Ja, jetzt wird es etwas! Ich gehöre zu diesen Ungeduldigen, die ja die Welt von morgen durchdenken und gestalten wollen – von E-Mobile weiß ich im Prinzip schon „immer“. Aber es dauert dann so lange! Ach, es ist so leicht zu sagen, dass die Batterie der Smartphones länger als einen Tag halten sollte oder dass der Bildschirm zu klein ist. Aber auch ich vergesse oft, wie viel stets erst erfunden werden muss, damit wir unser „World Control Center Cockpit“ endlich in der Hand halten können.

Die Laptops waren lange Zeit zu schwer, die Batterien hielten zwei Stunden. Ich reise viel herum, eine Zugfahrt von vier Stunden ist nicht selten. Die Bildschirme waren stromsparend dunkel. Ich erinnere mich noch deutlich, wie ich in greller Sonne auf dem Laptop versuchte, eine Adresse für den Taxifahrer nachzuschlagen. Ich sah nichts. Auf den Smartphones sieht man auch fast nichts, weil sie wieder zu klein sind. Und ich „weiß“ schon längst, dass wir uns am Ende auf die maximale Bildschirmgröße einigen müssen, die in eine schwarze Jackettasche passt, wobei BOSS und JOOP! vielleicht noch ein bisschen nachgeben könnten.

Was ist passiert? Die Batterietechnik feiert Triumphe, sie übt jetzt wohl am besten an den E-Bikes weiter, als Vorspiel zu Autos. Die Bildschirme mit Backlight zeigen jetzt auch am griechischen Strand Farbe. Die Flash-Speichertechnologie wird billiger und kann die Festplatten ersetzen, die groß, schwer und energiefressend sind. Die Navis sind langsam perfekt geworden und lassen sich überall einbauen. Die Spracherkennung wird besser. Local Based Services zeigen uns lokale Besonderheiten und die GPS-Position unseres Hundes oder Autoschlüssels. Ein Kindle von Amazon wiegt nur noch 170 Gramm. Es gibt in Zügen immer öfter Steckdosen, manchmal auch Hotspots. Die Funkabdeckung des Internet wird besser, LTE kommt bald und erlöst uns, dann werden die Flatrates für Mobile billiger. Wir können Cloud-Services im Netz nutzen, brauchen kaum noch ein DVD-Laufwerk, das den Laptop aufplustert. Es gibt mehr Inhalte wie E-Books, E-Journals, Communities wie in Facebook und Google+. Auf der Buchmesse war fast nur Papier zu sehen, aber die meisten reden von der Zukunft. Alle bauen schon Apps, die Autos gehorchen bald…

Halten wir einmal kurz inne – und lassen Sie uns wertschätzen, was da in vielen Industrien geleistet worden ist und geleistet wird. Auch wenn wir uns noch täglich über die Steinzeit ärgern – „der Hotelzimmerpreis versteht sich inklusive Toiletten- und Schlafdauerflatrate, Internet aber plus 15 Euro“. Immer noch ist Internet im ICE ein großes Problem, weshalb ich mich überall als Fan von Sackbahnhöfen oute. Die Banken schmoren irgendwo anders, wo sich doch alle einmal zusammensetzen und sich auf Bezahlsystemstandards einigen könnten…

Freuen wir uns also alle an Gegenwart und baldiger Zukunft – alle, die das können! Aber es freuen sich noch nicht so arg viele. Bei Podiumsdiskussionen werde ich immer noch als heilloser Techie belächelt. Facebook ist Feind, Simsen unbekannt, Google dominant und Smartphone-Tipperei und Spielerei gefährlich für die Bücher, die Bildung und die Zukunft der Jugend. Nichts ist sicher im Internet, und der amerikanische Geheimdienst erfährt alles. Das sagen immer die, die früher von ihren Eltern mit Fernsehverbot bestraft wurden und nun statistisch gesehen knapp 300 Minuten und damit doppelt so lange wie die Kids vor der Glotze hocken. Hey, Leute, jetzt mal an alle, freut euch doch mit. Es ist Zeit für einen Bildschirmwechsel.

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Prof. Dr. Gunter Dueck
  • Kolumnist, Schriftsteller, Unternehmer
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