Das Fraunhofer-Institut für Eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik ESK wird ausgebaut und so zum Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS. Geplant ist dieser Schritt, weil sich die Anforderungen und Erwartungen beim Einsatz künstlicher Intelligenz deutlich erweitert haben. Künftig sollen am Institut Bereiche wie Software-Architekturen, modellbasierte Software-Entwicklung für dynamische, lernende Systeme sowie KI für autonome Systeme deutlich stärker erforscht werden. Im Interview erklärt Institutsleiter Prof. Mario Trapp die Hintergründe.

Hallo Herr Prof. Trapp, wir sind telefonisch miteinander verbunden. Deshalb wüsste ich gerne, ob Sie wirklich am Ende der Leitung sind. Oder anders gefragt: Wie sicher kann ich sein, dass ich mit Ihnen rede und nicht mit einer KI?

Noch würden Sie es relativ schnell merken, wenn ich eine KI wäre, denn die Dialogfähigkeiten künstlicher Intelligenz sind längst nicht weit genug entwickelt.

Woran hakt es denn noch?

Eine spannende Frage. Künstliche Dialogsysteme funktionieren in der Regel gut. Aber »gut« alleine reicht eben nicht. Denn Sie beziehungsweise die Nutzer allgemein können sich nicht darauf verlassen, dass ein sachlicher Dialog mit einer Maschine nicht doch ab der zweiten oder dritten Frage unsachgemäß oder gar unsinnig wird. Bei Alexa, Siri und Co sind derartige Unzuverlässigkeiten kein großes Problem. Denn dann stellen Sie die Frage einfach neu oder nutzen andere Informationsquellen. Wenn es aber um Unterstützung lebenswichtiger Dienste durch KI geht, ist das bislang kein Mittel der Wahl. In diesen Bereichen ist künstliche Intelligenz schlicht noch nicht vertrauenswürdig genug. Spätestens bei beispielsweise der Fußgängererkennung eines autonom fahrenden Autos reicht es eben nicht, wenn es in neun von zehn Fällen klappt.

Die Funktionen künstlicher Intelligenz zuverlässiger zu machen, ist eines der neueren Themen des Fraunhofer-Institut für Eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik ESK.

Die Weiterentwicklung der KI ist ein zentrales Forschungsthema und ein sehr konkretes Argument dafür, warum wir das »alte« Fraunhofer ESK zum Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS ausbauen werden. Aber der eigentliche Grund für den Aufbau des »neuen« Instituts ist ein anderer: Wir denken und forschen an Systemen. Bei unseren Arbeiten geht es also nicht um die einzelne KI an sich, sondern – deshalb der Name – um umfassende, kognitive Systeme. Hier bewegen wir uns weit weg von beispielsweise der klassischen Regelungstechnik und damit auch der klassischen Vorstellung »denkender« Maschinen mit einfachem In- und Output.

Ähnlich wie beim Lernen, bei dem man sich ständig weiter verbessert?

Nur auf diese Weise wird KI den hohen Qualitätsansprüchen genügen können, wie wir das für Produktionsanlagen, autonom fahrende Fahrzeuge oder beispielsweise auch in der Landwirtschaft benötigen. Es geht uns um die Frage: Wie kann ich technische Systeme bauen, die mir unter Nutzung von KI neue Möglichkeiten eröffnen ohne Qualitäts- oder Zuverlässigkeitseinbußen hinnehmen zu müssen?

Was bedeutet in diesem Zusammenhang der Neustart des Fraunhofer-Instituts für Kognitive Systeme IKS?

Dafür müssen wir uns kurz die Historie des Fraunhofer ESK ansehen, denn der Schwerpunkt lag sehr lange auf der klassischen Kommunikationstechnik. Deren Bedeutung am Markt ist jedoch stetig gesunken. Vor allem aber hat sich der Stellenwert systemischer Ansätze in den vergangenen Jahren deutlich geändert: Immer stärker hat sich herauskristallisiert, dass wir den Ansatz auf die Frage fokussieren müssen, wie komplexe, intelligente, technische Systeme angelegt sein sollten und wie deren Zuverlässigkeit gewährleistet werden kann. Diese Änderung der Ausrichtung des Fraunhofer ESK ist sehr grundlegend, daher ist die Weiterentwicklung zum Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS die logische Konsequenz.

Zumal das »neue« Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS auch Dank der Neuausrichtung ein zentraler Baustein des bayerischen Kompetenznetzwerks für Künstliche maschinelle Intelligenz werden soll …

Das Netzwerk wird eine Vielzahl von Playern der Wissenschaft aus diesem Bereich vernetzen und vor allem dafür sorgen, dass sich die im Moment noch existierende Kluft zwischen Forschung und industrieller Umsetzung für den Markt deutlich verringert. Nur wenn wir die Kräfte aus Wissenschaft und Wirtschaft bündeln, wird es uns gelingen, so schnell und effizient zu arbeiten, dass wir die Entwicklungen der kommenden Jahre federführend voranbringen.

Welche Rolle wird das kommende Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme dabei einnehmen?

Wir haben den Anspruch, im Rahmen dieses Kompetenznetzwerks ein Leuchtturminstitut aufzubauen, das über eine umfassende und breite Expertise bei der Weiterentwicklung und Integration Künstlicher Intelligenz verfügt. Gemeinsam mit der TU München werden wir also eine zentrale Rolle übernehmen, wobei die TU eher den Bereich der wissenschaftlichen Themen abdeckt und wir als zentraler Player für missionsorientierte Forschung und den Transfer in die Praxis fungieren.

Wird es neben den Inhalten auch nach außen sichtbare Veränderungen geben?

Ich hoffe, dass wir im Jahr 2024 in ein neues Gebäude in Garching einziehen können. In unmittelbarer Nähe zur TU München und dem Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC, das dort gerade eröffnet wurde. Dann werden wir auch bessere Möglichkeiten haben, unsere Zahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf etwa 200 fast zu verfünffachen.

(aku)

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Prof. Dr. Mario Trapp
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