Junge Menschen für Informatik begeistern, deren Begabungen aufspüren und fördern. So lässt sich das Ziel der Initiative »Bundesweit Informatik fördern« (BWINF) auf den Punkt bringen. Die Initiative spricht Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gleichermaßen an, möchte Berührungsängste abbauen und ihnen die Welt der Informatik als etwas Spannendes und Greifbares näherbringen. Die vier Projekte der BWINF-Initiative sind zielgruppenspezifisch angelegt: Das Jugend-Infoportal »Einstieg Informatik« und der Einstiegswettbewerb »Informatik-Biber« für Kinder ab zehn Jahren bieten einen altersadäquaten Zugang zur Informatik. Der »Bundeswettbewerb Informatik« bildet den Kern der Initiative, und ist als Leistungswettbewerb für talentierte junge Erwachsene bis 21 Jahre gedacht. Bei der »Informatik-Olympiade« messen sich die besten Nachwuchs-Informatiker auf internationaler Ebene.

Seit 1980 werden in deutschen Klassenzimmern Informatik-Talente gesucht, und das Interesse des Nachwuchses an Computertechnik gefördert. Die IT ist ein stetig wachsendes Fachgebiet, und Innovationen von Google, IBM, Microsoft oder Apple vereinfachen und verschönern den beruflichen und privaten Alltag. Dennoch bestehen immer noch gedankliche Barrieren vor der Wissenschaft der Informatik. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Dr. Bernd Althusman, betont die Bedeutung des Faches: »Die Informatik hat einen hohen pädagogischen Stellenwert im Fächerkanon der Schulen. […] Mit ihrer Alltagsrelevanz und Anwendungsorientiertheit baut die Informatik Brücken zur Lebenswirklichkeit außerhalb der Schule.« Die Initiative »Bundesweit Informatiknachwuchs fördern« (BWINF) wird mit ihren drei Wettbewerben und dem Internetportal von namhaften Partnern unterstützt: Träger der Initiative sind die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), der Fraunhofer-Verbund IuK-Technologie sowie das Max-Planck-Institut für Informatik. Die vier zentralen Aktivitäten werden zudem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Rund 1.000 Schülerinnen und Schüler nehmen jährlich am Bundeswettbewerb Informatik (BwInf) teil, der bei Jugendlichen, die bereits über Vorkenntnisse verfügen, die Begeisterung, an komplexen Problemstellungen und Algorithmen zu arbeiten noch weiter stärken soll. Praxisnahe Aufgaben, wie beispielsweise »Wie optimiere ich die Fahrtenplanung eines Logistikunternehmens?« oder »Wie lassen sich Anwesenheiten mithilfe von RFID-Chips erfassen?«, gilt es zu lösen. Der Bundeswettbewerb beginnt stets im September und besteht aus drei Runden, die sich über etwa ein Jahr erstrecken. In seiner aktuellen 30. Auflage wurde der BwInf um eine Juniorliga für Informatiktalente bis 16 Jahre erweitert. Die jüngeren Schülerinnen und Schüler erhalten künftig zwei etwas leichtere Aufgaben, die einfacher als bisher zu lösen sind und somit schneller zu ermutigenden Ergebnissen führen. In diesem Jahr sind zahlreiche neue Kräfte im Aufgabenausschuss tätig, und Unterstützung erhält der BwInf vom Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI), welches vom 11. bis 14. September 2012 die Finalrunde ausrichtet, sowie von Google und den Universitäten Aachen und Dortmund. BWINF-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Pohl betont die Wichtigkeit der Kooperation: »Wir freuen uns über die Unterstützung aus Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft. Unsere Partner leisten durch ihre Angebote für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Wettbewerbs.« Da der Wettbewerb fachlich sehr anspruchsvoll ist, werden die Bundessieger ohne ein weiteres Aufnahmeverfahren in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen.

Zudem erhalten alle Finalisten des Bundeswettbewerbs jährlich die Chance auf eine Teilnahme an der Internationalen Informatik-Olympiade (IOI). Weltweit werden in rund 80 Ländern je vierköpfige Teams ausgewählt, die bei der Olympiade für ihr Land an den Start gehen. An zwei Tagen lösen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigenständig Aufgaben algorithmischer Natur. Wie bei den Olympischen Spielen, werden Gold-, Silber- und Bronzemedaillen an die besten Informatikköpfe vergeben. Die 23. IOI fand 2011 in Pattaya (Thailand) statt, wo die deutschen Nachwuchs-Informatiker eine Silber- und zwei Bronzemedaillen gewannen. Im nächsten Jahr wird der internationale Wettbewerb in Australien stattfinden.

Der heimliche Held der BWINF-Initiative ist der informatikinteressierte Biber, das Maskottchen des Wettbewerbes »Informatik-Biber«. Als Breitenwettbewerb angelegt, setzt er keine Informatik-Vorkenntnisse voraus und zielt auf die große Masse an Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 5 bis 13 ab. Bei den jungen Teilnehmern soll das Interesse an Denksportaufgaben geweckt werden. Daher stehen keine komplexen Problemstellungen im Vordergrund, sondern grundlegende Kompetenzen wie logisches und strukturelles Denken. Der Wettbewerb wird als Online-Wettbewerb in vier verschiedenen Altersgruppen angeboten. Die Aufgabenstellungen sind unterhaltsam und anschaulich verpackt: So ging es 2011 beispielsweise um den optimalen Weg durch einen Supermarkt, die Positionsbestimmung auf einer Schatzkarte oder um Regeln für die Dekoration des Weihnachtsbaums. Aufgaben also, die verdeutlichen, wie spannend, greifbar und vielseitig Informatik ist.
Im vergangenen Jahr nahmen am 5. »Informatik-Biber« 155.419 Schüler aus 977 Schulen teil – darunter 88.633 Jungen und 66.786 Mädchen. Dies bedeutet eine Steigerung um etwa 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Jahrgangsstufe 7 und 8 war mit 51.828 männlichen und weiblichen Informatik-Interessierten am stärksten vertreten. Der erste Platz wurde 523 Mal belegt, den zweiten Platz erreichten 4.062 Teilnehmer, und den dritten Platz teilten sich 34.209 Nachwuchs-Informatiker und -Informatikerinnen. Für die Zukunft werden 200.000 Teilnehmer angestrebt. Der Protagonist des Wettbewerbs, der Informatik-Biber, ist inzwischen sogar in einem eigenen interaktiven Online-Spiel anzutreffen, bei dem es knifflige Aufgaben zu meistern gilt. 

Abgerundet wird das BWINF-Angebot durch das Internetportal »Einstieg Informatik« (EI), welches ausführliche Informationen zum Thema Informatik und praktische Hinweise kombiniert, und an dem sich derzeit 24 Hochschulen beteiligen. Die User erhalten Empfehlungen zu Programmier-Tools und Büchern, können sich über Studienstandorte informieren oder sich im Community-Bereich über den Bundeswettbewerb Informatik austauschen. Das EI-Portal veranschaulicht, wie vielseitig das Berufsfeld Informatik ist, und stellt Menschen vor, die beruflich mit Informatik zu tun haben.

Die Initiative »Bundesweit Informatik fördern« ist mit ihren vier Projekten, die allesamt auf positive Resonanz stoßen, auf dem richtigen Weg, bei Schülerinnen und Schülern aller Altersklassen die Berührungsängste vor dem Fach Informatik abzubauen. Auch bei der diesjährigen BwInf-Endrunde im September und einer neuen Auflage des »Informatik-Biber« im November wird wieder fleißig geknobelt, gerechnet und gebib(b)ert werden. (nst)

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