Dieses Jahr feiert das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT bereits ihre 11. Talent-School. Das viertägige Projekt bietet Schülerinnen und Schülern durch die Teilnahme an verschiedenen Workshops, die Möglichkeit einen Einblick in das Forschungsuniversum Fraunhofers zu erhalten. Die Talent-School und ihre Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern ist von zunehmender Bedeutung und Tragweite. Welche positiven Erfahrungen gemacht wurden und welche möglichen Schwierigkeiten das Projekt der Talent-School in diesen 11 Jahren zu verzeichnen hat, erfahren wir aus der Perspektive der Organisation von Frau Axthelm, des Initiators Herr Vogel und des Gründungsdirektors des Fraunofer IDMT Herrn Prof. Dr. Brandenburg.

Gründungsdirektor Prof. Dr. Brandenburg Bild: Fraunhofer IDMT

Prof. Dr. Brandenburg, Sie waren seit 2004 Leiter des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT. Wie sind Sie zum Institut gekommen und wie hat sich das Projekt der Talent-School entwickelt?

Das Fraunhofer IDMT entstand aus einer Initiative des Freistaats Thüringen zum Aufbau eines neuen Fraunhofer-Instituts in Ilmenau. Ich habe mich auf die mit einer Professur an der TU Ilmenau verbundenen Stelle beworben und bin dann aus der Stellung des Abteilungsleiters am Fraunhofer IIS in Erlangen heraus der Gründungsdirektor des Fraunhofer IDMT geworden. Vorerst war das IDMT zunächst als Außenstelle des Fraunhofer IIS tätig. Erst seit 2004 ist es ein eigenständiges Institut, das jedoch weiterhin sehr eng mit dem Fraunhofer IIS verbunden ist.

Das Konzept der Talent-School durfte ich schon vor vielen Jahren in der Fraunhofer Zentrale in München kennenlernen. Dort wurde ich im Rahmen eines Kamingesprächs am Abend eingeladen und war bereits nach kürzester Zeit von diesem Projekt begeistert. Die jungen Leute und ihr Interesse an der Forschung haben mir Mut gemacht dort anzuknüpfen und diese Begeisterung zu unterstützen und zu fördern.

Welche Bedeutung hat diese Art von Förderung und im Speziellen die Talent-School für Sie persönlich?

Es ist mir seit vielen Jahren ein großes Anliegen die Begeisterung, die in der Forschung möglich ist, an junge Leute weiterzutragen. Daher begleite ich schon sehr lange diverse Projekte zur Nachwuchsförderung der MINT-Fächer. An der TU in Ilmenau haben wir beispielsweise ein Programm, welches sich »Rent-a-Prof« nennt. Hierbei fahren wir zu Schulen in der Umgebung und halten dort eine Beispielsvorlesung vor den Schülerinnen und Schülern. Auch in der Bundesjury von Jugend forscht bin ich mehrere Jahre tätig gewesen. Zusätzlich bin ich bei der Kinder-Uni in Ilmenau beteiligt, die großen Anklang findet und regelmäßig das Audimax mit sehr jungen Schülerinnen und Schülern füllt. Um die jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen zu unterstützen, habe ich auch gerne bei den jährlichen Girls‘ Days mitgewirkt.

Persönlich ist mir sehr wichtig – vor allem nach all der Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit aufgrund meiner Mitwirkung bei der Entwicklung von Mp3 - den jungen Leuten zu zeigen, dass sie nicht Popsänger oder Fußballstar werden müssen, um mal in die Verlegenheit zu kommen, Autogramme zu geben – das geht auch mit technischen Errungenschaften.

Prof. Dr. Brandenburg, gab es für Sie ein besonders nennenswertes Ereignis im Hinblick auf die Talent-School im Laufe der Jahre?

Ganz bedeutend war für mich die erste Talent-School, die ich bereits erwähnt habe. Diese war so ein richtiges Aha-Erlebnis. Ich war unglaublich begeistert und beeindruckt von den jungen Leuten und von ihrem tiefgründigen Interesse an den damals behandelten wissenschaftlichen Themen. Zu sehen wie ausgiebig bestimmte Themen von den jungen Teilnehmenden diskutiert werden können, hat sehr viel Mut gemacht. In den folgenden Jahren hat sich diese Begeisterung in Bezug auf das Projekt bestätigt und verstärkt. Die unglaubliche Überraschung blieb jedoch meiner ersten Talent-School vorbehalten.

Was wünschen Sie sich zukünftig für das Projekt der Talent-School?

Ich wünsche mir auch wenn das nicht ganz einfach ist, dass die Schulen die Förderung der Talent-School mehr unterstützen. Bisher habe ich mitbekommen, dass es Schulen gibt, die ihre besten Schülerinnen und Schüler aussuchen und diese sich dann für die Talent-School anmelden dürfen. Meiner Meinung nach, sollte die Teilnahme an der Talent-School jedoch für alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen möglich sein. Ebenso habe ich jedoch auch erlebt, dass die Info des Projekts gar nicht wie gewünscht an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben wurde und demnach nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda bei ihnen ankam.

Ein großer Wunsch meinerseits ist auch, dass das Gesamt-Projekt der Talent-School weiterhin von der Fraunhofer-Gesellschaft unterstützt wird. Die Talent-School ist ein sehr wichtiger Baustein in der Förderung des Nachwuchses in den MINT-Fächern.

Michael Vogel Bild: Fraunhofer Zentrale

Herr Vogel, als Abteilungsleiter des Personalmarketings der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft können Sie als Initiator und Finanzgeber der Talent-School bezeichnet werden. Im Zuge des 11. Jahrestag der Talent-School würden wir gerne wissen: Wie kam es zu dem Projekt der Talent-School?

Die Talent-School basiert auf einer längeren Förderung der MINT-Begabungen. Ein Beispiel hierfür ist der 2005 von Bund und Länder verabschiedete »Pakt für Forschung und Innovation«, dem die Fraunhofer-Gesellschaft neben der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Leibniz-Gemeinschaft sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft beigetreten ist. Seit diesem Zeitpunkt gab es daher die Diskussion, das Projekt der Talent-School im Sinne der MINT-Förderung, zu unterstützen. Zu Beginn war es unklar ob Fraunhofer diese Art von Projekt aufgrund des hohen Aufwands und der Kosten, die damit verbunden sind, unterstützen kann. Ich war jedoch direkt von der Idee beseelt, frühzeitig an junge Menschen heranzutreten, nicht nur um sie für Fraunhofer zu gewinnen, sondern um grundsätzlich das MINT-Potenzial zu fördern.

Welche Herausforderungen gab es bei der Planung und Einführung der Talent-School und wie wurde mit diesen umgegangen?

Das Konzept der Talent-School sieht ein viertägiges Begleiten der Schülerinnen und Schüler an den Instituten und deren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vor, um an praxisbezogenen Experimenten teilzunehmen, Erfahrungen zu sammeln und Begeisterung zu erlangen. Die verschiedenen Workshops, die im Rahmen der Talent-School angeboten werden, bedürfen einer langen und ausgiebigen Planung. Den Arbeitsaufwand, den die Vorbereitung und Umsetzung der Talent-School mit sich bringt, gilt es neben dem Forschungsalltag an unseren Instituten unterzubringen.

Eine weitere Herausforderung lag in der kritischen Betrachtung des Projekts bei den verschiedenen Instituten. Es gab viele Stimmen, die der Meinung waren, dass die Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler automatisch zu uns kommen und ein Projekt wie das der Talent-School für die Nachwuchsakquise demnach gar nicht benötigt wird. Ich habe daraufhin jedoch die Notwendigkeit einer frühzeitigen Positionierung Fraunhofers auf dem Markt als attraktiver Arbeitgeber betont, um entsprechende MINT-affine Leute für uns zu begeistern. Erfreulicherweise fand dieser Aufruf Anklang und so wurden trotz des hohen Aufwands verschiedene Möglichkeiten zur Förderung aufgebaut und die Talent-School bildet hierbei eine besonders Nennenswerte.

Gab es für Sie ein spezielles Highlight in den 11 Jahren der Talent-School?

Die ganze Talent-School ist ein Highlight. Besonders schön ist die Begeisterung, die die Teilnehmenden haben, wie sie dort auftreten, sich für ihre Projekte krumm machen und bis spät in die Nacht arbeiten. Das ist ein tolles Signal und die schönste Bestätigung, dass wir das Richtige tun. Um etwas Spezielles zu nennen: Großartig ist für mich die eigenständige Herstellung der Filmproduktion der Teilnehmenden und damit verbunden das Kreativpotenzial, das bei ihnen geweckt und hierbei ausgedrückt wird.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Talent-School und wie wichtig ist Ihnen die stetige Förderung des Projektes?

Mein Wunsch wäre, dass die Talent-School zukünftig von allen Instituten durchgeführt wird. Derzeit sind es ca. 10-15 Institute, die eigenständig oder in Kooperation mit Universitäten das Projekt der Talent-School anbieten. Es ist enorm wichtig sich frühzeitig für die MINT-Begeisterung bei den Jugendlichen stark zu machen, da wir genau diese Leute brauchen. Insbesondere die Förderung der Frauen ist mir wichtig und daher ist es besonders toll, dass an der Talent-School sowohl Jungen als auch Mädchen teilnehmen. Gerade in den Schulen ist leider noch zu wenig angewandte Forschung präsent und die Schülerinnen und Schüler wissen demnach gar nicht was Forschung eigentlich alles beinhaltet. Umso wichtiger ist es hier anzusetzen und durch Projekte wie die Talent-School ein Bewusstsein für MINT-Fächer zu schaffen.

Ines Axthelm Bild: Fraunhofer IDMT

Frau Axthelm, Sie sind seit einigen Jahren für die Organisation der Talent-School an Ihrem Institut verantwortlich. Welche Aufgaben zeichnet die Arbeit in der Organisation dieses Projekts aus?

Zusammen mit meinem Team, das sich jedes Jahr aus Kolleginnen und Kollegen unserer PR- Abteilung zusammensetzt, bearbeite ich die anfallenden organisatorischen Aufgaben. Wir überlegen uns zu Beginn einer jeden Planungsphase wer alles gebraucht wird, um das Event auf die Beine zu stellen und wer mit welchen Aufgaben betraut wird. Meine Funktion beispielsweise ist es alles zu koordinieren, die Aufgaben zu verteilen und anschließend mit den entsprechenden Kollegen abzustimmen. Zu Beginn der Planung wird ein Grobkonzept erarbeitet. Hierbei wird überlegt welche Workshops in Frage kommen könnten, um die Kinder und Jugendlichen auch in jedem Jahr wieder begeistern zu können. Im Anschluss geht es dann an die Feinplanung. Es wird überlegt, wer die Leitung der jeweiligen Workshops übernehmen könnte, was für die einzelnen Projekte benötigt wird und welches Equipment eventuell noch beschafft werden muss. Eine große Unterstützung hierbei ist unsere IT-Abteilung.

Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen und was bereitet Ihnen besonders viel Freude an diesem Projekt?

Seit 2009, also einem Jahr nach der ersten Talent-School am IDMT, unterstütze ich das Projekt. Zu Beginn half ich bei der Flyer- sowie Poster- und Programmgestaltung. Seit zwei Jahren habe ich die Hauptorganisation unserer Talent-School übernommen. Seither habe ich sozusagen den »Organisations-Hut« auf. Besonders große Freude bereitet mir dabei zu sehen wie aus unseren anfänglichen Ideen tolle Workshops und Programmpunkte entstehen, mit denen wir die Jugendlichen jedes Jahr aufs Neue wieder begeistern können. Am letzten Tag unserer Talent-School, dem Sonntag, kommen auch öfter einzelne Teilnehmende und deren Eltern auf uns zu und bedanken sich bei uns für das gelungene Event. Sie sind begeistert und erfreut, dass es solche Veranstaltungen bei Fraunhofer gibt, die engagierte Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zum Traumberuf unterstützen.

Würden Sie kurz die Programmpunkte der Talent-School nennen und uns berichten ob es geplante Änderungen hinsichtlich der diesjährigen Talent-School gibt?

Wir haben in diesem Jahr eine Änderung hinsichtlich der Leitung unserer Talent-School zu verzeichnen. Gründungsdirektor Prof. Dr. –Ing. Karlheinz Brandenburg verabschiedet sich in den Ruhestand und beendet damit auch seine Leitung der Talent-School. Die Struktur der Talent-School wird jedoch aufgrund des sehr positiven Feedbacks beibehalten. Die drei verschiedenen Workshops aus dem letzten Jahr werden wir auch dieses Jahr wieder anbieten. Im ersten Workshop geht es um das Programmieren von Robotern mit einer anschließenden Parcours-Bewältigung. Der zweite Workshop beschäftigt sich mit dem großen Thema der Spieleentwicklung. Die Kinder und Jugendlichen sollen hierbei den Umgang mit verschiedenen Codes und Programmiersprachen erlernen. Der dritte Workshop dreht sich um das große Thema der 3D-Audio-Produktion, bei der die Jugendlichen ein eigenes 3D-Audio Hörspiel gestalten.

 

Was war Ihr persönliches Highlight in all den Jahren der Talent-School?

Es ist schwer unter den vielen positiven Momenten ein bestimmtes Highlight herauszustellen. Wir im gesamten Team sind alle sehr stolz, dass es bereits die 11. Runde unserer Talent-School ist, bei der wir Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf ihrem Weg begleiten können. Wir erhalten jedes Jahr viel mehr Bewerbungen, als wir Plätze anbieten können. Das zeigt, wie gut das Projekt von den Schülerinnen und Schülern da draußen wahrgenommen wird. Zusätzlich haben wir aber auch sog. Wiederholungstäter, also Kinder, die schon mehrfach teilgenommen haben. Auch das offenbart die breite Begeisterung und Akzeptanz. Auch unsere Workshopleitenden, die ihr Know-how oftmals schon seit vielen Jahren während der Talent-Schools an die Jugendlichen weitergeben sind begeistert. Sie erzählen uns oft, dass die Jugendlichen zu Pausen gezwungen werden müssen, da sie so engagiert sind und gar nicht aufhören wollen zu arbeiten. Dieses Feedback ist eine großartige Bestätigung.

Für mich persönlich bieten die Abschlusspräsentationen, die am letzten Tag stattfinden immer wieder besondere Augenblicke. Die einzelnen Inhalte und Ergebnisse der Workshops werden hierbei vor den Eltern sowie den Workshopleitenden und Betreuenden vorgestellt. Während dieser Präsentationen, kommt es auch immer mal wieder zu lustigen Momenten. Die vorgestellten Arbeitsergebnisse zeigen aber vor allem, wie intensiv sich die Teilnehmenden mit den Projekten auseinandergesetzt haben und zu welchen faszinierenden Lösungen sie gekommen sind. Natürlich ist es für uns auch rührend zu sehen, wie stolz die Eltern auf ihre Kinder sind. Die schönste Bekräftigung ist der verstärkte Wunsch der Teilnehmenden die Talent-School auf eine Woche zu verlängern. Leider kommen wir damit jedoch an unsere Grenzen, weshalb das bisherige vier-Tages-Konzept der Talent-School beibehalten wird, in der Hoffnung die Kinder und Jugendlichen mindestens noch elf weitere Jahre begeistern zu können.

(vho)

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Interviewpartner
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Prof. Dr.-Ing. Karlheinz Brandenburg
  • war vormals Institutsleiter am Fraunhofer IDMT, arbeitet jetzt jedoch nicht mehr bei Fraunhofer.
Ines Axthelm
Michael Vogel
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