Kraus, Product Owner Fibre3D, Deutsche Telekom Technik GmbH. Mit einzelnen Vor-Ort-Terminen, Fotoaufnahmen und der Antragstellung im Nachgang wäre das nicht zu schaffen gewesen. »Im klassischen Prozess verbringen unsere Mitarbeiter viel Zeit auf der Straße. Auch eine Nachbearbeitung der Standorte, wenn eine Kommune Änderungswünsche hat, geht nun viel schneller.« Mittlerweile ist Fibre3D bereits in Dutzenden von Ausbaugebieten erfolgreich im Einsatz, schätzt Bormann.  

Lediglich kleinere Probleme mit der eingesetzten Panoramakamera müssen die Forscher künftig noch beheben. »Die 360-Grad-Kamera ist auf ein Fahrzeug montiert, dass einen Teil der Sicht auf die Straße verdeckt. Unter Umständen werden wir eine zweite Kamera integrieren, um nicht nur die Gegend um die Verteilkästen, sondern auch die Verlegestrecke direkt vor dem Fahrzeug präzise erfassen und darstellen zu können«, sagt Bormann. Zudem wollen sein Team und er die Datenaufbereitung verbessern: »Da dafür die Cloud genutzt wird, kann es unter Umständen zu Verzögerungen kommen, etwa wenn die Verbindung neu aufgebaut werden muss. Hier wollen wir mehr Stabilität erreichen.«

(bet)

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