Erneuerbare Energien, Netzausbau und Energieeffizienz sind die drei Säulen der Energiewende. Während die ersten beiden Säulen im Rampenlicht stehen, wird die Energieeffizienz stiefmütterlich behandelt. Zwar gibt es genügend Appelle zur Einsparung von Energien, aber meistens bleibt es auch dabei. Die Politik und Fachleute befassen sich mit dem Thema, aber es hat nicht die Bedeutung wie der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Ausbau der Netze. Trassenführungen durch unser Land werden heftig diskutiert, Bürgerinnen und Bürger mobilisieren dagegen. »Not in my backyard« heißt oftmals das Mantra. Die mangelnde Bereitschaft über Energieeffizienz zu diskutieren, ist nicht verwunderlich, heißt das doch, lieb gewonnene Gewohnheiten und damit Lebensstile in Frage zu stellen. Das Denken in Zusammenhängen, wie Energie und Klima, wird oftmals anderen überlassen. Jetzt geht es ja erstmal um die Energiewende. Der Rest kommt später. Aber ist das richtig?

Auslöser der Energiewende war die Entscheidung der Politik, nach dem Unfall in Fukushima aus der Atomkraft auszusteigen. Ein Ersatz musste her und der wird in der Energie aus Sonne, Wind und Wasserkraft gesehen. Aber ist damit für die Zukunft alles getan? Stellen sich nicht grundlegendere Fragen? Wie viel Energie brauchen eine Gesellschaft und eine Wirtschaft, die auf dem Weg vom Industrie- in das Informationszeitalter sind? Kann die Digitalisierung einen Beitrag zur weitgehend karbonfreien Produktion leisten? Wie sieht es mit einer Symbiose aus Energienetzen und Internet aus? Und noch grundsätzlicher: Wie halten wir es mit unseren Lebensstilen? Verschwenderischen Konsum zurückführen, heißt auch Energie sparen. Energie, die nicht gebraucht wird, muss erst gar nicht erzeugt werden. Die Treibhausgase sind in den vergangenen Jahren nicht gesunken, sondern weiter gestiegen. Müssen wir die Energieversorgung nicht viel stärker in den Kontext des Klimaschutzes stellen? Müssen wir nicht viel schneller handeln und zum Beispiel energieaufwendige und CO² verursachende Reisen durch Substitution mittels digitaler Technologien zurückfahren? Wäre es nicht sinnvoll, massiv in emissionsfreie öffentliche Verkehrsmittel zu investieren, Green-Gardening in Städten zu fördern, den globalen Transport von Lebensmitteln radikal zurückzufahren und der regionalen Produktion mehr Aufmerksamkeit zu schenken? Müssen wir nicht eine Politik voranbringen, die Selbstorganisation und Daseinsvorsorge wieder in den Fokus stellt, das Gemeinwesen fördert, den Zusammenhalt der Menschen stärkt und den öffentlichen Errungenschaften durch mehr Investitionen neue Entfaltungsmöglichkeiten bietet?

Es ist notwendig, unsere Digitalstrategien hierauf stärker auszurichten. Kommunen sollten Initiativen aus der Zivilgesellschaft unterstützen, die eine Stadtentwicklung unter ressourcenschonenden Bedingungen voranbringen. Auch bei der Erneuerung und Modernisierung der Infrastruktur können sie Zeichen setzen, indem sie Infrastrukturen priorisieren, die eine Produktion möglich machen, die Ressourcen schont. Car-Sharing und Mobilitätsplattformen reduzieren den Energieverbrauch, indem Mitfahren statt Selbstfahren attraktiv wird. Ein Auto hat durchschnittlich vier Sitzplätze. 40 Millionen PKWs gibt es in Deutschland. Das sind 160 Millionen Plätze, gut 100 Millionen bleiben davon meist leer. Ist das energieeffizient? Teilen statt Besitzen geht uns alle an.

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Franz-Reinhard Habbel
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