Sensoren in der Kleidung sollen die Arbeit von Einsatzkräften sicherer machen. Per Funk wird ihr Standort an die Einsatzleitung übertragen, die diesen auf einem Monitor nachvollziehen und bei Gefahr oder versperrten Rettungswegen sofort reagieren kann. Ebenfalls übermittelt werden Vitalparameter wie Herz- und Atemfrequenz.

Sie setzen ihr Leben aufs Spiel, um das anderer zu retten: Wenn Feuerwehrmänner ein brennendes Gebäude betreten, gehen sie ein erhebliches Risiko ein. Versagt in einem solchen Moment der Funkkontakt zu Kollegen und Einsatzleitung, kann das lebensbedrohlich sein. »In den letzten Jahren kam es zu mehreren großen Unfällen bei Feuerwehreinsätzen, weil Einsatzkräfte keinen Funkspruch absetzen konnten. Dabei kann das Wissen um ihren Standort über Leben und Tod entscheiden«, berichtet Matthias Schäfer von der Abteilung Funkortung und -kommunikation am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS. Fällt die Verbindung zur Zentrale aus, können die Feuerwehrleute weder Verstärkung anfordern, noch wissen Einsatzleiter und Einsatzkräfte außerhalb des Gebäudes, wo sie sich befinden und ob der Weg nach draußen möglicherweise versperrt ist. Denn derzeit ist der Standort der Rettungskräfte nur bekannt, wenn diese ihren Standort mündlich durchgeben. Das wird sich mit Sensprocloth ändern: Im Rahmen des dreijährigen Forschungsprojekts haben die Projektpartner verschiedene Technologien entwickelt, die die Sicherheit bei Einsätzen erhöhen können.

Die Ortungstechnologie, die am Fraunhofer IIS entwickelt wurde, ermöglicht es, mit Hilfe von Antennenarrays den Standort der Einsatzkräfte per Winkel- und Entfernungsmessung zu bestimmen. Die Antennen werden an den Feuerwehrfahrzeugen befestigt. »Von Vorteil ist, dass die Antennen nicht erst aufgestellt werden müssen, sondern automatisch in das normale Tagesgeschäft integriert sind«, erläutert Schäfer, technischer Projektleiter von Sensprocloth. Alles andere wäre wenig praktikabel und würde zusätzlich Zeit kosten, die bei einem Einsatz das Wertvollste ist. Da die Brandbekämpfung üblicherweise von mehreren Seiten eines Gebäudes stattfindet, werden die Antennen beim Einsatz »nebenbei« verteilt. »Zwei Fahrzeuge mit Antennen reichen bereits aus, um eine Funkortung zu ermöglichen«, so Schäfer. Das ist aber nicht die einzige Lokalisierungsmethode, die zum Einsatz kommt: Zusätzlich lassen sich mit Hilfe eines Sensor-Tags, der in die Innentasche der Brandschutzjacke integriert wird und nur etwa halb so groß wie ein Smartphone ist, Bewegungen und Ausrichtung der Einsatzkraft über sogenannte Inertialsensorik bestimmen. Unterstützt wird die Ortung außerdem durch eine Entfernungsmessung unter den Einsatzkräften, bei der anhand einer sogenannten Laufzeitmessung die Entfernung zueinander bestimmt wird.

Vor allem in großen Gebäuden, beispielsweise in Industriegebieten, bietet die Lokalisierung große Vorteile. »Ein Einfamilienhaus ist schnell durchsucht, aber bei einem Industriegebäude sieht das anders aus«, sagt Schäfer. Insbesondere bei großen, mehrstöckigen Gebäuden ist es für den Einsatzleiter wichtig zu wissen, auf welcher Ebene sich die Feuerwehrleute befinden und welche Rettungswege ihnen zur Verfügung stehen. Am Bildschirm kann er die Position jedes Feuerwehrmannes verfolgen. Eine Software generiert unter anderem aus Google Maps einen groben Gebäudeplan, zusätzliche Informationen wie die Anzahl der Stockwerke können manuell eingegeben werden. Liegt eine Feuerwehrlaufkarte für das Gebäude vor, kann diese in das Programm integriert werden. Im Rahmen des Projekts wurden außerdem Sensoren entwickelt, die die Vitalparameter ihres Trägers erfassen und beispielsweise Körperkerntemperatur, Atemfrequenz und Herzrate messen. Diese Daten können dann ebenfalls mit Hilfe der Funksensoren übertragen werden. (mdi)

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Dipl.-Ing. FH Matthias Schäfer
  • Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS
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