Am 6. Dezember fand im Internationalen Congress Center der Messe München der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) ausgerichtete Sechste Nationale IT-Gipfel statt. Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft tauschen sich alljährlich über zentrale Fragen und aktuelle Themen der IKT aus und ergreifen Maßnahmen, um den IT-Standort Deutschland zu stärken. Schwerpunkte des IT-Gipfels bildeten die Themen Vernetzung, Mobilität und smarte IT-Anwendungen.



Der IT-Gipfel begann mit Sitzungen von Arbeitsgruppen, unter anderem zum IT-Standort Deutschland, zur vernetzten Gesellschaft und zur digitalen Zukunft. Im Verlauf des Tages beschäftigten sich die Experten in insgesamt vier Foren mit den Themen »Vom Social Web zum Business Web: Wie gelingt Deutschland der Sprung in die Web-Wirtschaft?«, »Intelligente Netze und Technologien: Wie meistert Deutschland die zentralen Herausforderungen?«, »Cybersicherheit: Wie können Staat und Wirtschaft die Cybersicherheit erhöhen und dadurch Standortvorteile generieren?« und »Digitale Welt: Wie verbessern neue Technologien unser Leben?«.

Dr. Philipp Rösler, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, betonte in seiner Eröffnungsrede, dass man »die rasante Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft als Chance für Deutschland begreifen [sollte]. Denn die smarten Technologien sind der Schlüssel für Wachstum und Wohlstand. Sie sind die Basis für den Ausbau der Infrastrukturen zu so genannten intelligenten Netzen« (Pressemitteilung des BMWi). Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass die zunehmende Vernetzung eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur erfordere. Ende des Jahres werden rund 99 Prozent aller deutschen Haushalte Zugang zu Breitbandanschlüssen mit einer Leistung von mindestens 1 Mbit/s haben. Neben der Breitbandstrategie fördert die Bundesregierung mobile und smarte Technologien wie beispielsweise sichere Cloud-Services, den Vergabe-Navigator aus dem Projekt THESEUS oder mit dem Projekt RAN (RFID-based Automotive Network) die digitale Lieferkette in der Automobilindustrie. 

Beim IT-Gipfel wurden nicht nur mögliche zukünftige Projekte diskutiert, sondern auch bereits erfolgreich abgeschlossene Projekte vorgestellt wie das Projekt »Prozess-Daten-Beschleuniger« (kurz: P23R). Die Projektmitglieder informierten die anwesenden hochrangigen Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die Ergebnisse in puncto Datenaustausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung. Zu den hochrangigen Gästen zählten unter anderem Horst Seehofer (Ministerpräsident des Freistaates Bayern), Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Bundesministerin der Justiz), Dr. Hans-Peter Friedrich (Bundesminister des Innern), Peter Bauer (Vorstandsvorsitzender Infineon Technologies AG), Jim Hagemann Snabe (Vorstandssprecher SAP AG), Martina Koederitz (Vorsitzende der Geschäftsführung IBM Deutschland GmbH), René Obermann (Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom AG) und Prof. Dieter Kempf (BITKOM-Präsident). Unter der Federführung von Fraunhofer – beteiligt sind die Institute FOKUS, ISST, IAO, IESE und SIT –  erarbeiteten 13 Projektpartner aus Wissenschaft und Wirtschaft sowohl die grundlegenden Funktionsprinzipien als auch die Architekturen für die IT-Umsetzung.

Ein wichtiges Schlagwort des IT-Gipfels waren auch die Cyber-Physical Systems (CPS). Die Fraunhofer-Allianz Embedded Systems definiert den Begriff Cyber-Physical Systems wie folgt: »Eingebettete Systeme kommen als Steuergerät, als Verbund von Steuergeräten, als Verbund von Steuergeräten in einem
System (z.B. ein Flugzeug) und als System einschließlich seiner Einbindung in seine Betriebsumgebung vor. Letztere bezeichnet man auch als Cyber-Physical Systems.« Henning Kagermann, Ex-SAP-CEO und Präsident von acatech, übergab auf dem IT-Gipfel ein Positionspapier zum Thema CPS an die Bundesregierung und betonte: »Der strategische und wirtschaftliche Nutzen für Deutschland ist enorm, weil wir vor allem bei integrierten IT-Lösungen stark sind«. Dank CPS sei in der Fabrik der Zukunft die Integration von Produktion, Zulieferern und Kundenwünschen in Echtzeit möglich.

Auch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel referierte in ihrer Rede zum Abschluss des Gipfels über CPS: "Es geht also um intelligente Netze, die wir immer mehr brauchen. Wahrscheinlich wird in Zukunft jedes Werkstück und jedes Prozessteil sozusagen ein Minimum an Intelligenz aufweisen." Weiterhin lobte Merkel den deutschen Erfindergeist und skizzierte das moderne Deutschland, das sich vom Land der Ideen zum Land der neuen Anwendungen für intelligente Netze entwickeln müsse. Sie spannte den Bogen von LTE (Long-Term-Evolution)  einem neuen Mobilfunkstandard und zukünftigen UMTS-Nachfolger  über Cloud Computing bis hin zu P23R. 

Der nächste IT-Gipfel wird 2012 in Essen stattfinden. Es ist das erste Mal, dass die Konferenz zur Informationstechnologie in Nordrhein-Westfalen tagen wird. (nst)

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