Bereits seit 30 Jahren steht das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt an der Spitze des Visual Computing. Die Hauptbereiche der Abbildung der Realität in Form von innovativen Computergraphiken und der visuellen Erfassung der Umgebung durch Computer werden von einem kreativen Team von Mitarbeitern getragen. Vier von ihnen sprechen über ihre Aufgaben und Erlebnisse:

Prof. Dr. Dieter Fellner Bild: Fraunhofer IGD

Herr Professor Fellner – Sie leiten jetzt bereits seit elf Jahren das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD. Wie sieht Ihr Alltag aus, welche Herausforderungen gibt es und was bereitet Ihnen besondere Freude an der Arbeit?

Mein Alltag am Fraunhofer IGD hat sich in den letzten zehn Jahren durchaus verändert und war anfangs an die Phase der Institutsübernahme gebunden. Seitdem orientiert er sich eher an der Phase der ständigen Institutsneuausrichtung, die eine meiner wesentlichen Aufgaben umfasst: Es geht täglich darum, die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung für die Kunden, zum Beispiel in der Industrie nutzbar zu machen, markt- und forschungsgebundene Strategie­evaluationen zu betreiben und sie nach außen sichtbar zu machen. Das bedeutet auch viel Arbeit »hinter den Kulissen«: etwa Forschungsinitiativen mit erheblicher Vorlaufzeit an die verschiedenen Institutsstandorte zu holen oder europäische und bundesweite Koordinierungsarbeit als Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds IUK-Technologie zu leisten. Mein hervorragendes Team am Institut kümmert sich eher um die Projektkoordination und ‑leitung.

Als Institutsleiter befinde ich mich aber immer noch sehr oft an den einzelnen Institutsteilen und befasse mich manchmal auch persönlich mit einzelnen Forschungsdetails unseres zentralen Bereichs Visual Computing – auf Deutsch: Graphische Datenverarbeitung – um größere Initiativen mitzugestalten. Allerdings habe ich mich auch weiterentwickelt: Die frühere Phase, in der ich als junger Doktorand viel Zeit hatte, mich detaillierten Forschungsfragen zu widmen, ist einem neuen aber ebenso spannenden Lebensabschnitt mit anderen Verantwortlichkeiten gewichen. Eine gute Balance zu finden, stellt oft eine zeitliche Herausforderung dar, allerdings macht für mich der Spaß an der Arbeit immer noch den Großteil des Tages aus.

Wie stellen Sie sich die Zukunft des IGD vor, das heißt, was ist in den nächsten Jahren zu erwarten?

Durch die zunehmende Digitalisierung unseres Lebens wächst der Bedarf an der Verarbeitung einer steigenden Menge von Bilddaten aber auch die Notwendigkeit, die vielen Datenströme und -cluster möglichst kompakt visuell für Menschen darzustellen. Große Industriebereiche in Deutschland, zum Beispiel in der Automobilproduktion stellen momentan ihre Visual-Computing-Technologie auf eine neue Basis, was mehrere unserer Abteilungen auf absehbare Zeit sehr gut auslasten wird. Hier zeigen sich immer wieder Innovationsspitzen, die bisher aber eher inselartig in den Bereichen Design und Konstruktion vorkamen. Inzwischen geht es allerdings um den durchgängigen Produktionsprozess und um die Darstellung der dabei entstehenden Daten, was neue Lösungen voraussetzt. Unsere derzeitige Kooperation mit BMW ist hierfür signifikant, da wir als Partner ausgewählt wurden, um über Visual Computing Verbesserungen durchzuführen. Diese beginnen beim CAD und reichen bis zur Qualitätskontrolle, um beispielsweise sicherzustellen, dass alle verwendeten Bauteile richtig verarbeitet wurden. Auch im Bereich der additiven Fertigung stellt Visual Computing eine Grundlage dar, beispielsweise beim Modellierungsprozess für 3D-Farbdrucker – eine Entwicklung die so vor zehn Jahren kaum eine Rolle gespielt hat, die uns in den nächsten Jahren aber verstärkt interessieren wird. Ähnlich sieht es im Bereich der Cybersicherheit aus, wo Anomalien – und somit Cyberattacken – mit Hilfe von Visual Analytics besser erkannt werden können.

Detlef Wehner Bild: Fraunhofer IGD

Herr Wehner – Sie haben bereits einen abwechslungsreichen Karriereweg hinter sich. Sie waren erst bei einer Agentur, wurden dann in das Fraunhofer IGD übernommen und haben sozusagen die Anfänge der Abteilung Unternehmenskommunikation selbst miterlebt. Wie war es, die institutionelle Arbeit aufzunehmen und das neue Berufsfeld zu beschreiten?

Neu waren dabei nicht die Aufgaben, sondern die Zusammenhänge: In der Agentur hatte ich das Fraunhofer IGD bereits betreut und kannte mich daher sehr gut mit inhaltlichen Aspekten und dem personellen Umfeld des Instituts aus. Auch im Feld der Unternehmenskommunikation konnte ich Erfahrungen sammeln und mich mit Pressearbeit, Medienproduktion oder Veranstaltungsmanagement auseinandersetzen.Durch die Arbeit am Institut fand aber ein Perspektivwechsel statt – zudem bot sich die Chance, etwas Neues aufbauen zu können und die Zusammensetzung und Position des Kommunikationsteams am Fraunhofer IGD mitbestimmen zu können. Dabei war der Entwicklungsprozess, der auch Meinungsverschiedenheiten beinhaltete, genauso wichtig wie die gemeinsamen Lösungen am Ende des Prozesses. Dass wir dabei aufgrund des institutionellen Rahmens manchmal auch pragmatisch handeln müssen, hat einen eher positiven Effekt auf unsere Arbeit.

Inwiefern tauchen Sie als Mitglied der Unternehmenskommunikation in die verschiedenen Arbeitsbereiche wie AR, VR, Smart Living und Biometrie oder Visual Computing ein?

Die vielen technologischen Entwicklungen am Institut machen mich natürlich neugierig, allerdings fokussiert sich meine Arbeit darauf, die Inhalte aufzuarbeiten und nach außen zu präsentieren. Durch solche Präsentationen absorbiere ich so einiges an Wissen, allerdings stoße ich auch schnell an meine Grenzen wenn es um technologische Detailfragen geht, die wiederum die Fachkollegen beantworten können. Ich finde es sehr spannend, mich mit Technologien zu beschäftigen, die noch nicht auf dem Markt erhältlich sind. Als ich hier 2009 eingestellt wurde, konnte ich beispielsweise mit AR noch nicht viel anfangen. Aber auch jetzt gerate ich immer noch ins Staunen, wenn ich – zum Beispiel vor Messeauftritten – an internen Technologiepräsentationen teilnehme. Es freut mich auch jedes Mal, wenn ich meinem technikbegeisterten inzwischen 17-jährigen Sohn beispielsweise von unserer Simulationssoftware auf der diesjährigen Hannover Messe erzählen oder ihm eine AR-Brille aufsetzen kann, um ihm zu zeigen, welche rasanten Entwicklungen es in dem Bereich gibt.

Anna Barth Bild: Fraunhofer IGD

Frau Barth – Sie haben vor kurzem ihre Ausbildung in der Betriebswirtschaft am Fraunhofer IGD absolviert und sind drei Jahre lang dabei gewesen. Warum haben Sie sich gerade für das Fraunhofer IGD entschieden, wie war Ihr erster Eindruck vom Institut?

Bereits im Jahr 2008, als ich als Schülerin am Girls‘Day am Fraunhofer IGD teilnahm, war ich fasziniert von der gezeigten Forschungsarbeit und der gebündelten fachlichen Expertise. Nachdem ich dann vor ungefähr vier Jahren bei der Suche nach einem Nebenberuf eine Hiwi-Stelle in der Verwaltung des Instituts annahm, merkte ich schnell, wie sehr mir Verwaltungstätigkeiten liegen. Kurz darauf entschied ich mich, diese Tätigkeiten durch eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement am Institut noch weiter zu vertiefen. Das stellte eine besondere Herausforderung dar, denn ich habe zur ersten Genreration eines neuen Berufes gehört, bei dem ich mich nicht auf die Erfahrung meiner Vorgänger verlassen konnte. Trotz der Größe des Instituts haben mir insbesondere die familiäre Atmosphäre und die große Hilfsbereitschaft meiner Kollegen sehr positive erste Eindrücke beschert.

Welche Institutsbereiche fanden Sie für Ihre Arbeit besonders spannend und welche Zukunftschancen wurden Ihnen durch Ihre Ausbildung ermöglicht?

Während der letzten drei Jahre habe ich einen tiefen Einblick in die Arbeit der verschiedenen Abteilungen, wie Buchhaltung, Einkauf, Sekretariatsbereich bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit bekommen. In der sehr persönlichen Atmosphäre konnte ich immer eigene Vorschläge anbringen und sie häufig auch umsetzen. Gerade die betriebswirtschaftlichen Bereiche und die Veranstaltungsplanung, wo ich erste Messe-Erfahrungen zum Beispiel auf der Cebit in Hannover sammeln konnte, haben mir besonders viel Freude bereitet. Nach dem erfolgreichen Abschluss meiner Ausbildung konnte ich dieser Leidenschaft dieses Jahr bei der Vertretung der Buchhaltung nachgehen, um dann diesen August eine Stelle im Büro der Institutsleitung des Fraunhofer IGD in Darmstadt anzunehmen. Bisher bereitet mir die Arbeit viel Freude und gerade der tägliche Kontakt zu vielen interessanten Personen sorgt dafür, dass ich abends noch motivierter nach Hause gehe, als ich morgens zur Arbeit komme.

Dr. Joachim Rix Bild: Fraunhofer IGD

Herr Doktor Rix – Sie sind stellvertretender Leiter der Abteilung Geoinformationsmanagement am Institut. Wodurch zeichnet sich Ihre Arbeit aus und gab es in Ihrer langjährigen Tätigkeit Projekte, die Sie besonders fasziniert haben?

Meine Arbeit betrifft vor allem das Projektmanagement, wo ich meine langjährige Erfahrung gut einbringen kann. Neben der Unterstützung der Abteilung Geoinformationsmanagement, habe ich auch schon in einer anderen Abteilung vorübergehend ausgeholfen. Momentan arbeite ich daran, die Institutsaktivitäten unter einer neuen Strategie zu koordinieren und zusammenzuführen, um eine gemeinsame Plattform zu schaffen und abteilungsübergreifende Lösungen anbieten zu können.

Aktuell leite ich das europäische Projekt »smarticipate« mit zehn Partnern aus Europa, unter anderen mit den Städten Hamburg, Rom und London. Neben der Gesamtkoordination, die in meiner Verantwortung liegt, entwickeln wir für das Projekt neue Wege der Bürgerbeteiligung. Spannend finde ich dabei, wie mit IT-Lösungen zur interaktiven Visualisierung und Analyse von 3D-Stadtmodellen allen Beteiligten mögliche Planungslösungen verdeutlicht werden. Eine Besonderheit sind auch die Sitzungen, in denen Bürger mit Planern, Behördenvertretern und auch Entwicklern zusammen an den Lösungen arbeiten. Eine solche Art der Bürgerbeteiligung in diesem und zwei weiteren Projekten, beispielsweise bei der Planung von Windparks und Stromtrassen oder bei der Ortsinnenentwicklung mit stärkerer Nutzung von Leerständen, erachte ich als sehr wichtig, zum Beispiel für den kreativen Ideenfindungsprozess.

Zwischenzeitlich waren Sie auch außerhalb des Instituts beschäftigt. Was hat Sie dazu bewogen an das Fraunhofer IGD zurückzukehren?

Ich war zwar außerhalb des Fraunhofer IGD beschäftigt, habe mich dort aber um die Verwertung unter anderem der IGD-Technologien gekümmert, war also immer dem Institut verbunden. Nach der Begleitung einer Vielzahl von Ausgründungen übernahm ich am Institut vorübergehend eine Abteilungsleitervertretung, woraus dann nach zwei Jahren wieder ein unbefristetes Arbeitsverhältnis wurde. Ich habe das Institut vor über 30 Jahren mit aufgebaut und meine verschiedensten Aufgaben immer als spannend und bereichernd empfunden. Das hat sich bis heute nicht geändert, unabhängig davon, ob es sich um wissenschaftliche Fragen, innovative Lösungen, Managementaufgaben oder internationale Projektbetreuung handelt.

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Daniela Welling
  • Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD
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