Zum Jahreswechsel 2009 auf 2010 haben Forscher am Fraunhofer IOSB in Karlsruhe die Nachrichten mit ganz besonders großem Interesse verfolgt: Die amerikanischen Geheimdienste hatten offenbar frühzeitig Hinweise auf die Gefährlichkeit eines Terroristen gehabt, der ein Flugzeug nach Detroit in die Luft sprengen wollte, allerdings gingen diese Informationen wohl unter. Ein aktuelles Beispiel, das die These stützt, dass komplexe Aufgaben in der zivilen Sicherheit, der Verteidigung, aber auch der Automatisierung insbesondere großer räumlich verteilter Systeme ebene einen professionellen Umgang mit großen Daten- und Informationsfluten erfordern.

Aus Fraunhofer-Sicht bedeutet das vor allem „Systemlösungen“, die verschiedene Disziplinen einbeziehen und unterschiedliches Know-how, unterschiedliche Technologien und heterogene Komponentenzu einem kohärenten Ganzen zusammenfügen. Sollen solche Systemlösungen eine gewisse „maschinelle Intelligenz“ aufweisen, dann muss man die „semantische Lücke“ schließen, die zwischen physikalischen Signalen und der symbolischen Repräsentation liegt – ein Kernproblem der künstlichen Intelligenz. Hierin liegt so etwas wie die Richtschnur für die Forschung am neuen Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) – entstanden Anfang 2010 aus der Fusion der Fraunhofer-Institute für Optronik und Mustererkennung (FOM) und Informations- und Datenverarbeitung (IITB) – das mit Abstand größte Institut im IuK-Verbund und europaweit das größte auf dem Gebiet der Bildgewinnung und -auswertung. Das Kompetenzspektrum reicht von der Objekt- und Sensorphysik über die Bildgewinnung und -auswertung bis zum Informations- und Wissensmanagement und zur Anthropomatik. Verbunden wird damit die Welt der Signale (etwa die Bilderfassung) mit der Welt der Symbole (etwa in Leitständen). Moderiert wird dieses Spektrum von der Systemtechnik, die komplexe Systeme analysieren und modellieren, entwerfen und optimieren, bauen und in Betrieb nehmen sowie langfristig betreiben kann.

Beispiele für solche Systeme aus dem Hause IOSB sind das mittlerweile bei der Bundeswehr mehrfach eingesetzte Bildauswertesystem „ABUL“ für das unbemannte Aufklärungsflugzeug LUNA, das System RecceMan, das eine effiziente interaktive Objekterkennung in der Luftbildauswertung erlaubt und als geschätztes Werkzeug ebenfalls bei der Bundeswehr eingeführt ist, oder auch das Leitsystem Povis.Agent, das seit 2006 bei der Daimler AG insbesondere in den Werken Bremen und Wörth sehr erfolgreich in der Automobilproduktion eingesetzt wird. Neue zivil ausgerichtete Themenbereiche werden aufgebaut (u.a. getragen durch eine Anschubfinanzierung des Bundesministeriums der Verteidigung): 3D-Erfassung von Gebäuden und Fabrikanlagen, Fahrzeugbedienung bei indirekter Sicht, Ferndiagnose auf der Basis sichtgestützter Vibrationsmessung,
Warnsensorik für die zivile Luftfahrt sowie Biometrie aus der Distanz. Am IOSB-AST in Ilmenau ist außerdem ein Unterwasserrobotikzentrum entstanden.

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