Im Veranstaltungsbereich läuft seit Beginn der Corona-Pandemie einiges anders. Messen und Workshops werden abgesagt oder finden nur noch online statt. Dass eine virtuelle Veranstaltung aber ein voller Erfolg sein kann, zeigte der diesjährige Girls’Day. Der Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie beteiligte sich an diesem Event und ermöglichte Mädchen am 22.04.2021 einen Einblick in Berufe rund um die Themen Cybersicherheit, Data Science u.v.m. Ein besonderes Highlight war der Livestream, in dem Astronautin Dr. Suzanna Randall den Teilnehmerinnen Fragen zu ihrem Berufsalltag beantwortete.

Seit 2001 findet der Girls’Day eigentlich einmal pro Jahr statt, um Schülerinnen ab der fünften Klasse Einblicke in Arbeitsfelder zu geben, in denen Frauen aktuell noch deutlich unterrepräsentiert sind. Hierzu zählen vor allem Berufe aus den Bereichen Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Ziel des Girls’Days ist es, Mädchen für diese sogenannten MINT-Fächer und Branchen zu begeistern und ihnen eine Vielzahl an Zukunftsperspektiven aufzuzeigen.

Einen Tag vor dem eigentlichen Event eröffnet nun schon seit über zehn Jahren Bundeskanzlerin Angela Merkel den Aktionstag und erkundet gemeinsam mit den Mädchen einen Technik-Parcours.

Virtuelle Auftaktveranstaltung

Weil der Girls’Day und auch der Auftakt im Kanzleramt im letzten Jahr Corona-bedingt ausfallen mussten und auch in diesem Jahr keine Schulklassen und Aussteller zusammenkommen konnten, dachten sich die Initiative D21 und das Kanzleramt für 2021 eine virtuelle Umsetzung aus.

Im Vorfeld führten die virtuellen »Aussteller« des Technik-Parcours kleine Workshops mit Schülerinnen verschiedener Schulen durch und bereiteten sie dabei mit spannenden Aufgaben und Entwicklungsaufträgen auf eine Präsentation mit der Bundeskanzlerin vor. Am Auftakt-Tag stellten die Mädchen dann ihre Ergebnisse der Kanzlerin live per Videokonferenz vor.

Der Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie wurde hier dieses Jahr durch das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS vertreten. Das Institut tat sich mit der Analog-Astronautin Carmen Köhler zusammen und programmierte gemeinsam mit den Schülerinnen Weltraum-Experimente auf Basis des »Calliope mini«. Mit der visuellen Programmiersprache NEPO, die das Fraunhofer IAIS für die Plattform Open Roberta entwickelt hat, gelang es den Teilnehmerinnen auch ohne Erfahrung im Coden, kleinere Anwendungen zu programmieren, die auch auf einer Raumstation nützlich sein können.

Der Girls’Day – die Vorbereitungen

Am eigentlichen Girls’Day galt es dann, den Mädchen trotz Pandemie einen intensiven Einblick in die Forschung der Fraunhofer-Gesellschaft zu geben. Um ein möglichst barrierefreies Angebot zu schaffen und eine leicht bedienbare Plattform zu finden, die zudem eine unbegrenzte Anzahl an Teilnehmerinnen zulässt, waren jedoch intensive Vorarbeiten notwendig.

Bereits Monate vor dem Event arbeitete ein Team des Fraunhofer-Verbunds IUK-Technologie an der Konzeption des Tages. Da eine ganz besondere Zielgruppe adressiert werden sollte, gestaltete sich nicht nur die Ideenfindung anders als üblich. Fragen wie: »Wie können komplexe Themenbereiche spannend und einfach vermittelt werden?«, »Wie lösen wir das Klischee auf, dass Forschende immer einen weißen Kittel tragen und allein arbeiten?« und auch »Welche technischen Gegebenheiten herrschen bei den Teilnehmerinnen zu Hause und inwiefern können sie Online-Tools nutzen?« mussten geklärt werden.

Zudem sollte der Besuch der virtuellen Girls’Day-Plattform ein besonderes Erlebnis sein. Die Mädchen sollten sich nicht nur selbstständig durch die zahlreichen Angebote navigieren, sondern auch die Möglichkeit haben, sich untereinander über Gesehenes auszutauschen. Gleichzeitig musste aber sichergestellt werden, dass Ansprechpartner*innen zu jeder Zeit virtuell erreichbar waren, die den Schülerinnen bei Fragen beratend und informierend zur Seite stehen konnten. All dies musste in die gewählte Plattform integriert werden.

Kleinere Hürden und Besonderheiten

»Die Organisation von Online-Veranstaltung wird leicht unterschätzt«, erklärt Miriam Boos aus dem Organisations-Team des Fraunhofer-Verbunds IUK-Technologie. »Dabei ist eine virtuelle Veranstaltung mit einem hohen personellen und auch zeitlichen Aufkommen verbunden. Schließlich müssen Live-Events und vorbereitete Aktionen nicht nur sauber in die Plattform eingebunden, sondern auch vorab geprobt werden.« Außerdem erforderte gerade dieses Online-Event nicht nur angepasste Datenschutzbestimmungen, sondern zusätzlich ein hohes Sicherheitsniveau für die Teilnehmerinnen. »Wir mussten kontrollieren, wer sich beim Event anmeldet«, sagt Boos. »Die Mädchen sollten sich schließlich sicher und gut aufgehoben fühlen.«

Die Tatsache, dass gerade im Vorbereitungszeitraum viel über Abschätzungen laufen musste, hat die Konzeption nicht einfacher gemacht.

Trotz der vielen kleinen Besonderheiten und der für die meisten Fraunhofer-Institute etwas unüblichen Zielgruppe unterschied sich dieses virtuelle Event jedoch nicht maßgeblich von anderen Online-Veranstaltungen der Fraunhofer-Gesellschaft. »Pandemiebedingt lernen wir ja eigentlich erst seit knapp einem Jahr, wie man gute virtuelle Veranstaltungen organisiert. Allen gemein ist aber, dass man dem Publikum ein Programm bieten muss, das so interessant ist, dass die Teilnehmer*innen auch dabeibleiben und etwas für sich mitnehmen. Kommunikationsziele, die es zu erfüllen gilt und Botschaften, die vermittelt werden wollen, hat man dabei als Veranstalter immer«, erklärt Pressesprecher und Veranstaltungsinitiator Henning Köhler.

Ein Jahr voller Home-Schooling und Online-Events schlägt sich allerdings auf die Aufmerksamkeitsspanne der jüngeren Generation nieder und es tritt eine gewisse Übersättigung ein. Vorträge allein reichen da kaum, um die Schülerinnen zu begeistern.

Die Astronautin

Aus diesem Grund hatte sich der Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie auch etwas Spezielles für den Girls’Day überlegt: Pünktlich um 10 Uhr gab es einen Live-Stream, zu dem – nach einer kurzen Einführung – auch die Astronautin Dr. Suzanna Randall zugeschalten wurde. In einem Interview mit Henning Köhler und Miriam Boos berichtete sie über ihren Werdegang, ihre Vorbilder, Interessen und vermittelte ein sehr gutes Bild von dem Beruf einer Astronautin. Während des Streams war es den Teilnehmerinnen möglich, im Chat Fragen an Suzanna zu richten, die dann mit in das Interview einflossen und von der Astronautin beantwortet wurden. Dabei zeigte sich eindrücklich ein tiefgreifendes Interesse der Mädchen an dem Beruf, denn die Chance mit einer Astronautin zu kommunizieren, wurde intensiv genutzt.

Doch auch nach dem Live-Stream warteten viele weitere spannende Programmpunkte auf die Mädchen.

Mehr dazu erfahren Sie im zweiten Teil des Artikels. Dieser erscheint am 08.07.2021.

(cst)

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