Pokern ist ein echter Leistungssport. Die Meister kennen beim Spiel alle Wahrscheinlichkeiten, nach denen die Karten verteilt sind. Sie spielen präzise wie Computer und kennen die Menschen. Anfänger haben keine Chance, genauso wenig wie beim Schach. Es gibt aber einen großen Unterschied zwischen Schach und Poker: Beim Poker gibt es Glück. Mit vielen Assen kann auch ein Greenhorn zu Geld kommen. Das juckt das Greenhorn! Es würde nie auf die Idee kommen, gegen einen Großmeister oder einen IBM Deep Blue um Geld zu spielen, aber Poker? 

Das spielen jetzt viele im Internet, um den Kitzel zu haben. Viele Profis schauen dem Spiel eine Weile zu und erkennen die Spielstärke der Gegner. Dann gesellen sie sich dazu und zocken ab. Einer gestand: »Ich verdiente damit schon ganz gut Geld, weil ich lange geübt habe. Ich fühlte mich bald in einer höheren Liga. Da ging ich zu Spieltischen mit größeren Einsätzen, um mein großes Glück zu machen. Ich verlor alles. Als ich weinte, erklärte mir jemand, dass bei den Tischen mit den größeren Einsätzen jeweils die größeren Profis sitzen und die Spielstärken abschätzen, um Dumme zu finden. Sie erkannten mich. Ich bin zwar kein Greenhorn, aber für sie schon. Kleine Profis müssen von kleinen Fischen leben, die großen sind für die Großen.«

Genauso wie Poker scheint das Börsenspiel zu sein. Jeder kann gewinnen, wenn es Fortuna gefällt. Da wähnt sich Jedermann bald Profi und geht dorthin, wo es um höhere Wetten geht, um Optionen und strukturierte Produkte. Auf jeden Unterprofi wartet ein Oberprofi. Wer hat die besten Computerprogramme? Die besten Risikomanagement-Systeme? In welcher Liga könnte zum Beispiel eine brave deutsche Landesbank mitspielen und wie weit wagt sie sich tatsächlich? Wenn hinterher sogar Größstbanken weinen, merken sie, dass sie mitspielten, ohne ihre eigene Spielstärke eingeschätzt zu haben.

Eine Bank müsste sich fragen, ob sie über mathematische Methoden verfügt, die alle Risiken noch besser und feiner berechnen als die Methoden möglichst aller anderen. Dann kann es losgehen, aber sonst? Die echten Profi-Banken bauen im Geheimen immer komplexere Modelle und Algorithmen. Oft steht in deren Geschäftsbericht, dass einige ihrer normalen Mitarbeiter mehr als ein Vorstand verdienen! Warum wohl?

Wenn Sie also mitmachen wollen, sollten Sie zuerst einschätzen, wie gut Sie sind. Erster Test: Verstehen Sie die Zertifikate, die Sie kaufen? Ich habe öfter Angebote im Briefkasten – ich verstehe sie nicht! Und ich wollte damals bei IBM ein Forschungsgebiet „für so etwas“ aufbauen, bekam aber von allen Banken einen Korb. Futuristischer Unsinn, hieß es vor 15 Jahren. Es war damals noch zu früh. Heute haben die Banken vielleicht immer noch nicht die besten Algorithmen, aber sie spielen schon mit. Fahrlässig! Und abgezockte Kommunen schreien laut, sie hätten bei erst jetzt näherem Hinsehen gemerkt, dass sie nicht verstünden, woran sie Verlust gemacht hätten. Eine große deutsche Bank antwortete kalt: »Als Gewinne gescheffelt wurden, hat keiner nach Verstehen gefragt.«

Sic! Wer gewinnt, ohne zu verstehen, ist eine Goldgrube. Sind Sie das auch? Oder sind Sie es, der Glück hat?

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Prof. Dr. Gunter Dueck
  • Kolumnist, Schriftsteller, Unternehmer
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