Der größte deutsche Kongress zum Thema E-Government und Verwaltungsmodernisierung öffnete gestern zum 13. Mal in Leipzig seine Pforten. Lautete das Motto 2011 noch »Verwaltung neu denken«, so wird in diesem Jahr auf »Innovation ist Wandel« gesetzt. Gemeint ist damit der Wandel zu einer modernen, offenen und bürgerorientierten Verwaltung, welcher durch informationstechnische Innovationen vorangetrieben werden soll. Innovative Impulse gibt es zur Genüge, wie die aktuellen Pläne des IT-Planungsrats und die Projekte in Bund, Ländern und Gemeinden auf allen Ebenen der Öffentlichen Verwaltung zeigen. Jedoch reichen einzelne IT-Maßnahmen für eine umfassende Modernisierung bei weitem nicht aus, und zudem ist jede Neuerung auf die breite Akzeptanz bei Verwaltungsbeschäftigten und bei der Bevölkerung angewiesen.

Die Entscheider im Bereich Verwaltung stehen vor der Aufgabe, die angestrebten Innovationen langfristig zu planen, um somit nachhaltige Veränderungen erzielen zu können. Dies kann nur durch die Einbeziehung aller Beteiligten – also auch der Bürger – gelingen, denn fehlende Akzeptanz erzeugt Reibungsverluste, kostet Zeit und Geld, und kann gar zum Scheitern von Projekten führen. Daher sind eine offene Kommunikation und eine nachvollziehbare Zielsetzung von Projekten die Grundvoraussetzung für deren Erfolg. Der neue elektronische Personalausweis und De-Mail, die vertrauliche elektronische Post der Telekom, sind die prominentesten, beim dbb-Kongress präsentierten Beispiele für die Einführung einer rechtssicheren elektronischen Kommunikation mit den »Verwaltungskunden«.

Zwei Plenumsveranstaltungen umrahmen den dbb-Kongress: Die Eröffnungsveranstaltung griff das Motto »Innovation ist Wandel« auf und thematisierte die Anforderungen an innovative Veränderungsprozesse und deren effiziente Gestaltung. An dieser Podiumsdiskussion beteiligten sich Peter Kühne, Vorstandsvorsitzender von Vitako, Harald Lemke, Sonderbeauftragter für E-Government und eJustice der Deutschen Post AG, Cornelia Rogall-Grothe, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern und Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik, Christoph Verenkotte, Präsident des Bundesverwaltungsamtes sowie Radu Popescu-Zeletin, Leiter des Fraunhofer-Instituts FOKUS.
Die am ersten Tag vorgestellten Ergebnisse der Milieustudie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVISI) und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sind zentraler Bestandteil der heutigen, zweiten Podiumsdiskussion. Das Wort haben Dr. Silke Borgstedt, Direktorin Sozialforschung der SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH, Matthias Kammer, Direktor des DIVISI, Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit sowie Dr. Marianne Wulff, Geschäftsführerin von Vitako. Die Milieustudie analysierte die Internetnutzung von Mitgliedern unterschiedlicher Milieus – vor allem in Hinblick auf Vertrauen und Sicherheit im Internet. Ihre Kernaussage: Ein Drittel der Deutschen können als Digitale Outsider bezeichnet werden. Diese Tatsache sollte in puncto Akzeptanz von E-Government-Projekten nicht vernachlässigt werden.

Die diversen Fachforen widmen sich unter anderem Themen wie Mobile Government, Cloud Computing, E-Partizipation oder der Bedeutung von Social Media für die Kommunikation der Öffentlichen Verwaltung mit den Bürgern. Das Fraunhofer eGovernment-Zentrum beschäftigt sich mit den entsprechenden Trends: Es geht um die Rolle von E-Government in der »Morgenstadt« sowie um mögliche Marktplätze für Wirtschaft und Verwaltung, sprich um Anwendungen der Zukunft. Im Rahmen der Diskussion über die digitale Stadt von morgen geht es außerdem um die Funktion künftiger E-Government-Apps, sowie generell um die Bedeutung der »Verwaltung im Zeitalter Web 2.0 und Piratengeneration«.

Als Mitgliedsinstitute des Fraunhofer eGovernment-Zentrums sind Fraunhofer FOKUS und Fraunhofer IAO in diversen Fachforen vertreten: Im Fachforum »Innovation ist Wandel" präsentiert Fraunhofer FOKUS unter dem Oberthema Open Data die neuesten Erkenntnisse zu »Bestandsanalyse und technische Standards« sowie zum Oberthema ePartizipation den Schwerpunkt »Open Budget 2.0 und Open Budget Data - Open Innovation zur Lösung gesellschaftlicher Fragen«. Das Fraunhofer IAO stellt im Fachforum »Verwaltung und Organisation« das Thema »Flexible Arbeitsformen im demografischen Wandel - Konzepte zur Erhöhung der Arbeitgeberattraktivität« und sein »Konzept Kontinuierlicher Mitarbeiterentwicklung« vor. Des Weiteren steht das Institut im Fachforum »Steuerung und Prozesse« zu den Themen "P23R: Prozesseffizienz für Wirtschaft und Verwaltung" und »Forum subreport: Gemeinsam auf dem Campus - Neue Wege für Beschaffung, Information und Zusammenarbeit« den Fachbesuchern Rede und Antwort.

Bereits gestern fand das Worldcafé statt, welches die aktuellen Pläne des IT-Planungsrates präsentierte. Um Anregungen und Ideen für die eigene Tätigkeit zu erhalten, diskutierte die Strategiegruppe des Planungsrates nach einem Impulsvortrag mit den Teilnehmern über föderale Infrastruktur und Standardisierungsagenda. Am heutigen Tag werden die Ergebnisse des Worldcafés zusammenfassend in einem Forum vorgestellt. 

Der Kongress neueVerwaltung erfährt in diesem Jahr erstmalig eine thematische Erweiterung, da das Controllerforum für Controlling in der öffentlichen Verwaltung der dbb akademie integriert ist. Dadurch bietet sich für die Teilnehmer am Controller-Workshop die Möglichkeit, sich zudem über andere innovative Veränderungen der Öffentlichen Verwaltung in diesem Bereich zu informieren.

Man darf gespannt sein, unter welchem Motto der dbb-Kongress nach »Verwaltung neu denken« und »Innovation ist Wandel« im Jahr 2013 stehen wird, und wie weit die Großprojekte elektronischer Personalausweis und De-Mail bis dahin fortgeschritten sein werden. (nst)

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