Der Weltwassertag wird seit der Weltkonferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 begangen. 1993 fand der erste Weltwassertag auf Grundlage einer UN-Resolution statt. Jedes Jahr wird ein anderer Aspekt in den Vordergrund gestellt. Dieses Jahr: »water and food security«.

In nicht allzu ferner Zukunft wird Wasser die begehrteste Ressource auf diesem Planeten werden. Die Weltbevölkerung soll laut Angaben der UNESCO in den nächsten 40 Jahren um 2 bis 3 Milliarden steigen. Daraus resultiert ein Anstieg des Nahrungsmittelbedarfs um ganze 70 Prozent bis 2050. Wasser und die Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln sind also untrennbar miteinander verbunden. Einen effizienteren Umgang mit Wasser kann man zum Beispiel mit Projekten zum Integrativen Wasserressourcenmanagement fördern, wie denen des Fraunhofer AST.

»Wasser-, Energie- und Ernährungssicherheit sind zentrale Zukunftsherausforderungen. Sie sind nur zu bewältigen, wenn die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen den drei Bereichen besser verstanden und berücksichtigt werden«, hieß es in einer der Kernbotschaften der deutschen Delegation auf dem 6. Weltwasserforum in Marseille, dass letzte Woche stattfand. Nicht umsonst stand es dieses Jahr unter dem Motto: »Time for solutions«. »Wir müssen die heutige Zugangskrise überwinden und die drohende Wasserknappheit abwenden«, sagte dazu die Parlamentarische Staatssekretärin Gudrun Kopp (BMZ), Leiterin der Delegation.

Ein Beispiel dafür, wie Wasser, Energie und Lebensmittel zusammenhängen, ist der Anbau von Rohstoffen für Biotreibstoffe. Denn der Energiebedarf der Welt steigt ebenfalls und die Notwendigkeit alternativer Energiequellen ist unumstritten. Laut Weltwasserbericht der UNESCO wird die Wasserknappheit sowohl durch die Besetzung von Anbauflächen für den Anbau der Rohstoffe, als auch durch den zusätzlich erhöhten Verbrauch an Wasser zur Aufzucht verstärkt. Mit Wasserknappheit müssen bereits 40 Prozent der Weltbevölkerung leben. In den kommenden Jahrzehnten wird diese Zahl noch steigen. Eine nachhaltige Wasserversorgung wird nach einer nachhaltigen Energieversorgung die nächste große Aufgabe dieses Jahrhunderts.

Lösungen, wie sie der Wassergipfel in Marseille gefordert hat, bietet unter anderem die Forschung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert zum Beispiel die Arbeit verschiedener deutscher Forschungsinstitutionen in der Mongolei. Dort wird ein Projekt zum integrativen Wasserressourcenmanagement (IWRM) durchgeführt. IWRM ist »eine Philosophie, die behauptet, dass Wasser aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachtet werden muss, sowohl in seinem natürlichen Zustand als auch beim Balancieren von konkurrierenden Anforderungen landwirtschaftlicher, industrieller, häuslicher und ökologischer Art.« Das Konzept des IWRM wurde mit den Dublin Prinzipien (1992) und der Agenda 21 (1992) auf internationaler Ebene als Leitbild für den nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser verankert. Eine 2011 in 125 Ländern von der UN durchgeführte Umfrage ergab, dass größtenteils schon nachhaltiges Wassermanagement betrieben wird. 64 Prozent der Länder haben Pläne IWRM entwickelt.

Aufgrund schwieriger klimatischer Verhältnisse und unzureichend ausgeglichener Wassernutzung und -aufbereitung ist die Mongolei exemplarisch für Probleme der Wasserversorgung. Das dort durchgeführte Projekt »MoMo« zum Wasserressourcenmanagement ist ein Modellprojekt für ganz Zentralasien. Darin werden Simulationsprogramme zum Wassermanagement eingesetzt, die am Fraunhofer-Anwendungszentrum Systemtechnik AST entwickelt wurden. Mit ihrer Hilfe werden Schwachstellen und Engpässe in den Versorgungs- und Entsorgungsnetzen ermittelt und somit eine bessere Planung der Wassernutzung ermöglicht. Im Versorgungssystem der Stadt Dakhan in der Mongolei etwa wird ein computergestütztes Entscheidungshilfesystem, HydroDyn, eingesetzt. Es hilft bei der Leckortung, denn derzeit gehen etwa 50 Prozent des ins Verteilungsnetz eingespeisten Wassers verloren. Das Fraunhofer AST ist außerdem an Projekten in China und Saudi-Arabien beteiligt. Diese Projekte zeigen, wie Informations- und Kommunikationstechnologien bei der nachhaltigen Nutzung des kostbaren Rohstoffs Wasser helfen können.

Den Weltwassertag nimmt das Bundesministerium für Bildung und Forschung zum Anlass, auf das Wissenschaftsjahr 2012 zu verweisen, dass ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit steht. »Es steht unter dem Motto >Zukunftsprojekt Erde<. Dabei wollen wir die Bürger anregen, über ihr Leben neu nachzudenken«, erklärt Bildungsministerin Annette Schavan. »Die Sorge um die Nachhaltigkeit bestimmt unser ganzes politisches Handeln im Jahr 2012. Wir alle müssen noch stärker als bisher aktiv werden, die ganze Gesellschaft muss umdenken.« Ein sparsamer Umgang mit Wasser ist für unsere Zukunft unabdingbar. Dieser fängt schon zu Hause an. Zukünftig werden dabei auch Informations- und Kommunikationstechnologien helfen. Wie zum Beispiel intelligente Wasserzähler, die den Verbrauchern ihre Wassernutzung direkt verdeutlichen. Denn auch wenn in Europa das Problem der Wasserversorgung nicht so akut und offensichtlich ist, wie in Ländern mit härteren klimatischen Bedingungen, so ist auch diese Region betroffen. Auch in Europa haben 120 Millionen Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. »Im Frühjahr wird die Bundesregierung die nationale Nachhaltigkeitsstrategie vorlegen. In deren Zentrum steht die Frage: Wie können wir unseren hohen Lebensstandard bewahren und trotzdem im Einklang mit unseren Ressourcen leben«, so Schavan. Doch: »Wer nachhaltig denkt, muss global denken. Klimawandel und Ressourcenknappheit können wir nur gemeinsam begegnen.« (kda)

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