Im Norden Deutschlands wird seit 25 Jahren aktiv geforscht: Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Rostock sorgt seit 1992 für neuartige Lösungen im Bereich »Martime Graphics« und »Visual Assistance Technologies«. Hinter den technologischen Innovationen steckt ein großes Team an Mitarbeitern - vier von ihnen berichten über Ihre Erfahrungen:

Prof. Dr. Bodo Urban Bild: Fraunhofer IGD

Herr Professor Urban, Sie als Standortleiter sind einer der Mitarbeiter, die von Anfang an am Fraunhofer IGD am Standort Rostock dabei waren. Wie war es, eine der ersten Fraunhofer-Einrichtungen in den neuen Bundesländern zu eröffnen?

Damals bei Fraunhofer zu starten, war schon eine große Herausforderung – es war ja alles neu – aber auch eine riesige Chance: Es bot sich die Möglichkeit, angewandte Forschung, die wir an der Universität betrieben hatten und so nicht weiterführen konnten, in einer anderen Form aufzugreifen. Eine unserer Aufgaben in der Anfangszeit war es, Lösungen, die in Westdeutschland bereits etabliert waren, zu verstehen und in neuen Anwendungsfeldern einzusetzen: So nutzten wir zum Beispiel die Software PV-Wave zur Erstellung von Visualisierungen für das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie.

In Bezug auf die Belegschaft wurden bei uns am Standort im Wesentlichen Mitarbeiter der Universität Rostock übernommen, als ich 1992 dort meine Arbeit aufnahm. Die ersten Kollegen aus den alten Bundesländern stießen dann später zunächst als studentische Hilfswissenschaftler hinzu, wie Uwe Freiherr von Lukas, der heute Professor in Rostock ist und mit mir gemeinsam den Standort leitet. Teilweise wurde am Anfang der 1990er Jahre schon an noch heute aktuellen Themen geforscht: In Darmstadt gab es bereits Arbeiten zur virtuellen Realität – da wurden 3D-Visualisierungen erstellt, da gab es eine »Cave« und die »Headmounted Displays« und auch wir besaßen eine Silicon Graphics Workstation für High-End Visualisierung, die damals noch 200.000 DM kostete. Heute sind ähnlichen Themen präsent, allerdings mit deutlich breiteren Anwendungsfeldern und besserer Software und Technik wie der HTC Vive, der Microsoft Hololens, Smartphones oder auch Wearables zum Beispiel im Bereich der digitalen Gesundheit. Bei alldem haben wir aber immer eine sehr große Unterstützung vom Mutterinstitut in Darmstadt bekommen, wodurch wir besonders in der Anfangsphase Zugang zu interessanten Projekten hatten und an neue Technologien herangeführt wurden, sodass wir uns schnell mit unseren Forschungspartnern auf Augenhöhe bewegen konnten.

Welche Aufgaben haben Sie als Leiter der Einrichtung und welche Themen finden Sie besonders spannend?

Dazu gehört natürlich, die Ausarbeitung von Forschungsstrategien in Abstimmung mit Darmstadt, aber auch die Personalverantwortung für die Forscher, die Verwaltung bis hin zur Unternehmenskommunikation, und letztlich die Akquise und Projektkoordination. Eines der spannendsten Themen, welches mich momentan bei uns reizt, nennt sich »Arbeit 4.0 – der Mensch in der digitalen Produktion«, wobei wir uns dabei auf die Assistenz auf der Shopfloor-Ebene – also in der Fertigung – konzentrieren, beispielsweise durch den Einsatz von virtueller und erweiterter Realität. Im Prinzip geht es um die situative Informationsverarbeitung und -bereitstellung im Produktionsumfeld. Persönlich bin ich in die Forschung involviert, indem ich Abschlussarbeiten betreue, an der Projektanbahnung und an Reflexionsrunden teilnehme. Selbst aktiv an der Softwareentwicklung mitzuwirken, ist aber kaum möglich, da sich diese so rasant verändert, dass mir als Leiter der Einrichtung die nötige Zeit fehlen würde.

Annekathrin Wendt Bild: Fraunhofer IGD

Frau Wendt, Mitarbeiter in der Verwaltung sind oft die Bindeglieder, die die die einzelnen Bereiche des Instituts nach innen zusammenhalten. Was verbindet Sie mit dem Institut bzw. wie würden Sie Ihre eigene Rolle hier einschätzen?

Seit vielen Jahren bin ich am Fraunhofer IGD-R beschäftigt und mit der Zeit bin ich in an dieser Aufgabe gewachsen: Meine Arbeit hat als einfacher Bürojob angefangen, inzwischen hat sie sich zu einer Tätigkeit entwickelt, die viel Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Organisationstalent verlangt. Die Verbundenheit, die ich gegenüber dem Institut entwickelt habe, kommt natürlich meiner Arbeit zugute. Ich sehe mich als Schnittstelle zu den Kunden, Projektpartnern, Mitarbeitern und zur Institutsleitung. Informationen an die richtigen Stellen weiterzugeben und Dienstleistungen zum Gelingen von Projekten und Arbeitsaufgaben anzubieten – das ist mein Verständnis diese Aufgabe zu erfüllen.

Sie arbeiten bereits eine lange Zeit am Standort Rostock. Was hat sich in dieser Zeit in Bezug auf die Verwaltung am Fraunhofer IGD geändert? Welche Entwicklungen hat das Institut durchgemacht?

Schaue ich auf die Anfänge zurück, muss ich schmunzeln – 25 Jahre gibt es den Standort Rostock bereits und seit 20 Jahren arbeite ich hier. Was hat sich verändert? Sehr beeindruckend ist für mich die rasante Entwicklung der Computer- und Telekommunikationstechnik, was mich täglich betrifft: Inzwischen gibt es kein stundenlanges Sitzen an der Schreibmaschine mehr. Damit sind zum Beispiel Fehlerkorrekturen anders als früher kein Problem mehr. Noch vor 30 Jahren hätte ich mir kaum vorstellen können, mit einem Mobiltelefon durch das Gebäude zu laufen. Dokumente zu speichern oder zu versenden ist jeweils in ein paar Minuten erledigt. Was früher Tage gedauert hat, findet heute effektiver und strukturierter statt: Das nenne ich Fortschritt. Die Zeit, die durch das Anpassen und Verbessern vieler Abläufe eingespart wird, kann so in Forschung fließen und zu konstruktiven Lösungen führen.

Dr. Gerald Bieber Bild: Fraunhofer IGD

Herr Doktor Bieber, Sie waren bereits in der Industrie tätig, sind aber 1999 ans Fraunhofer IGD gekommen und somit zur Forschung zurückgekehrt. Warum haben Sie das Fraunhofer IGD in Rostock als Arbeitsplatz gewählt?

Das Fraunhofer IGD bietet mir die Möglichkeit, angewandte Forschung zu betreiben und in einem kreativen Team zu arbeiten. Gemeinsam mit Kollegen kann ich ausgehend von einer ersten Idee, über einen Prototyp bis hin zum Vorprodukt neue Technologien entwickeln und diese gemeinsam mit dem Auftraggeber vorantreiben. Daher ist das Arbeiten am Institut besonders spannend für mich – ich erlebe wie Gedanken oder Theorien konkretisiert und letztendlich in die Realität überführt werden und habe am Fraunhofer IGD-R immer das Gefühl, an der Zukunft zu arbeiten.

In Ihrer langjährigen Tätigkeit beschäftigten Sie sich vorwiegend mit Projekten zu mobilen und persönlichen Assistenzsystemen und waren maßgeblich für die Ausgründung des Fraunhofer-Spinoffs mHealth Pioneers GmbH verantwortlich. Was fasziniert Sie an der Thematik und wie haben Sie den gesellschaftlichen Hype um Wearables am Fraunhofer IGD erlebt?

Wearables haben als mobile Computer das Potenzial, den Menschen permanent und überall zu unterstützen. Noch vor den Smartphones waren elektronische Adressbücher, Messeführer oder digitale Kalender bereits faszinierende und hilfreiche Systeme. Heutige Wearables sind besonders im Gesundheitsbereich, in dem nun auch unser Spin-off tätig ist, von besonderer Bedeutung. Wir erleben gerade, wie der Anwender durch Computertechnik selbst zum Experten für Wellness und Gesundheit wird. Der Hype um die mobilen Systeme wird sich noch erheblich vergrößern, wenn die Baugröße minimiert und die Energieversorgung der Geräte ist. Dann können Wearables sogar im Körper getragen werden.

Oliver Boyens Bild: Fraunhofer IGD

Herr Boyens – als studentische Hilfskraft im Bereich »Visual Assistance Technologies« haben Sie die Gelegenheit an einem fachlichen Schwerpunktbereich des Fraunhofer IGD mitzuarbeiten. Welche Synergien ergeben sich aus dem Wissen Ihres Studiums und den Erfahrungen am Fraunhofer IGD-R?

Als Masterstudent im Bereich Maschinenbau mit den Vertiefungen Fertigungstechnik und Konstruktion habe ich oftmals eine andere Perspektive als meine Kollegen aus der Informatik. Dadurch ergeben sich während der interdisziplinären Zusammenarbeit mit den anderen studentischen Hilfskräften interessante Ideen und Lösungsansätze. In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit fahrerlosen Transportsystemen für die Montage beschäftigt. Dass ich nun am Fraunhofer IGD in Rostock zusammen mit Dr. Mario Aehnelt an weiteren Assistenzsystemen für Montageszenarios forschen kann, finde ich thematisch überaus passend und sehr anregend. Da ich mich aufgrund meines Studiums mehr mit Hardware als mit Software beschäftige, bleibt es stets eine spannende Herausforderung, mich selbständig in neueste Softwaretechnologien einzuarbeiten. 

Könnten Sie sich vorstellen, auch nach Ihrem Studium am Fraunhofer IGD zu arbeiten und wenn ja, warum?

Mein Studium werde ich voraussichtlich in einem Jahr beenden. Es reizt mich sehr, im Anschluss daran als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den aktuellen Projekten am Fraunhofer IGD-R weiterzuarbeiten und dann viel mehr Zeit für tiefergehende angewandte Forschung zur Verfügung zu haben.

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