Noch spielen die Energiekosten bei Investitionsentscheidungen in der produzierenden Industrie nur eine untergeordnete Rolle. Dies zumindest ergab eine Befragung von etwa 450 Entscheidern und Experten aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Industrieverbänden. Durchgeführt wurde sie im Rahmen einer vom Bundesforschungsministerium geförderten Studie zur Energieeffizienz in der Produktion. 

Dennoch wird sich der möglichst effiziente Einsatz von Energie im 21. Jahrhundert zu einem entscheidenden Thema für den Erfolg eines Unternehmens entwickeln. Denn auch dies ist ein Resümee der von acht Fraunhofer-Instituten und weiteren Forschungseinrichtungen vorgelegten Studie. So wird erwartet, dass die Dynamik der Preisentwicklung der letzten Jahre für Rohstoffe und Energie tendenziell anhalten wird. Globale Fragestellungen wie der gesamte Wettbewerb um Ressourcen oder staatlich festgelegte Emissionsgrenzen werden die Rahmenbedingungen von Unternehmen künftig immer stärker bestimmen. Um in den Unternehmen die Steigerung der Energieeffizienz voranzutreiben, ist es deshalb zum einen notwendig, entsprechende Technologien und Verfahren zu entwickeln und anzuwenden. Zum anderen ist eine Umsetzung in den Unternehmen aber vor allem davon abhängig, dass die betrieblichen Akteure Energieeffizienz künftig auch als Erfolgsziel ihrer Arbeit definieren. Ähnlich wie die Themen Qualität und betriebliches Verbesserungswesen muss dazu auch der möglichst effiziente Einsatz von Energie im Produktionsprozess als fester Bestandteil in den unternehmensinternen Planungsgrundsätzen, Handlungsanweisungen und Bewertungssystemen fest verankert werden – von der Managementebene bis hin zu den Fertigungsteams.

Für den Weg dorthin sehen die Experten für Arbeitsorganisation und Softwaremanagement des Fraunhofer IAO drei Einflussfaktoren als entscheidend an: Wille, Kompetenz und förderliche organisatorische Rahmenbedingungen. Für Planer und Entscheider sind aktuelle Kenntnisse nötig, wie Energieeinsparungen ohne Verluste an anderer Stelle möglich sind. Sie sind die Voraussetzung, um eine sachgerechte Auswahl unter den zur Verfügung stehenden technischen Optionen treffen zu können. Für die Umsetzung im Unternehmen ist es zudem wichtig, dass das fachliche Wissen für die unterschiedlichen Zielgruppen im Unternehmen in geeigneter Form aufbereitet wird und die Qualifikation der Mitarbeiter mit arbeitsnahen Lernmöglichkeiten, in denen der Nutzen der Energiesparmaßnahmen unmittelbar sichtbar ist, gewährleistet wird. Organisatorisch wird die Energieeffizienz über definierte Vorgehensweisen und Planungsstrukturen in bestehende Arbeits- und Planungsabläufe eingebettet. Beschleunigt und gesteuert werden kann der Einführungs- und Umsetzungsprozess durch die Einsetzung von Energieeffizienz- Verantwortlichen und die Aufstellung entsprechender Bewertungskriterien als Anreiz für die Mitarbeiter, das Thema gleichberechtigt mit den bisherigen Arbeitszielen nachhaltig zu verfolgen. Ergänzend sollte auch die Möglichkeit genutzt werden, über die Kommunikation klarer Leitbilder das Thema Energieeffizienz in die Unternehmenskultur mit aufzunehmen. Dabei spielt es weniger eine Rolle, ob die Leitlinien im Dialog oder Top down erarbeitet werden. Auf jeden Fall sollte aber gleichzeitig ein Konzept zum Transfer der Ziele, Werte und Normen auf die konkrete Umsetzungsebene der Beschäftigten entwickelt werden.

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Dr. Wolf Engelbach
  • Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
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