Thomas Sattelberger, Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Deutschen Telekom, spricht sich für einen Paradigmenwechsel in den Führungsetagen von Wirtschaft und Verwaltung aus. Nur so könne man auf den demographischen Wandel verbunden mit der Fachkräftelücke eingehen und der Globalisierung von Märkten und Volkswirtschaften, dem bewussten Umgang mit Gesundheit, der geänderten Unternehmenskultur in Hinblick auf Diversity sowie der Einbeziehung von Social Media Rechnung tragen. In seiner mit viel Beifall bedachten Keynote „Personal neu denken – Impulse für den Wandel“ beim diesjährigen Kongress neueVerwaltung verdeutlichte er, dass der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft ein komplettes Umdenken im Bereich Personalmanagement erfordere, und sich die Verwaltung vor allem dem jungen Personal öffnen müsse.

Beim Kongress neueVerwaltung – dem größten seiner Art im deutschsprachigen Raum – dreht sich seit 12 Jahren alles um das Thema E-Government und Verwaltungsmodernisierung. Der Kongress ist der umfassenden IT-unterstützten Modernisierung der öffentlichen Verwaltung in Bund, Ländern und Gemeinden verpflichtet. Treibender Faktor ist hierbei die rapide wachsende Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnik für die Zusammenarbeit in der öffentlichen Verwaltung. Die Omnipräsenz des Internets hat bei Bürgern und in der Wirtschaft die Forderung gestärkt, dass die öffentliche Verwaltung ihre Dienste elektronisch auf allen Ebenen anbieten muss.

Seit 2006 ist die Veranstaltung ein fester Termin für das E-Government Zentrum des Fraunhofer IuK-Verbunds, das bei der inhaltlichen Gestaltung des Kongresses mitwirkt und vor Ort aktuelle Projekte auf der Fachmesse und in den Fachforen vorstellt. In diesem Jahr stand der Kongress unter dem Motto „Verwaltung neu denken“ und verwies somit auf die Herausforderungen, welche die öffentliche Verwaltung derzeit zu bewältigen hat. „Durch die Finanzkrise und die im Grundgesetz neu verankerte Verschuldungsgrenze kommt auf die  Verwaltung ein starker Sparzwang zu, der sich auch auf den Personalbereich auswirken wird. Auf Grund der demografischen Entwicklung wird die Verwaltung sich verstärkt mit Fragen der erfolgreichen Nachwuchsgewinnung sowie der Aus- und Fortbildung beschäftigen und neue Wege des Wissensmanagements gehen müssen. Zugleich erzeugen Vorgaben der EU sowie die rapide IT-Entwicklung zusätzlichen Folgeaufwand“, war im Call for Papers zur Veranstaltung zu lesen. Des Weiteren wird der Ruf nach transparenterem Verwaltungshandeln und nach Open Government mit Hinweisen auf Best Practices, auch aus anderen Ländern, zunehmend lauter. Die Verwaltung muss sich als lernendes System verstehen und sich mit den ihr gestellten Herausforderungen kritisch auseinandersetzen, ihre Prozesse und Aufgaben neu definieren und effizienter gestalten, sowie zielgerechter von Informations- und Kommunikationstechnik Gebraucht machen. Schulden und knappe Kassen, steigende Kundenerwartungen, die Gewinnung von kreativen Nachwuchskräften und die rasante technologische Entwicklung erfordern ein Umdenken bei der Verwaltung und eine Beschäftigung mit der Frage, wo die Veränderungen innerhalb der öffentlichen Verwaltung am wirkungsvollsten ansetzen und welche Auswirkungen für Personal und Organisation zu erwarten sind. Der Schritt von „Verwaltung neu denken“ hin zu „Verwaltung neu umsetzen“ muss vollzogen werden.

Standards für die Datenübermittlung zwischen verschiedenen Verwaltungsebenen, Datensicherheit und Datenschutz, einheitliche und effiziente Prozesse in der Verwaltung sowie transparente Dokumentation und rechtsverbindliches Handeln sind die Kernfragen des E-Government. Das E-Government Zentrum des Fraunhofer IuK-Verbunds bündelt seine Kräfte in einem Kompetenznetz aus acht Fraunhofer-Instituten zum Thema E-Government. Jedes Institut kann auf langjährige Erfahrungen mit jeweils unterschiedlichen technologischen und organisatorischen Schwerpunkten im Anwendungsbereich Öffentliche Verwaltung zurückgreifen, und gemeinsam deckt das Zentrum das gesamte Anforderungsspektrum für erfolgreiches E-Government ab. Gerade in den letzten Jahren wurden durch Gesetzesänderungen, innovative Projekte und zentrale Personalmaßnahmen wichtige Fortschritte erreicht. Das Ziel der Politik ist jedoch ehrgeizig: Deutschland solle zum führenden E-Government-Staat in Europa werden. Themen wie die Reorganisation von Geschäftsprozessen und prozessorientierten Geschäftsmodellen, Methoden und Werkzeuge zur Entwicklung standardbasierter E-Government-Lösungen oder die Vernetzung geografischer Informationssysteme liegen im Mittelpunkt des Interesses der Forscher und unterstützten damit die geforderte Umsetzung ganzheitlicher zukunftsweisender und -sichernder Lösungen.

Einen großen Schritt in Richtung „Non-Stop-Government“ ist dem -Government Zentrum des Fraunhofer IuK-Verbunds mit seinem derzeitigen Hauptprojekt gelungen: Das Prozessdatenbeschleuniger-Projekt (P23R) des BMI aus dem IT-Investitionsprogramm der Bundesregierung, welches beim Kongress präsentiert wurde, umfasst Grundlagen und Methoden, die den Datenaustausch zwischen Unternehmen und Verwaltung einfacher, sicherer und effizienter gestalten und damit helfen, Bürokratiekosten zu senken. Vorteile für Unternehmen bedeuten gleichzeitig Vorteile für die Verwaltung. Lösungen auf Basis des P23R-Prinzips generieren als Teil der Anwendungslandschaft in Unternehmen die erforderlichen Meldungen und stellen sie den zuständigen Behörden ordnungsgemäß zu. Somit trägt das Projekt dazu bei, eine verbesserte, flexible und medienbruchfreie Umsetzung von Verwaltungsvorgängen zwischen Unternehmen und Behörden zu bewirken.

Beim Kongress stellte zudem das Fraunhofer FOKUS aktuelle E-Government-Lösungen für Verwaltung, Politik und Wirtschaft des Kompetenzzentrums Electronic Government and Applications vor. Das Fraunhofer IESE zeigte, wie Prozessketten zwischen Wirtschaft und Verwaltung zielgruppengerecht und zukunftssicher gestaltet werden können. Um föderative IT-Infrastrukturen für moderne Verwaltungen ging es beim Fraunhofer ISST, und das Fraunhofer SIT demonstrierte, wie Infrastrukturen strategisch geplant werden können, um zu einem sicheren E-Government beizutragen. Auch im nächsten Jahr werden beim Kongress neueVerwaltung die aktuellen Projekte und Verbesserungsvorschläge des E-Government Zentrums vorgestellt. (nst)

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