Web Apps, Digitales Radio und Fernsehen, 3D in allen Formen und Farben - die diesjährige IFA wird bunt. Institute des Fraunhofer-Verbundes IuK-Technologie sind mit vielen Projekten auf der Messe vertreten, die die neuesten Entwicklungen der Consumer Electronic widerspiegeln und vielfältige Lösungen bieten.

Das 3D-Fernsehen wird wieder ein großes Thema und man darf vor allem auf die Entwicklungen im Bereich des brillenlosen 3D gespannt sein. Anfang des Jahres stellte Toshiba sein erstes Gerät vor, das ohne 3D-Brille auskommt und auch auf der IFA letztes Jahr waren schon Prototypen zu sehen - diese waren jedoch wenig überzeugend. Der Standortwechsel des Zuschauers und das Integrieren mehrerer Zuschauer sind problematisch und harrten auf der IFA 2010 noch einer Lösung. Außer 3D-TV erwartet die Besucher aber auch die Vorstellung von 3D-Camcordern und -Digitalkameras. 

3D bietet aber noch weitaus mehr Innovationspotential. Und so wird im Rahmen der TechWatch, der Forschungsplattform der IFA (unter der Federführung des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts HHI) das 3D-Innovationszentrum eröffnet. Es ist ein Zusammenschluss vieler Akteure aus dem 3D-Umfeld, die die Entwicklung und Verbreitung dieser Technologie gemeinsam vorantreiben wollen. Auf der diesjährigen Messe wird das Zentrum eine Gemeinschaftspräsentation zum Stand der 3D-Technik bieten. "Die Idee zum 3D-Innovationszentrum entstand im Projekt PRIME - Produktions- und Projektionstechniken für Immersive Medien (2008-2011)", erläutert Dr. Andreas Goerdeler vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, welches das PRIME-Projekt gefördert hat und auch das 3D-Innovationszentrum in der Konzeptionsphase unterstützte. "Auch wenn erfreulich viele 3D-Entwicklungen aus PRIME bereits im Einsatz sind, sind noch gemeinsame Anstrengungen notwendig, um die Entwicklungen noch praxistauglicher zu machen, um Standards für gutes 3D zu entwickeln."

Ebenfalls im Bereich 3D angesiedelt ist das Projekt Mobile AR des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD, das auf der IFA zu sehen sein wird. Die in diesem Projekt entstandenen Apps für Touristen bieten die Möglichkeit eine durch Augmented Reality unterstützte Stadtbesichtigung zu machen. Vergangene Zeiten werden so zu neuem Leben erweckt und (fast) greifbar.

Eine weitere Entwicklung des Fernsehens, die mittlerweile im Massenmarkt ankommt und die IFA in diesem Jahr mitbestimmen wird, ist die des Hybrid TVs. Der Fernseher kann Internet und möchte mit Apps, Browsern und vielem Mehr versorgt werden. HbbTV (Hybrid Broad Band TV) könnte dafür zukünftig die Basis bilden. Dieser Standard erlaubt die direkte Verknüpfung von TV-Sendungen und Web-Inhalten. Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS wird mit der HbbTV & OIPF Test Suite auf der IFA vertreten sein. Die Test Suite ist "ein umfassendes Werkzeug, das sowohl Hersteller neuer hybrider TV-Geräte und Set-Top-Boxen im Produktentwicklungsprozess als auch Anbieter von CE-HTML und HbbTV-Applikationen bei der Anwendungs- und Portalentwicklung unterstützt", beschreibt das Institut sein Projekt. Außerdem stellt das FOKUS noch den HbbTV Car Configurator vor, mit dem der Zuschauer sich sein Traumauto zusammenstellen kann.

Ein anderes Projekt des Fraunhofer FOKUS hat die Verschmelzung der Broadcast- und Internetwelt im Auge. Fernseh- und Internetinhalte können beim Hybrid TV nacheinander oder nebeneinander auf einem Bildschirm dargestellt werden. Eine interaktivere Darstellung von Zusatzinformationen in Videoinhalten bietet im Gegenzug das Non-linear Video. Hier kann der Zuschauer direkt während des Schauens auf Bildelemente im Video klicken und während des Anschauens weiterführende Hinweise und Erklärungen abrufen.

Nach dem Fernsehen wird auch das Radio zunehmend digitaler und startet mit DAB+ (DAB = Digital Audio Broadcasting) in Deutschland. Seit dem ersten August ist in Teilen Deutschlands DAB+ verfügbar und somit könnte sich der Bedarf an entsprechenden Geräten erhöhen, die derzeit noch verhältnismäßig hochpreisig daherkommen. Am Stand des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS können die Besucher das digitale Radiohören und die damit verbundenen neuen Dienste schon einmal testen. Zum Bespiel im neuen Standard MPEG Surround, der es für den Hörfunk möglich macht, ihre Sendungen in höchster Qualität anzubieten.Auf der Seite der digitalen Produktion stellt das Fraunhofer IIS das Sonnox Pro-Codec Plugin vor. Damit kann während der Audioproduktion gleich die Qualität für verschiedene Formate getestet werden, ohne mühselige Konvertierung.

All diese neuen Entwicklungen sorgen dafür, dass Verbraucher viele Endgeräte anhäufen. Da kann man schon mal mit Gerätschaften und Fernbedienungen durcheinanderkommen. Damit das, vor allem älteren Menschen, nicht passiert, arbeitet das Fraunhofer IGD im Rahmen des EU-Projekts GUIDE (Gentle user interfaces for elderly people) an Technologien, die die Bedienung erleichtern. Einige Ergebnisse dieses Projektes können die Besucher auf der IFA 2011 bewundern.

Auch weitere Fraunhofer-Institute des IuK-Verbundes sind mit Projekten auf der Messe vertreten, die das Leben der Konsumenten leichter und angenehmer machen. So stellt das Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST ein virtuelles Reha-Programm vor, dass die Genesung auch zu Hause unterstützen soll. Das Fraunhofer IGD präsentiert ChameleoAD - eine Kamera, die digitale Leitsysteme integriert. Sie erkennt Merkmale von Passanten, wie zum Beispiel das Geschlecht und kann so Informationen auf digitalen Anzeigetafeln entsprechend verändern. Und auch das Interactive Shopping Window ist wieder mit von der Partie.

Apps sind schon jetzt ein riesiger Markt und im Alltag allgegenwärtig. Künftig kommen noch verstärkt Web Apps dazu. Auch dieses Thema wird die IFA mitbestimmen. Im Rahmen des Media Web Runtime 2012 Projektes präsentiert das Fraunhofer FOKUS eine Entwicklungsumgebung, die es ermöglicht eine App gleich für mehrere Endgeräte zu entwickeln. Zu sehen sein werden konkrete Beispielanwendungen wie etwa Social TV. Außerdem arbeitet das Institut an der Möglichkeit des Vertriebs von Web Apps und wird ein App-DRM System vorstellen.

Des Weiteren erwartet die IFA Neues von der "Drahtlos und komfortabel"-Front. Die fortschreitende Vernetzung unserer Endgeräte erfordert Lösungen, die einen reibungslosen Transport von Inhalten von einem Gerät auf das andere ermöglichen. Mit dem Projekt Visible Light Communication stellt das Fraunhofer HHI eine neue Technologie vor, die eine Datenübertragung über LED-Lichtquellen möglich macht. "Drahtlos, abhörsicher und mit einer Datenrate von 500 Mbit/s", wie das Institut selbst schreibt. Entwickelt wurde diese Innovation in Zusammenarbeit mit Siemens.

Während sich einige Trends, wie etwas 3D-Technologien, aus dem letzten Jahr fortsetzen, kommen wieder viele neue Trends hinzu, die den Bereich der Consumer Electronics in der nächsten Zeit prägen werden. Wie jedes Jahr dürfen die Besucher gespannt sein auf Weiter- und Neuentwicklungen. (kda)

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