Manchmal gibt es einen irren Hype um etwas Neues, wie zum Beispiel um Facebook, als es an die Börse ging. Man kann aber auch eine neue Generation von Industrie ganz einfach nüchtern verstandesmäßig ausrufen lassen: Industrie 4.0. Die Regierung gibt 200 Millionen Forschungsgelder für Leuchtturmprojekte in Industrie 4.0 aus und schon gibt es so etwas wirklich – irgendwann jedenfalls.

Hype erzeugt das nicht, aber massenhaft Doktorarbeiten darüber, was Industrie 4.0 ist. Da der Begriff bis zum fertigen Doktor noch sehr vage ist, könnte man fast jeden Fortschritt in den Produktionsmethoden mit Hilfe von IT als einen entscheidenden Beitrag zu Industrie 4.0 ansehen – also wird fast alles förderbar. Los! Run auf oder ran an die Millionen! Jetzt werden alle Maschinen der Welt miteinander reden! Unsere Autos verständigen sich untereinander, unsere Medizinchips im Körper mit dem Krankenhauscomputer, die „Precision-Farming“-Wassermelder an den Pflanzen mit der Serverfarm.
Bald sehen wir auf der nächsten CeBit an jedem Stand zwei bis drei Maschinen, die miteinander kommunizieren können!

Ich will das nicht alles niederziehen, aber doch wieder einmal anmahnen, dass es besser wäre, wir hätten erst einmal ein flächendeckendes Internet, sonst meldet mein Herzchip den nahen Tod, aber ich bin gerade auf einer Alm. Das muss ich immer zuerst sagen, so wie Cato, dass Karthago zerstört werden muss, was aber leider mehr als 200 Millionen kostet.

Ich finde: Wir müssen doch gar nicht so viel an den einzelnen Maschinen herumerfinden, sondern erst einmal ein Gesamtsystem der Kommunikation irgendwie bauen (zuerst egal wie), in dem sich die Maschinen miteinander verbinden können. Wir brauchen „Social Machines“! Wir brauchen ein Facebook für Maschinen und Roboter, ein Robotbook. Da können sich alle Maschinen, die keine Angst vor Datenmissbrauch haben, am besten unter ihrem „Real Name“ registrieren und sich Freundeskreise oder Circles von anderen Robotern zulegen, denen sie gerne „verbunden sein wollen“ (man sagt bei toten Maschinen wohl nicht befreundet, solange es noch keine Artifical Empathy für Maschinen gibt – das wäre so etwas wie das Roboter-Hallo-Grüßen der SupermarktkassiererInnen). Na, ich überlege: Wenn man Menschen Artificial Empathy beibringen kann…

Seit ein paar Wochen gibt es Waschmaschinen, Kühlschränke und Trockner von Samsung, die als Bediendisplay einfach einen normalen Android-Touchscreen wie ein Handy haben. Die können jetzt sofort über den Homerouter miteinander reden! Sie können ihre Fehlercodes direkt beim Kundendient melden, der muss nicht mehr mit Spezial-Laptops zu uns anreisen. Die Maschinen melden ihren Stromverbrauch direkt ans RWE, zu E.ON oder gleich in die Cloud, wir benötigen keine seltsamen Sonderzähler mehr!

Ich fühle es: Samsung schreibt keine Dissertationen, sondern beginnt heimlich mit dem Internet der Dinge. Bald werden die Deutschen wieder rummaulen, dass sie erneut vor Tatsachen gestellt werden und dass sie dann doch in der Industrie mit „Google Android Robotbook 4.1 (jelly brains)“ arbeiten müssen wie die Haartrockner und die Türklingeln auch.

Ich will sagen: Wir sollten nicht immer nur mit dem Forschen anfangen, mit dem Nachdenken, wie es wirklich ganz grundsätzlich für das nächste Jahrhundert geregelt werden sollte. Es reicht, wenn die physische Grundstruktur da ist, dann verbinden sich auch bald alle Maschinen. Die Roboter warten auf Robotbook, nicht auf Forschung.

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Prof. Dr. Gunter Dueck
  • Kolumnist, Schriftsteller, Unternehmer
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