Eine Software oder ein Gerät, über das man noch nachdenkt, wenn man schon nichts mehr damit zu tun hat, ist schlecht. Eine Software oder ein Gerät, über dessen Bedienung man während der Nutzung nachdenkt, ist nicht optimal. Eine Software oder ein Gerät, an das man während der Nutzung (auch der ersten) keinen Gedanken verschwendet, ist gut. Eine Software oder ein Gerät, das den Benutzer in seiner Einfachheit und Effektivität überrascht, ist sehr gut, wenn sich bald wieder Zustand 3 einstellt.

Diese einfachen Regeln können helfen, die Benutzungserfahrung ganzheitlich zu beurteilen. Denn die ganzheitliche Sicht wird immer wichtiger. Unsere mobilen Geräte z.B. erhalten immer mehr und komplexere Funktionen. Aktuell zeichnen sich zwei Trends ab, wie die Geräte trotzdem noch bedienbar bleiben. Der eine lässt die Geräte immer größer werden. Der andere setzt die Miniaturisierung fort und muss dabei auf immer intelligentere Interfaces setzen, um vorherzusehen, was der Benutzer gerade möchte. Dafür müssen sie den Benutzer und seine Erwartungen besser kennenlernen.

Wäre es nicht toll, wenn alle unsere komplizierten Geräte wenigsten ein bisschen Mitdenken würden? Denn eigentlich wollen wir doch nur, dass die Dinge »einfach nur« das tun, was wir von Ihnen erwarten. Den ganzen anderen Kram sollen sie bitteschön selbst machen. Self installation, self configuration, self activation, self repair, self organisation und self adaptation wünschen wir uns doch schon lange. Gerade bei mobilen Geräten und noch mehr bei Wearables sind die Ein- und Ausgabemöglichkeiten stark eingeschränkt. Obwohl neue Sensoren inzwischen u.a. auch 3D-Gestenerkennung und Blicksteuerung ermöglichen, kommt es gerade hier darauf an, dass das Gerät oder die Anwendung erkennt, was in der aktuellen Situation sinnvoll sein könnte. Damit lässt sich die Anzahl ungewollter Aktionen und somit die Möglichkeit von Fehlbedienungen reduzieren.

Viele Geräte, Apps und Anwendungen versuchen, deshalb Informationen über uns und unser Umfeld zu sammeln, um ihre Dienste möglichst situationsangepasst anzubieten. Das kann sehr bequem sein und viel Spaß machen, wenn man z.B. bei einer Navigationssoftware nur den Zielort angeben muss, weil der Startort, die aktuelle Position, schon bekannt ist, oder der eBook-Store und der Music-Streaming-Dienst unsere persönlichen Vorlieben bereits kennen. Dieses »Nutzungserlebnis«, wie es von Softwareanbietern gern genannt wird, funktioniert freilich nur, wenn wir im Gegenzug Informationen von uns preisgeben. Es ist also eine Art Tauschhandel, bei dem wir mit Informationen über uns bezahlen und dafür Komfort und Bequemlichkeit erhalten.

Wir müssen bei diesem Geschäft stets entscheiden, ob der Gegenwert, den wir erhalten, in gesunder Relation zu dem steht, was wir an sehr persönlichen Informationen über uns zur Verfügung stellen. Außerdem sollten wir kurz darüber nachdenken, wo die vielen Informationen über uns gespeichert werden, und ob sie evtl. zusammengeführt werden könnten.

Dann wird es sehr bequem für uns - aber auch für andere, sich ein Bild von uns zu machen.

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Thomas Bendig
  • Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie
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