Zentralgestirn, Lebensspender und manchen gar Gott – die Bedeutung der Sonne für uns lässt sich kaum überschätzen. Den wichtigsten Beitrag zu unserem Leben stellt aber wohl ihre Strahlungsenergie dar. Laut der Desertec-Foundation zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft bietet die Sonne 10.000 Mal mehr Energie, als zur Versorgung unserer Zivilisation nötig wäre – und zwar in umweltverträglicher Weise. So widmen wir ihr alljährlich ihre eigenen Tage: auf Bundesebene die Woche der Sonne, europaweit die European Solar Days, bei Fraunhofer im Rahmen der Fraunhofer-Energietage.

Im Monat Mai finden sowohl in Deutschland, als auch in Österreich und der Schweiz schon seit 2002 Aktionen zum Thema Sonnenenergie von Vereinen, dem Handwerk, Schulen und Kommunen sowie Energieberatern statt. 2007 wurden diese Aktionen zusammengefasst und finden seither in Deutschland als bundesweite Woche der Sonne statt – in diesem Jahr vom 4. bis 13. Mai. Nach demselben Modell will nunmehr auch die Europäische Union den Gedanken einer wiederkehrenden Solarkampagne etablieren, mit den European Solar Days vom 1. bis 13. Mai. Im Zentrum steht bei alledem die gezielte und praxisorientierte lokale Vermittlung von Informationen zur Solarenergie und den Chancen einer Versorgung aus erneuerbaren Energien. Der Schwerpunkt liegt auf innovativen Konzepten. Solarenergie meint aber stets zweierlei: die Photovoltaik, auch Solarstrom genannt, bei welcher Lichtenergie mittels Solarzellen in elektrische Energie umgewandelt wird, und die Solarthermie, das heißt die Gewinnung von Wärmeenergie aus solarer Einstrahlung, etwa anhand von Sonnenkollektoren.

Angesichts der Debatte um ihre Förderung ist die Solarenergie seit geraumer Zeit ein umstrittenes Thema. Konkret geht es um die Streichung von Förderungen der Photovoltaikindustrie im Rahmen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG). Die Politik begegnet in diesem Zusammenhang folgendem Problem: Im Bereich der Photovoltaik besteht trotz zwischenzeitlicher Novellierung des EEG ein starkes Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage der Module mit der Folge eines weltweiten Preisverfalls, längst deutlich spürbar für die Solarbranche. So beschloss der Bundestag am 29. März 2012 eine Neuregelung der Solarstromförderung, eine Verabschiedung im Bundesrat steht für den heutigen Tag bevor. Das EEG soll im Rahmen dieser Änderung von einem Markteinführungs- in ein Marktintegrationsinstrument überführt werden. »Würde Deutschland trotz des weltweiten Preisverfalls bei den Modulen die Einspeisevergütung unverändert fortführen, würde das globale Überangebot in den deutschen Markt drängen – zu Lasten der deutschen Stromverbraucher«, so Bundesumweltminister Röttgen

In den Fokus der Förderung und des technologischen Ausbaus solle nunmehr die Speicherung im Sinne der Netzstabilität kommen, das heißt Innovationen im Bereich der dezentralen Erzeugung und der Smart Grids. Laut BMU liegt hier die Zukunft einer erfolgreichen und wettbewerbsfähigen deutschen Photovoltaikindustrie. So hat zum Beispiel das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik AST mit EMS-ADM PROPHET® eine Lösung entwickelt, um der Volatilität von Sonnenenergie zu begegnen: Im Bereich der Photovoltaik können eingespeiste Leistungen bei einem einzelnen Übertragungsnetzbetreiber innerhalb weniger Stunden dem Unterschied zwischen einer kleinen Gasturbine und neun konventionellen Großkraftwerken entsprechen. Die Software vom Fraunhofer AST erstellt daher eine optimierte Gesamtprognose der zu erwartenden Energiemenge, indem sie vielzählige Einzelprognosen in rund 15.000 Einzelschritten automatisiert miteinander verknüpft – mit viertelstündlich genauen Vorhersagen. Ziele sind eine optimale Vermarktung der Menge an erneuerbaren Energie an der Strombörse EPEX und ein minimaler Einsatz von Ausgleichsenergie, wodurch sich auch die EEG-Umlage der Verbraucher reduzieren ließe.

Die Diskussion um die Photovoltaik ist aber letztlich eingebettet in die generelle Diskussion um nächste Schritte in der Energiewende, das heißt um eine Konkretisierung der weiter zu verfolgenden Roadmap. Daher widmet Fraunhofer den solaren wie auch den übrigen regenerativen Energien am 10. und 11. Mai überdies die Fraunhofer-Energietage 2012 – unter dem Stichwort »Zeit für eine Standortbestimmung« und auf der Suche nach »Lösungen für die Energiewende«. Prof. Dr. Weber, Sprecher der Fraunhofer-Allianz Energie, wird vorstellen, warum sich die Entwicklung der Kosten für die Umwandlung von Strahlungs-, Wärme- und Bewegungsenergie aus Photovoltaik, solarthermischen Kraftwerken und Windenergieanlagen in elektrischen Strom wesentlich besser darstellt, als weithin angenommen. Speziell der Photovoltaik, ihren Herausforderungen und Chancen, wird sich Dr. von Zitzewitz, CEO von Q-Cells SE, widmen. Zudem werden neben energieeffizienten Industrieprozessen intelligente Netze sowie Energiespeicher und E-Mobilität im Zentrum stehen.

Anfang März veröffentlichte das BMU einen aktuellen Stand zur Entwicklung erneuerbarer Energien. Hieraus geht hervor, dass sich 2011 insbesondere bei der Stromerzeugung mit 17 Prozent (knapp 122 Mrd. KwH) ein sprunghafter Anstieg zum Vorjahr vermerken ließ – mit der Photovoltaik als einer von zwei Vorreitertechniken. Solarstrom habe tatsächlich mittlerweile einen Anteil von 19 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch. Der Anteil der Solarthermie liege bei 5,6 Prozent. Der Bundesverband Solarwirtschaft spricht hierbei von einem noch »schlafenden Riesen«, ließe sich doch mit modernen und ausgereiften Solarwärmesystemen weit mehr als Warmwasser erwärmen. Im Oktober 2011 gab die Desertec-Foundation zudem bekannt, 2012 mit dem Bau ihres ersten Solarkraftwerks in Marokko zu starten: Desertec ist ein Konzept zur Stromerzeugung für Europa durch Solarthermiekraftwerke und Photovoltaik in Wüsten des Mittleren Ostens und Nordafrikas. Damit könnte sich 2012 trotz aller Hindernisse möglicherweise doch zu einem ausgesprochen starken Jahr für die Sonne entwickeln. (lre)

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