Bei der 52. IFA lag der Fokus unter anderem erneut auf 3D-Technologie, denn sie prägt die Unterhaltungsindustrie derzeit wie keine andere. Deutschland hat in der 3D-Entwicklung eine führende Rolle eingenommen, und auch die Fraunhofer-Gesellschaft ist in diesem Bereich sehr aktiv. So heißt der neue Imagefilm der Fraunhofer-Gesellschaft »Dimensionen der Forschung«, bei dem 3D-Filmtechnologien zum Einsatz kommen. Der Film gewährt völlig neue Einblicke in die Fraunhofer-Forschungswelt: Es wird gezeigt, wie Wissenschaftler Elektroautos mit neuartigen Motoren ausstatten, Rotorblätter für Windkraftanlagen testen oder neue Erlebniswelten ins Wohnzimmer bringen. Die zahlreichen aktuellen Fraunhofer-Aktivitäten im 3D-Bereich sollen anhand von drei Technologien, Einrichtungen bzw. Netzwerken näher vorgestellt werden, die jüngst Grund zum Feiern hatten: Das unter der Federführung des Fraunhofer-Institut Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Instituts HHI entstandene 3D Innovation Center wurde am 28. August 2012 feierlich eröffnet. Die mobile Variante des TiME Lab des Fraunhofer HHI feierte am 3. September 2012 beim Internationalen Medienkongress Berlin im Rahmen der IFA Weltpremiere. Zudem fand die Konferenz und Ausstellung Go-3D, hinter der das vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD betreute Netzwerk Go-3D steht, am 30. August 2012 zum fünften Mal statt.

»Die Unterhaltungsindustrie mit Film, Internet und Spielen ist nur ein Anwendungsbereich von 3D-Technologien. Zunehmend gewinnen diese hoch innovativen Produkte auch in der Industrie große Bedeutung«, betonte der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Philipp Rösler, bei der feierlichen Eröffnung des 3D Innovation Center mit rund 120 Gästen aus Wirtschaft und Forschung am 28. August 2012 in Berlin. Daher sei die Weiterentwicklung leistungsfähiger 3D-Technologien ein zentrales Element der IKT-Strategie »Deutschland Digital 2015«, so der Minister weiter. Gemeinsam mit HHI-Institutsleiter Dr. Ing. Hans-Joachim Grallert und Dr. Ralf Schäfer, Leiter des 3D Innovation Center und der HHI-Abteilung Image Processing, gab Rösler den offiziellen Startschuss – ähnlich wie Vizekanzler Willy Brandt bei der 25. Großen Deutschen Funk-Ausstellung im Jahr 1967, als er einen großen roten Taster betätigte und damit die Ära des Farbfernsehens einläutete. Im Berliner Bezirk Tiergarten stehen ab sofort auf rund 700qm ein 3D-Live-Studio, ein 3D-Kino, ein Test-Labor sowie eine großzügige Präsentations- und Kommunikationsfläche zur Verfügung. Das 3D Innovation Center soll den derzeit rund 50 beteiligten Partnern aus Industrie und Forschung die gemeinsame Weiterentwicklung der 3D-Technologie ermöglichen und einen wichtigen Ausgangspunkt für die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft bilden. Neben dem 3D-Bereich Entertainment und Medien werden zukünftig auch die Branchen Produktion und Medizin eine große Bedeutung erhalten. Abgerundet wurde die Eröffnung durch die Vorstellung zweier Marktstudien – 3D-Technologien im industriellen Umfeld und 3D-Marktentwicklung im Medienumfeld, durch Live-Acts im 3D-Studio sowie der Ausstellung von Exponaten durch Industriepartner.
In dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie BMWi geförderten Projekt PRIME – Produktions- und Projektionstechnologien für immersive Medien (2008-2011) – wurde die Idee zum 3D Innovation Center geboren. Seit rund einem Jahr arbeiten die Partner bereits in Arbeitsgruppen zusammen und erörtern Themen wie 3D-Referenz-Material, 3D-Qualität, Kosteneffiziente Stereo-Produktion, medizinische und industrielle Anwendungen sowie Archivierung von 3D. Das Fraunhofer HHI forscht nicht nur lokal im 3D Innovation Center, sondern ist mit einer Technologie künftig auch mobil einsatzbereit – mit der bekannten TiME Lab-Technologie.

Das mobile TiME Lab des Fraunhofer HHI verwendet eine 180-Grad-High-End-Panoramaprojektion in 3D und 7-facher HD-Auflösung. Dies wird kombiniert mit dem vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologien entwickelten IOSONO Soundsystem, welches zusätzliche eine 3D-Akustik simuliert. Es stellt eine Weiterentwicklung des am Fraunhofer HHI in Berlin seit 2010 fest installierten TiME Lab dar. Die mobile Variante lässt den Zuschauer in moderne Bild- und Klangwelten eintauchen und gewährt einen Blick in die Zukunft der Content-Entwicklung. Im TiME Lab wurden zwei Filme uraufgeführt: Ein Film über das Projekt LICHTMOND/»Precious Life« der Koppehele-Brüder sowie ein Film über »MusicTanz Carmen« – das Schüler-Tanzprojekt mit der Unterstützung der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle und der Sascha-Waltz-Tanzcompagnie. Nach der Premiere des mobilen TiME Lab am 3. September 2012 gab es einen Tag später weitere Screenings bei der Fachkonferenz des 3D Innovation Center in Kooperation mit dem Medienboard Berlin-Brandenburg – dem 3D Innovation Day. Dieser fand in diesem Jahr erstmals im Rahmen des Internationalen Medienkongress Berlin (präsentiert von Medienwoche@IFA 12) statt, stellt relevante 3D-Trends sowie aktuelle Marktentwicklungen aus verschiedenen Branchen vor und zeigte deren Einflüsse auf die Produktions- und Gestaltungsoptionen der kreativen Medien.

Neben dem Fraunhofer HHI beschäftigen sich noch zahlreiche andere Institute mit der 3D-Technologie, unter anderem das Fraunhofer IGD. Seit fünf Jahren liefert die Go-3D, die Konferenz und Ausstellung zugleich ist, unter dem Motto »Computergraphik für die Praxis« Impulse für künftige 3D-Anwendungen. In diesem Jahr beinhaltete das Tagungsprogramm Beiträge zur Sensortechnik für 3D-Erfassung, präsentierte Lösungen für die maritime Sicherheit, Zukunftsvisionen zum »Augmented Shipbuilding« sowie Forschungsergebnisse aus dem NEMO-Netzwerk Go-3D zu mobiler Assistenz für Wartung und Instandhaltung. Hinter der Konferenz steht das vom Fraunhofer IGD betreute Netzwerk Go-3D, welches die Einsatzpotenziale von 3D-Technologien in Unternehmen erschließt und eine zentrale Anlaufstelle für die Umsetzung neuer Ideen erschließt.
»Die Augmented Reality-Technologie hebt die Arbeitsweise mit dem Computer auf eine neue Stufe«, verdeutlicht Professor Uwe Freiherr von Lukas, Netzwerkmanager von 3D maritim der Go-3D und Leiter der Abteilung »Maritime Graphics« des Fraunhofer IGD in Rostock. »Anwendungen für die maritime Industrie stehen zwar noch am Anfang, bieten jedoch ein großes Potenzial in den unterschiedlichsten Phasen des Produktentwicklungszyklus von der Vertriebsunterstützung bis zur Wartung« so der Experte weiter, da 3D-Computergraphik Schiffbauer bei Entwicklung und Produktion unterstützt. Zudem erhöhen virtuelle Technologien auch die maritime Sicherheit. Die begleitende Ausstellung der Go-3D 2012 bot einen breiten Einblick in die Vielfalt der dreidimensionalen Welt und ihrer Anwendungen. Der in diesem Jahr erstmalig ausgeschriebene und von BITKOM unterstützte Wettbewerb »Go! Go-3D« richtete sich an kleine und mittlere Unternehmen mit außergewöhnlichen Ideen im Bereich 3D-Technologien. Björn Willer mit seiner Firma alpha3 aus Rostock war der Gewinner und ließ mit einer Architekturvisualisierung ein detailliertes Stadtmodell der Hansestadt Rostock aufleben. Schirmherr der Veranstaltung ist der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie BmWi und Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Hans-Joachim Otto.

Es bleibt abzuwarten, welche 3D-Trends sich auf der IFA 2013 präsentieren werden, und ab wann die 3D-Technologie vollständig ohne 3D-Brille erlebbar sein wird. Die Fraunhofer-Gesellschaft wird ihren Beitrag dazu leisten und weiterhin dreidimensional forschen. (nst)

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Gudrun Quandel
  • Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik Heinrich-Hertz-Institut HHI
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